Mögliche Sonntagsöffnung verunsichert Angestellte
Die plötzlich vom Zaun gebrochene Diskussion rund um eine Sonntagsöffnung der Villacher Innenstadt-Geschäfte sorgt bei zahlreichen Handelsangestellten für massive Verunsicherung. Über 70 Anrufe bei Gewerkschaft.

Foto © ZoreStadtrat Pfeiler kämpft für offenen Sonntag in Villach
Um Angestellten aus dem Bereich Handel für sämtliche Fragen rund um das Thema Sonntagsöffnung zur Verfügung zu stehen, richtete die GPA-djp Kärnten eine Hotline ein. Über 70 Anrufe erreichten die Gewerkschaft bereits nach den ersten drei Tagen.
"Es ist unglaublich, wir hätten nie damit gerechnet, dass diese Hotline in einem derartig hohen Ausmaß in Anspruch genommen wird", zeigt sich Günther Granegger, Regionalsekretär der GPA-djp Kärnten und zuständig für den Bereich Handel, selbst überrascht.
Auffallend sei laut Granegger die Tatsache, dass sich nicht nur Handelsangestellte der Villacher Innenstadtgeschäfte an die Gewerkschaft wenden, sondern auch zahlreiche Anrufer aus anderen Teilen Kärntens von der Hotline Gebrauch machen. "Die Verunsicherung ist groß. Angestellte, die in der Klagenfurter Innenstadt arbeiten, haben die Befürchtung, dass - wenn es in Villach zu einer Sonntagsöffnung der Geschäfte kommt - Klagenfurt als nächstes dran sei", so der Handelssekretär. "Diese Schlussfolgerung ist absolut nachvollziehbar und das ist auch die Befürchtung der Gewerkschaft", so Granegger.
Frauen in der Falle
Mehr als 60 Prozent der Handelsangestellten sind Teilzeit beschäftig und erhalten ein durchschnittliches Einkommen von Euro 780 Euro brutto. Ein Großteil davon sind Frauen. "Vielen Frauen ist es aufgrund ihrer Arbeitszeiten nicht möglich, unter der Woche Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Der Sonntag ist oft der einzige Tag, der ihnen für die Familie zur Verfügung steht. An diesem Tag arbeiten zu müssen, würde für sie eine massive Verschlechterung der Lebensqualität bedeuten", erklärt Granegger. Besonders traurig sei auch, dass zahlreiche Angestellte Angst davor hätten, ihren Arbeitsplatz verlieren zu können. "Eine Alleinerzieherin erzählte, dass sie keine Möglichkeit hat, für Ihren Sohn an einem Sonntag eine Betreuung zu finden. Gleichzeitig aber sei sie sich sicher, dass wenn sie der Arbeit am Sonntag nicht nachkäme, für sie ganz schnell Ersatz gefunden werde", berichtet Granegger von einer Anruferin. "Die Leute sind zum Teil richtig verzweifelt und stehen unter einem enormen psychischen Druck".
Die GPA-djp Kärnten und auch der ÖGB Kärnten fordern daher die für diese Diskussion verantwortlichen Akteure auf, von dieser Idee rasch wieder Abstand zu nehmen. "Eine Sonntagsöffnung der Villacher Innenstadt-Geschäfte würde zu einem erbitterten Konkurrenzkampf unter den Handelstreibenden führen, der sich dann negativ auf die Beschäftigten auswirkt. Wir sind der Meinung, dass auch Handelsangestellte ein Anrecht auf Lebensqualität, Freizeit und Familie haben", so Granegger.














