Warum ich jetzt ein Ego bin
Eine Lanze für den Egoismus bricht Stefan Lewerenz und gibt freche Überlebenstipps fürs Büro - gegen cholerische Chefs und für mehr Mut in Sachen Gehalt.

Foto © Helmut Niklas - Fotolia.com
Man muss schon gut ausgebildet und obendrein noch clever sein, wenn man sich heutzutage auf einem Posten halten und außerdem damit glücklich sein will, ist Stefan Lewerenz überzeugt. Als Steward bei der Lufthansa und später als Chefredakteur hat er mobbende Kollegen, cholerische Vorgesetzte und eine Menge Neider kennen gelernt. Jetzt gibt es seine Überlebensstrategien für den Joballtag in Buchform - Titel: "Mit Schleim, Charme und Methode".
Seine Tipps für mehr Egoismus bei der Arbeit und wie man besser mit cholerischen Chefs auskommt.
Nett? Warum es den "ganz netten Chef" von Haus aus nicht geben kann, erklärt der Autor so: "Wir Untergebenen neigen dazu, den Unterarm zu nehmen, wenn uns der kleine Finger gereicht wird." Aufträge würden nicht mehr korrekt abgehandelt und Pünktlichkeit wäre ein Fremdwort. "Mit Freundlichkeit allein kann wahrscheinlich niemand seine Leute motivieren."
Emotionen. In der Hitliste der unbeliebten Chefcharaktere steht der Choleriker meist ganz oben. Gerade diese "verbalen Tellerminen" seien aber leicht zu überlisten. Nach einer Schreiattacke hätten sie in den meisten Fällen ein schlechtes Gewissen. "Wenn man es richtig macht, kann man genau das ausnutzen." Bei Brüllattacken, rät Lewerenz daher, immer ruhig zu bleiben: Am besten auf den Boden blicken, direkten Sichtkontakt meiden und sich die schlimmsten Formulierungen ganz genau merken. Betroffenheit zeigen, die Knie butterweich wirken lassen, irgendwo abstützen. Wenn die Verbalattacke vorbei ist sollte man "wie ein geprügelter Hund" fortgehen. Lewerenz: "Nie widersprechen, Tiefschläge tapfer wegstecken, sonst eskaliert die Situation."
Dann folgt Plan B: Alles aufschreiben und geduldig abwarten, wann der Chef die erste Reue zeigt. Dann sofort Taten folgen lassen. "Machen Sie ihm klar, wie sehr er Sie getroffen hat. Dass Sie sich schämen, wenn andere davon erfahren, und wiederholen Sie schlimme Teile aus seiner Brüllerei." Im Idealfall will der Vorgesetzte nicht, dass andere davon erfahren, denn der gute Ruf der Firma würde darunter leiden. Aus diesem brisanten gemeinsamen Geheimnis würde sich oft eine bessere Arbeitssituation ergeben, prognostiziert der Autor. Und: Wer den Chef hasst oder zu sehr vergöttert, hat laut Lewerenz schon verloren, weil er zu emotional agiert. Eine gesunde Distanz ist nötig. "Sie müssen ihren Chef zumindest ein bisschen mögen, um ihn erfolgreich auszunutzen."
Illusionen. Es gibt niemanden, der dir helfen kann, außer deinen Ellenbogen, sagt Lewerenz. Wer sein Leben oder seine Situation also verbessern will. sollte das selbst in die Hand nehmen. "Nichts gegen Fleiß und Loyalität, aber alles gegen Naivität", sagt Lewerenz. Zuschüsse zu Kantine, Parkplatz, Weihnachtsgeld und Co. seien "Bonbons von den Bossen", die sich rechnen und sollten keine falsche Dankbarkeit erzeugen.
Gehaltsverhandlungen. 90 Prozent der Mitarbeiter würden es nicht schaffen, den Chef um mehr Gehalt zu bitten, schätzt Lewerenz. Es gäbe wenige Dinge, vor denen Angestellte mehr Angst hätten, als vor einem Gehaltsgespräch. Jene, die ihren Job gut machen, sollten es aber versuchen, rät er. Wem der Mut fehlt, der befolge diese Psycho-Tipps: "Weil Sie bei dem Gespräch Ihren Chef überzeugen wollen, müssen Sie auch überzeugend wirken." Selbstbewusst, nicht überheblich, der Sache sicher sein, nicht arrogant und nicht ängstlich oder zögerlich wirken. Und daran denken, dass man viel Zeit in der Firma verbringt "und weil verlorene Zeit wehtut, verlangen wir von der Firma nicht mehr Geld, sondern nennen es Schmerzensgeld." Heimlich natürlich.













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