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Zuletzt aktualisiert: 22.06.2010 um 17:09 UhrKommentare

"Es geht nur ganz oder gar nicht"

Rasanter Aufstieg für den Anlagenbauer Inteco: Geschäftsführer Harald Holzgruber über den (Stahl-)Kern der Sache.

Konzentriertes Knowhow in der Zentrale in Bruck an der Mur. Harald Holzgruber führt das Unternehmen in zweiter Generation

Foto © PrivatKonzentriertes Knowhow in der Zentrale in Bruck an der Mur. Harald Holzgruber führt das Unternehmen in zweiter Generation

Als der Vater die Firma Inteco gründet, ist Harald Holzgruber zehn Jahre alt. Metallurge, schreibt er einmal stolz unter "Beruf des Vaters" in das Schüler-Stammblatt. Ohne so richtig zu wissen, was das denn ist. 15 Jahre später macht er selbst den Abschluss in Metallurgie an der Montanuni Leoben. Zuerst arbeitet er bei der Voest, dann steigt er bei Inteco ein.

Mit 35 nimmt ihn der Vater mit zum Notar. "'So, ich lege jetzt meine Geschäftsführung nieder', hat er gesagt", erinnert sich Holzgruber. "Ohne Vorwarnung. Dann ist er aus seinem Büro ausgezogen." Als Wolfgang Holzgruber sich zurückzieht, ist das Unternehmen 30 Mitarbeiter stark und macht etwa fünf Millionen Euro Umsatz. Heute hat Inteco rund 150 Mitarbeiter am Standort Bruck und 130, die sich über China, Indien, Deutschland und die USA verteilen. Innerhalb von drei Jahren explodiert der Umsatz von 19 Millionen Euro (2007) auf geplante 65 Millionen für 2010.

Haben Sie 1991 schon als Juniorchef in der Firma Ihres Vaters begonnen?

HARALD HOLZGRUBER: Nein ich war am Anfang quasi "Mädchen für alles". In kleinen Unternehmen gibt es ja keine strenge Organisation. Da trägt man ein Kapperl mit verschiedenen Schildern drauf – Einkauf, Verkauf, Kundenbeziehungen pflegen, Anlagen in Betrieb setzen, sogar Programme für die Bestellabwicklung schreiben. Das waren wichtige Jahre für mich, weil ich alles kennenlernen konnte.

Der Umsatz steigt rapide, wie bleiben Sie am Boden?

HOLZGRUBER: Wir sind nicht ganz unzufrieden, aber mit der nötigen Demut. Man muss immer versuchen, die Balance zu halten – für den einzelnen und die Firma, damit man die Bodenhaftung nicht verliert. Wenn man aber sein Ohr am Markt hat und eng mit dem Kunden kommuniziert, fällt das leichter. Man hat ja nicht nur Erfolge. Für mich steht der Kunde an erster Stelle. Am Ende des Tages entscheidet er, ob wir erfolgreich sind oder nicht.

Steht mit dem Wachstum der Firma ein Standortwechsel ins Haus?

HOLZGRUBER: Nein, wir sind mit dem Standort sehr zufrieden, weil wir im Umfeld hervorragende Ausbildungsstätten haben, etwa die FHs in Kapfenberg und Graz, die Hüttenschule in Leoben oder die Montanuniversität. Natürlich würde ich mir noch mehr Angebot wünschen. Technische Ausbildungen haben generell einen eher schlechten Stellenwert. Leider, denn letztendlich leben wir von der Technik, weil wir ein großes Knowhow haben, das auf der Welt gefragt ist.

Auf welchen Markt setzen Sie?

HOLZGRUBER: In etwa zwei bis drei Jahren wird in China 50 Prozent der weltweiten Stahlproduktion stattfinden. Auch in Indien wollen wir uns entsprechend positionieren. Anfang dieses Jahres haben wir dort ein Verkaufsbüro eröffnet. Indien hat mit über einer Milliarde Menschen und einer Stahlproduktion von 50 Millionen Tonnen – rund 50 Kilo pro Einwohner pro Jahr – einen extrem niedrigen Verbrauch. Eine saturierte und entwickelte Wirtschaft wie etwa der europäische Wirtschaftsraum oder auch Japan verbraucht hingegen pro Einwohner pro Jahr zwischen 400 und 450 Kilo.

Nehmen Sie immer volles Risiko?

HOLZGRUBER: Ich bin zu einem gewissen unternehmerischen Risiko bereit, aber bezeichne mich als vorsichtigen Optimisten. So euphorisch, einfach in Dinge hineinzurennen, bin ich nicht. Ich schwanke immer zwischen den Polen "zu zaudernd" und "zu forsch".

Schaffen Sie es zu delegieren?

HOLZGRUBER: Ab einer gewissen Firmengröße wird das zur Notwendigkeit. Aber ich kann mich nicht zurückziehen und alles aus der Vogelperspektive betrachten. Es geht nur ganz, voll engagiert, oder gar nicht. Dann muss man aber auch die anderen machen lassen und sich zu 100 Prozent aus der operativen Ebene zurückziehen, wie es mein Vater getan hat.

Wissen Ihre Kinder, was Sie beruflich machen?

HOLZGRUBER: Mein Sohn ist 13 und war beim ersten Firmenbesuch so begeistert wie ich damals. Jetzt will er unbedingt in meine Fußstapfen treten. Auch meine Tochter, sie studiert Jus und BWL, zeigt Interesse. Wir diskutieren das aber nicht. Ich wäre ihnen nicht böse, wenn es sie nicht interessieren würde.

BIRGIT PICHLER

Fakten

Harald Holzgruber (47) ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er studierte Metallurgie. 1991 Eintritt bei Inteco (1973 von Wolfgang Holzgruber gegründet). 1998 Geschäftsübernahme. Inteco bietet Komplettlösungen im Anlagenbau und ist Weltmarktführer im Bereich Sondermetallurgie. Zentrale: Bruck. Insgesamt: rund 280 Mitarbeiter. Geplanter Umsatz 2010: 65 Mio. Euro.





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