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Zuletzt aktualisiert: 02.08.2010 um 14:13 UhrKommentare

Gewerkschaft: Leiharbeit soll beschränkt werden

Seit Jahresanfang ist die Zahl der Leiharbeiter in Österreich von 54.000 auf 80.000 gestiegen. Gewerkschaft und Arbeiterkammer wollen, dass der Anteil der Leiharbeiter in Betrieben per Verordnung nicht mehr als 10 Prozent beträgt.

Statt Fixanstellungen gibt es in vielen Unternehmen nur noch Leiharbeiter

Foto © APAStatt Fixanstellungen gibt es in vielen Unternehmen nur noch Leiharbeiter

Die Leiharbeit in Österreich boomt. Wegen der noch immer unsicheren Konjunktur beschäftigen die Unternehmen lieber Leiharbeiter als Fixangestellte. Von Jänner bis Juni d.J. ist die Zahl der Leiharbeiter von knapp 54.000 auf fast 80.000 hinaufgeschnellt, gegenüber Mai betrug das Plus mehr als 30 Prozent. Damit hat die Branche jetzt wieder fast den Höchststand von 2008 mit 80.000 bis 90.000 Beschäftigten erreicht. Die Gewerkschaft Pro-Ge und die Arbeiterkammer (AK) wollen, dass Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) den Anteil der Leiharbeiter bei den Betrieben, die Zeitarbeiter beschäftigen, per Verordnung auf 10 Prozent deckelt.

Bei Spitzenabdeckung und Schwankungen

"Wir fordern, dass die Unternehmer mehr Vertrauen in die österreichische Wirtschaft und in die Fähigkeiten der eigenen Betriebe und Beschäftigten haben. Derzeit fehlt dieses Vertrauen und die Betriebe setzen auf Zeitarbeiter. Dieser Praxis gehört ein Riegel vorgeschoben," betont der Chef der Gewerkschaft Pro-Ge, Rainer Wimmer, zur APA. Es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn etwa zur Spitzenabdeckung oder um Schwankungen auszugleichen, Leiharbeitern eingesetzt werden. Aber es könne nicht Ziel sein, dass in einzelnen Betrieben Leiharbeiter die Mehrheit der Beschäftigten stellen sollen. So werden Mitarbeiterrechte ausgehöhlt und Sozialdumping betrieben. Daher müsse der Anteil der Leiharbeitskräfte in Betrieben begrenzt werden.

Man werde sich dieser Frage stellen, so Hundstorfer am Montag im ORF-Mittagsjournal. Ein "gesunder Mix" von einem gewissen Prozentanteil von Leiharbeitern zum Stammpersonal in den Betrieben sei notwendig. Auf die von der Gewerkschaft geforderten 10 Prozent wollte sich der Minister nicht festlegen. Es gehe aber um ein gewisses Reglement.

Unterstützt wird die Forderung der Gewerkschaft nach einer Beschränkung auch von der Arbeitnehmer-Sprecherin der Grünen, Birgit Schatz. Sie will die Leiharbeit zusätzlich auch noch teurer machen. Denn wenn Unternehmen mehr Flexibilität wollen, sollen sie die auch in Form eines Zuschlages bezahlen. Leiharbeit dürfte künftig "nur ein Hilfssystem für produktions- und nachfrageintensive Kurzphasen" sein.

Heftige Kritik an der Gewerkschaftsforderung kam heute postwendend vom Bundesvorsitzenden der Personaldienstleister in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Gerhard Flenreiss. Dies sei ein "Eingriff in unternehmerische Verantwortung und Planung, der aufs Strikteste abzulehnen ist".

Zeitarbeit schlechtzureden und stattdessen Klischees zu propagieren, zeuge von Unkenntnis oder nicht "zur Kenntnis nehmen wollen" dieser Beschäftigungsform, so Flenreiss. Unternehmen biete Zeitarbeit die Möglichkeit, Zeiten schwankender Auftragsauslastung flexibel zu überbrücken. Für Wiedereinsteiger bedeute Zeitarbeit etwa die Möglichkeit, rasch wieder in Beschäftigung zu kommen. Die KMU Forschung Austria habe ergeben, das 44,3 Prozent der Zeitarbeiter länger als sechs Monate in einem Versicherungsverhältnis waren. Dazu komme, so Flenreiss, dass öfter Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen bei stabiler Auftragslage von den Unternehmen direkt angestellt werden.

Im Krisenjahr 2009 betrug der Beschäftigungsanteil von Leiharbeitern in Bereich Eisenerzeugung, Gießereien und Nichtmetallindustrie bereits 10,3 Prozent (3.223 Personen). Die meisten Leiharbeiter gab es im Vorjahr bei den Schlossern Landmaschinentechniker und Schmieden mit 3.616 Personen oder einem Anteil von 7,8 Prozent.

Leiharbeiter haben ein hohes Arbeitsplatzrisiko, so die Gewerkschaft. Ein Drittel der Arbeitsverhältnisse dauert nicht länger als ein Monat, rund 55 Prozent nicht länger als drei Monate. Darüber hinaus ist die Chance auf Weiterbildung eher gering.






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