Mentoring für Migranten geht in nächste Runde
Seit 2008 werden gut qualifizierte Migranten von Persönlichkeiten aus der Wirtschaft in einer Mentoring-Partnerschaft unterstützt.

Foto © Franz Pflügl
Das Mentoring-Programm für Migranten, eine gemeinsame Initiative von Wirtschaftskammer (WKÖ), Integrationsfonds (ÖIF) und Arbeitsmarktservice (AMS), geht in die nächste Runde. Dabei werden gut ausgebildete Migranten bei der Jobsuche unterstützt. Seit 2008 wurden mehr als 500 gut qualifizierte Migranten und Migrantinnen von Persönlichkeiten aus der Wirtschaft auf ihrer Suche nach einem für sie entsprechenden Arbeitsplatz in einer Mentoring-Partnerschaft unterstützt. 13 Durchgänge wurden bereits abgeschlossen, drei laufen gerade in Tirol, Steiermark und Vorarlberg, demnächst kommen drei weitere in Wien, Niederösterreich und Oberösterreich dazu, kündigte WKÖ-Generalsekretärin Anna Maria Hochhauser nun bei einem Pressegespräch in Wien an.
WKÖ-Hochhauser: "Migration als Chance"
"Migration muss als Chance gesehen und genutzt werden", betonte Hochhauser, sie müsse als gesellschafts- und wirtschaftspolitische Aufgabe gesehen werden. "Wir müssen eine Willkommenskultur für potenzielle Zuwanderer schaffen, die einem Land wie Österreich auch zusteht", so die WKÖ-Generalsekretärin.
Das Mentoring-Programm sei von wesentlicher sozial- und wirtschaftspolitischer Bedeutung. 31 Prozent der heimischen Unternehmen hätten Probleme bei der Besetzung von offenen Stellen mit Fachkräften. Mitverantwortlich dafür sei auch die demografische Entwicklung. Hochhauser sieht durch die steigende Zahl an Pensionierungen den Wirtschaftsstandort Österreich längerfristig gefährdet. "Der Migration und Integration gehört die Zukunft", so die WKÖ-Generalsekretärin.
Neben der gezielten Zuwanderung durch die Rot-Weiß-Rot-Karte, die einen Wendepunkt in der Zuwanderungspolitik in Österreich darstelle, gehe es auch darum, das bereits im Inland befindliche Potenzial von Menschen mit Migrationshintergrund besser zu nutzen. Hier setze das Mentoring für Migranten an. Es biete Unterstützung bei der Job-Suche und Unternehmensgründung. Neben der bereis abgeschlossenen Berufsausbildung würden die Sprach- und Länderkenntnisse der Migranten Vorteile für die heimische, exportorientierte Wirtschaft bringen. Von den über 500 betreuten Personen hätten bereits 40 Prozent am Arbeitsmarkt Fuß fassen können. "Das ist eine hohe Quote", so Hochhauser. Dafür sei dieses einzigartige Projekt im Mai auch mit dem Sonderpreis bei den European Enterprise Awards ausgezeichnet worden.
"Für Zuwanderer ist es besonder schwierig, in den Arbeitsmarkt einzusteigen", so die stellvertretende ÖIF-Geschäftsführerin Beatrix Lewandowski. Sprache, Bildung und berufliche Qualifikationen seien die zentralen Angelpunkte einer gelungenen Integration.
Fehlende Netzwerke als Problem bei Job-Suche
Dass es Ausländer am Arbeitsmarkt schwieriger hätten, zeigten auch die aktuellen Arbeitslosenzahlen, so AMS-Vorstand Johannes Kopf. In Österreich lebten 1,4 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, davon 900.000 Ausländer. Während die Arbeitslosenrate der Österreicher im ersten Halbjahr 6,5 Prozent betragen habe, seien es bei Ausländern 9,8 Prozent gewesen. Die Gründe dafür seien noch in Auswertung. Es gebe aber viele Problemlagen, neben den Sprachkenntnissen auch die Berufsanerkennung und fehlenden Netzwerke.
Es gehe darum, vorhandene Potenziale zu nutzen. Während unter den Österreichern laut Statistik Austria nur 10 Prozent für ihren Job überqualifiziert seien, liege dieser Anteil unter den Ausländern bei 28 Prozent. Auch Kopf betonte, dass es einen Fachkräftemangel in Österreich gebe, zwar noch keinen generellen aber nach Berufsgruppen unterschiedlichen regionalen, der aber immer stärker werde.
Die Kosten des Programmes seien relativ niedrig und bestünden hauptsächlich aus Druckkosten und Mieten für Veranstaltungen, so Hochhauser. Es werde auch von der go-International-Inititative von Wirtschaftsministerium und WKÖ mitgetragen.














