Pröll angelte sich "Superpraktikantin" und rosa Krawatte
Mit viel Scheinwerferlicht, lauter Musik und Kunstnebel ging am späten Donnerstagabend die Suche von ÖVP-Chef Vizekanzler Josef Pröll nach einem "Superpraktikanten" zu Ende.

Foto © APAReez (ganz links) setzte sich durch
Dass Inszenierungen eine Rolle in der Politik spielen, ist nicht neu - dass Jugendliche auf einem Laufsteg Walzer tanzen und den österreichischen Vizekanzler auf Kinderfotos erkennen müssen, um eine Woche an der Seite desselben verbringen zu dürfen, doch ein bisschen ungewöhnlich: Mit viel Scheinwerferlicht, lauter Musik und Kunstnebel ging am späten Donnerstagabend die Suche von ÖVP-Chef Vizekanzler Josef Pröll nach einem "Superpraktikanten" zu Ende. Das Rennen machte die 26-jährige Reez Wollner, die Pröll am liebsten mit rosa Krawatte sehen würde.
Die Anfang November gestartete Marketing-Aktion, mit der sich die ÖVP ein jüngeres Gesicht geben wollte, brachte über 400 Bewerber dazu, sich für eine Woche an der Seite des Vizekanzlers zu bewerben. Nach einem wochenlangen Online-Voting fand schließlich am Donnerstagabend das Finale der Polit-Castingshow in der vollkommen durchinszenierten Wiener Location "Platinum Vienna" statt - für die Präsentation der Finalisten war sogar ein Laufsteg vorhanden. Zwischen Scheinwerferlicht, Kunstnebel und Popmusik mussten Resul Recper (28), Julia Holzer (15), Anna Susanna Roth (17), Felix Horvat (16) und Reez Wollner (26) unter den Augen einer Jury und des ÖVP-Chefs mehr oder weniger kreative Aufgaben lösen.
"Robbie Pröll" und das Sakko
So galt es etwa, dem Vizekanzler aus dem Publikum ein (passendes) Ersatzsakko zu besorgen - quasi als Vorübung, falls Pröll sein eigenes beschmutzt, etwa beim Essen. Da in der Praktikumswoche (ab nächsten Montag) auch ein Besuch beim Jägerball ansteht, mussten die Bewerber ihre Walzerkünste am Catwalk vorführen, wobei alle noch etwas unbeholfen wirkten. Auch sollten die Kandidaten erraten, auf welchen der gezeigten Kinderfotos Pröll abgebildet ist - dieser hatte durchaus Verständnis für falsche Antworten: "Robbie Williams von mir zu unterscheiden, ist ja wirklich eine Herausforderung", scherzte er.
Die Jury - bestehend aus ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger und je einem Vertreter der Medienpartner ATV, "Kronehit" und der Tageszeitung "Heute" - war sich im Anschluss relativ schnell einig, wer Pröll zum Ministerrat, Nachtslalom in Schladming oder ins Parlament begleiten wird: Dem JVP-Mitglied Felix nutzte es nichts, dass er laut eigenen Aussagen schon mit neun Jahren begonnen hat, sich für Politik zu interessieren. Auch Julias prominente Unterstützung in Form der Sängerin Jazz Gitti brachte nicht die erhoffte Wirkung, ebenso wenig die lautstarken Fanclubs von Anna und Resul. Reez machte das Rennen, und es dürfte ein gutes Omen gewesen sein, dass Pröll vor Beginn der Show ihr lebendes Glücksschwein - ein Freund im rosa Plüschkostüm - umarmt hatte.
Dank den Wählern
Standesgemäß war Reez' erste Reaktion, die auch gerne Bundespräsidentin werden würde, ein Dank an ihre "Wählerinnen und Wähler". Für Pröll wünscht sich die Medientechnikerin und Modedesignerin in rosa Strumpfhosen vor allem eines: eine rosa Krawatte. "Ich bekomme eine rosa Krawatte und Socken dazu", freute sich daraufhin der Vizekanzler über seine neue "Superpraktikantin". Bezahlt wird das Praktikum übrigens nicht, was im Vorfeld viel Kritik ausgelöst hatte - Reez darf sich allerdings bei einer Woche Urlaub in Ischgl inklusive Taschengeld erholen. Auch die anderen Kandidaten gingen nicht ganz leer aus - zumindest dürfen sie Pröll auch jeweils einen Tag begleiten, wie dieser kurzfristig bekanntgab.
Dass die Marketing-Aktion von Anfang an nicht unumstritten war, stört die ÖVP jedenfalls nicht: "Polarisierung ist wichtig, gerade in der Politik", erklärte Kaltenegger. Letztendlich hätten sich auch die Jungen "durchgesetzt".














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