Der Weg von A nach B ist nicht gerade
Ein Sprung ins kalte Wasser als Grundstein für eine Bilderbuchkarriere: Adolf Inzinger, Leiter der österreichischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder.

Foto © KKAdolf Inzinger mit drei seiner Mitarbeiterinnen
Mut kann man nicht kaufen, und schon gar nicht lernen. Als Adolf Inzinger nach dem Abschluss der HAK in Feldkirchen eine Stelle bei den Barmherzigen Brüdern annahm, schickte ihn der damalige Pater Prior nach Eisenstadt, zum Lernen. Nachdem er sich ein halbes Jahr lang alles zum Thema Organisation angeeignet hatte, wurde er nach Kärnten zurückgeholt und zum Leiter der Verwaltung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in St. Veit an der Glan ernannt. Mit 20 Jahren.
Haben Sie sofort zugesagt, als man Ihnen diese Position angeboten hat?
ADOLF INZINGER: Nein, ich musste erst eine Nacht darüber schlafen, weil ich im ersten Moment gedacht habe: "Das schaffe ich nicht."
Wie haben Sie sich dann in der Praxis bewährt?
INZINGER: Nach heutigen Maßstäben hätte ich mich wahrscheinlich selbst rausschmeißen müssen. Im Ernst, ich war anfangs überfordert. Vor allem - was ein Leben lang eine Herausforderung bleibt - das Führen der Mitarbeiter betreffend. Der Weg von A nach B ist eben keine gerade Linie. Es ist oft gescheiter, ein paar Umwege zu nehmen. Das musste ich erst lernen.
Hatten Sie den nötigen Rückhalt?
INZINGER: Ich hatte einen Mentor, der mir sehr geholfen hat. Entscheidend war aber, dass der Pater Prior das Vertrauen in mich gesetzt hat. Er hat toleriert, dass man Fehler macht. Mit 25 wurde ich dann nach Wien geholt.
Sind Sie bei Fehlern genauso tolerant ?
INZINGER: Damals in St. Veit habe ich zwei Jahre beobachtet, wie sich die Leute entwickeln. Diejenigen, die mitgezogen sind, sind heute noch bei uns. Grundsätzlich haben wir eine straffe Personaldecke und den Ehrgeiz, für jeden Posten den Besten zu bekommen. Für den Empfang jemanden, der auch in einem Vier-Sterne-Hotel sitzen könnte, für die Buchhaltung jemanden, der herausragend ist. Den Besten von den Schlechten zu nehmen, ist nicht erstrebenswert.
Wer ist "der Beste"?
INZINGER: Jemand, der ins Team passt und qualifiziert ist. Wenn man seine Aufgaben nicht erfüllen kann, halst man den anderen zu viel Arbeit auf. Dann gäbe es ein Ungleichgewicht, das würde nicht funktionieren.
Insgesamt arbeiten rund 7000 Mitarbeiter an 30 Standorten für die Organisation. Wie kümmert man sich um den Einzelnen - vor allem um seine Gesundheit?
INZINGER: Wir haben 2009 eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt, die für uns richtungsweisend war. Es gibt nun unter anderem Angebote für Lauftrainings, Yoga oder Marathonvorbereitung für die Mitarbeiter. Im Wiener Haus haben wir Gespräche zum Thema Burn-out organisiert, von 800 Mitarbeitern haben sich 400 dafür interessiert.
Vor allem bei den Ärzten ist die Burn-out-Rate hoch.
INZINGER: Burn-out ist eine präsente Problematik. Für alle Beteiligten in einem Krankenhaus ist der Beruf eine Herausforderung - vor allem für Pfleger und Ärzte. Von der psychischen bis zur körperlichen Belastung.
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ZUR PERSON
Der gebürtige Kärntner Adolf Inzinger ist Gesamtleiter der österreichischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder - das Unternehmen ist auf 30 Standorte verteilt und hat rund 7000 Mitarbeiter.














