Burnout: Immer mehr Kärntner betroffen
Burnout betrifft immer mehr Menschen in Kärnten, zunehmend auch jüngere Leute. Großer Andrang auf Vorbeugeseminare.

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Zwölf Tage lang läutete ab sieben Uhr morgens ohne Unterlass das Telefon. Ich hätte nie gedacht, dass so viele Menschen von Burn-out betroffen sind", berichtet Burn-out-Seminarorganisatorin Eva Maria Wernig von der Katholischen Aktion über die Resonanz auf eine Burn- out-Reportage in der Kleinen Zeitung. "Der Artikel hat Schleusen geöffnet. Hunderte Menschen haben mir unter Tränen ihr Schicksal geschildert. Immer mehr Menschen stehen unter wahnsinnigem Druck im Beruf", resümiert Wernig, die wegen der Riesennachfrage nach einem Seminar ihren Urlaub nicht antreten konnte. "Viele Menschen trauen sich nicht mehr, in Krankenstand zu gehen."
Der Altersdurchschnitt der Burn-out-Gefährdeten werde immer jünger, so Wernig, auch Schülerinnen seien betroffen. Die Seminarteilnehmer spiegeln alle gesellschaftlichen Schichten wider: Ärzte, Krankenschwestern, Polizisten, Selbstständige, Lehrerinnen, Abteilungsleiter, Pensionistinnen und Offiziere waren dabei. Auch Franz H. (50), der besagten Artikel durch Zufall entdeckt hatte. Wochenlang hatte er nämlich keine Zeitung mehr gelesen, weil er sich nicht mehr konzentrieren konnte. Drei Monate war er schon im Krankenstand, weil er keinen Schlaf mehr fand. Er konnte nicht arbeiten, hob das Telefon nicht mehr ab. Nicht einmal mit seiner Frau und den Kindern redete er mehr. "Ich hatte das Gefühl, ich stehe neben mir. Ich war wie ferngesteuert", erinnert sich der Versicherungskaufmann, der lange nicht gemerkt hatte, dass Job, Familie und sieben Vereine zu viel für ihn waren. "Alles war so wichtig, nur ich nicht." Wenige Wochen nach dem Burn-out-Präventionsseminar ließ er sich gesundschreiben. "Ich bin über den Berg." In der Seminarwoche hatte er gelernt, auf sich selbst zu hören. "Ich habe das erste Mal wieder genüsslich einen Kaffee getrunken und mich gefreut, dass die Sonne scheint."
"Viele Betroffene fanden endlich einen Raum, wo sie zugeben konnten, wie dreckig es ihnen geht", erinnert sich Wernig, froh, dass die Kirche als Träger der Seminare offen für die aktuellen Nöte der Menschen ist. "Eigene Muster konnten überlegt, neue Weichen gestellt werden." So auch bei der Dienstleistungsunternehmerin Sonja F. (40), der im Mai im Krankenhaus die Diagnose "Burn-out" eröffnet wurde. Vorangegangen waren Panikattacken, Schwindel, Gleichgewichts- und Konzentrationsstörungen, Schweißausbrüche. "Ich war jahrelang eine Getriebene, raste von Termin zu Termin, hatte nie Zeit, alles musste schnell gehen, Arbeit, Sport, Familie, ich war im Hamsterradl von früh bis spät, mein Körper stand unter Strom." Bis der Kollaps kam. "Im Seminar habe ich gelernt, Grenzen zu setzen, Nein zu sagen, ich bin wieder zu mir gekommen", schwärmt Sonja F., die wieder Urlaub machen "gelernt" hat.
Kehrtwendung
Der "kollektive Anspruch, dass man für die Firma lebt", war für Vertriebsingenieur Wolfgang T. (43) zu viel geworden. Nach familiären Problemen rutschte er ab in einen Zustand der Dauermüdigkeit, wo er keine Emotionen mehr spürte. Beim Seminar realisierte er, was mit ihm los war. "Es war ein Schock. Ich wusste, dass ist der Ausgangspunkt für eine Kehrtwendung."
T. suchte sich eine psychotherapeutische Begleitung, sah wieder Handlungsmöglichkeiten statt Ausweglosigkeit, erlebte neue Glücksmomente. Im beruflichen Umfeld gelang es ihm, entlastende Änderungen herbeizuführen. Er hat eine neue Aufgabe: "Dem, was einem nicht gut tut, einen Riegel vorzuschieben, ist die tägliche Herausforderung."
Features
Burn-Out-Prävention
Seminar "Entflammt statt ausgebrannt" vom 26. bis 31. Oktober 2009 und 8. bis 13. Februar 2010, Stift St. Georgen/Längsee.
Coaching & Fitness für Körper, Geist und Seele mit Barbara-Maria Angerer (Dipl. Lebensberaterin, Gestaltpädagogin) und anderen.
Anmeldung: Eva Wernig, Tel.: 0667/87 72-24 35, eva.wernig@kath-kirche-kaernten.at
Jeder kann betroffen sein
"Habe keine Freunde"
Eine Schülerin (17), kurz vor dem Matura-Nachzipf, kann nicht mehr schlafen, nicht mehr abschalten. Sie kriegt ihr Leben nicht mehr auf die Reihe, obwohl sie jung und gesund ist. Sie wird immer einsamer, hat das Gefühl, keine richtigen Freundinnen zu haben. Sie zieht sich zurück, resigniert.
"Bin völlig am Ende" Ein Wissenschafter (45) mit befristetem Arbeitsvertrag kämpft um seinen Job. Beziehungsprobleme und einer Krebserkrankung führen zum privaten Kollaps.
"Wo stehe ich als Mensch?" Ein erfolgreicher Primararzt (50) fühlt sich überfordert: Druck von der Wirtschaftsleitung, Kosten zu sparen und Druck von denen, die davon betroffen sind. Im Krankenhaus ist er Intrigen, Neid, Konkurrenzkampf ausgesetzt. Er hat das Gefühl, nichts verändern zu können und leidet darunter. Privat kann er nicht abspannen, isoliert sich aus Frust. Seine zentrale Frage: Wo stehe ich als Mensch? Ich war doch einmal ein ganz anderer. . .














