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Zuletzt aktualisiert: 29.04.2010 um 06:48 UhrKommentare

"Nicht mehr für Geld arbeiten"

dm-Gründer Götz Werner tritt für ein Grundeinkommen für jeden ein. So könnte jeder entsprechend seiner Stärken arbeiten. Mit 800 Euro im Monat könnte man seiner Meinung nach ein bescheidenes Leben führen.

Millionär mit Ideen: Götz Werner referiert am Freitag in Klagenfurt

Foto © APMillionär mit Ideen: Götz Werner referiert am Freitag in Klagenfurt

Sie treten für ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden ein. Provokant gefragt: Wäre nicht ein Tritt in den Hintern effizienter, um die Leute zum Arbeiten zu bewegen?

GÖTZ WERNER: (lacht). Das ist eine Volksmeinung. Wahr ist aber, dass Arbeit erst durch Einkommen möglich wird. Hier unterliegen wir einem Denkfehler.

Klären Sie den bitte auf.

WERNER: Einkommen versetzt uns in die Lage, für andere tätig zu werden. Wenn jeder monatlich einen Betrag von rund 800 Euro zur Verfügung hätte, um damit bescheiden aber menschenwürdig seine Grundbedürfnisse zu befriedigen, kann er sich mit seinen Stärken dort in der Gesellschaft einbringen, wo es sinnvoll ist.

Glauben Sie.

WERNER: Ja, denn die Gesellschaft würde eine ganz neue Thermik erfahren. Heute arbeitet man unter Druck, mit Existenzangst. Vielfach machen die Leute ihren Job nur noch des Geldes wegen. Mit dem Grundeinkommen würde sich jeder so einbringen, wie er es für bestmöglich findet. Menschen würden andere Arbeiten viel eher aufgreifen, wenn ihre Existenz abgesichert ist.

Sie meinen derzeit noch ehrenamtliche Tätigkeiten?

WERNER: Zum Beispiel, ein Großteil des Rettungs- und Feuerwehrwesens in Kärnten fußt ja auf dem Ehrenamt. Aber auch in anderen Bereichen, etwa in der Kunst und der Bildung, würden sich Perspektiven eröffnen. Oder denken Sie nur einmal, welche Möglichkeiten sich für eine alleinerziehende Mutter ergeben, wenn sie nicht mehr fürs nackte Überleben arbeiten muss.

Zur Finanzierung schlagen Sie eine erhöhte Konsumsteuer bei gleichzeitiger Streichung der Lohnsteuer vor. Haben Sie schon den Steuersatz errechnet, der nötig wäre, um das zu finanzieren?

WERNER: Am Ende muss das rauskommen, was ausgabenseitig gebraucht wird. Aber übersehen Sie nicht die übrigen Effekte dieses Steuermodells: Wir würden Menschenarbeit von Steuern entlasten und dadurch einen Anreiz für Arbeitsplätze schaffen. Unser einkommensbasiertes Steuersystem ist in Wahrheit der einzige Grund, warum Betriebe abwandern. Die Infrastruktur, die wir hier haben, ist ja hervorragend.

Zwei Kritikpunkte: Als Milliardär fällt es ihnen naturgemäß leicht, so eine Meinung zu vertreten. Zweitens: Glauben Sie nicht ein wenig zu sehr an das Gute im Menschen.

WERNER: Ich erwarte von den Leuten nicht mehr, als ich von mir erwarte. Und natürlich glaube ich an das Gute im Menschen. Sonst würde ich bei 34.000 Kollegen in den dm-Märkten durchdrehen. Eines noch: Hätte es vor 38 Jahren das Grundeinkommen gegeben, hätte ich mir bei der Firmengründung einige Diskussionen mit meinen Schwiegereltern erspart.

INTERVIEW: THOMAS CIK

Zur Person

Götz Werner (66) gründete 1973 die Drogeriekette dm. Aktuell gibt es über 2024 Filialen in Europa. Das Manager Magazin schätzte 2005 sein Vermögen auf 1,05 Milliarden Euro. Mitte 2008 zog er sich in den Aufsichtsrat zurück.

2003 wurde er an der Uni Karlsruhe zum Professor für Entrepreneurship (Unternehmergeist) ernannt.

Das dm-Konzept beruht auf weitgehender Selbstständigkeit der einzelnen Filialen - vom Verkauf bis zum Lohn. Seine Mitarbeiter nennt er konsequent "Kollegen".

Milton Friedman folgend setzt er sich seit 2005 für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein.



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