Top-Fotografin Luzia Ellert auf die Finger geschaut
Sie ist international gefragt, obwohl ihr Beruf in der Krise steckt: Top-Fotografin Luzia Ellert über kulinarische Models und Konsequenz.

Foto © PrivatFotokünstlerin Luzia Ellert
Zuhause wohnt sie ganz puristisch, ohne Fotos oder Bilder an den Wänden. Im Berufsleben liebt sie das kreative Chaos. In ihrem Studio duftet es zuweilen wie im Restaurant und ihre Models halten (fast) immer still – Luzia Ellert hat sich auf Foodfotografie, auf Fotos von Lebensmitteln und Speisen, spezialisiert. Und das, obwohl sie "ziemlich unkulinarisch" aufgewachsen ist, wie sie selbst sagt.
Welches kulinarische Model fotografieren Sie denn am liebsten?
LUZIA ELLERT: Charaktergemüse. Das wild wachsendes Gemüse aus meinem Garten in der Steiermark. Erdäpfel, Karotten mit Charakter – herrlich!
Muss man als angehender Fotograf heute ebenso viel Biss haben wie früher?
ELLERT: Die Welt hat sich um 180 Grad gedreht, seit ich begonnen habe. Allein die Veränderungen in der Technik. Das Grundgerüst ist aber gleich geblieben – man muss seinen Weg mit zäher Konsequenz verfolgen. Und es ist ein schwieriger Weg. Vor allem am Anfang. Man darf sich für nichts zu gut sein und muss alles machen. Erst später kann man dann anfangen zu selektieren.
Sie haben Ihren Beruf nach der Matura in dem kleinen Studio eines Industriefotografen erlernt. Hätten Sie lieber "größer" angefangen?
ELLERT: Nein. Die Ausrüstung des Industriefotografen mag zwar reduziert gewesen sein, aber er hat wunderbar fotografiert. Hätte ich bei dem Modefotografen begonnen, bei dem ich später war, hätte ich nie so viel gelernt, weil es dort alles im Überfluss gab.
Kann man die Fotografie lernen?
ELLERT: Das Handwerk schon. Wenn man aber so fotografiert wie ich, braucht man auch den Blick dafür, das richtige Sehen. Das ist eine Begabung, die man mit den Jahren schärfen kann.
Warum sind Sie nicht bei der Modefotografie geblieben?
ELLERT: Mode war nie meines. Aber man muss in dem Beruf jeden Tag etwas Neues erfüllen können, deshalb war es mir so wichtig, alles zu können. Es ist wie beim Autofahren – solange ich nachdenken muss, wann ich zu schalten habe, kann ich mich nicht auf den Verkehr konzentrieren.
Sie sind international erfolgreich und arbeiten doch in einem vergleichsweise kleinen Studio – hatten Sie nie den Wunsch, es zu vergrößern?
ELLERT: Irgendwann gelangt man zu diesem Punkt, an dem man sich entscheiden muss, ob man wachsen will – ich wollte immer klein bleiben.
Wenn schon Größen wie Annie Leibovitz finanziell scheitern, wie bleibt man am Ball?
ELLERT: Die Zeit des Blow up, des Aus-dem-Vollen-Schöpfens, liegt hinter uns. Die Konkurrenz ist natürlich groß, aber jeder hat seinen Stil und findet dadurch auch seine Kunden. Es gibt fünf bis sechs Food-Fotografen in Österreich, die arbeiten alle anders.
Wie schwierig war es, sich in einer Nische einen Namen zu machen?
ELLERT: Ich hatte das Glück, immer zur richtigen Zeit die richtigen Leute kennen zu lernen und zu spüren, dass das jetzt genau das Richtige ist. Ich musste nie mit einer Foto-Mappe von Tür zu Tür gehen. Das ist demotivierend. Mainstream hätte ich nie gemacht. Fließbandfotografie liegt mir nicht. Ich könnte es einfach nicht. Abends, wenn ich von der Arbeit komme, möchte ich mich wohlfühlen können.
Welche Chancen haben junge Fotografen heute?
ELLERT: Die Zeiten sind schwierig. Früher sind die Fotorechte beim Fotografen geblieben. Heute gibt es diese Pools – junge Fotografen kommen da rein und haben kaum Chancen jemals wieder rauszukommen. Die Alten nimmt man nicht mehr, weil man zu wenig Geld hat und die Jungen haben zu wenig Erfahrung. Unterm Strich gibt es keine Qualität mehr, das macht mich traurig. A la long spürt das auch der Leser.













-Anzeigen