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Zuletzt aktualisiert: 05.10.2009 um 13:53 UhrKommentare

Expertengespräch: Die Gesundheitsbranche boomt

Pflegehelfer und diplomiertes Personal sind gefragt. Auszüge aus der Themen-Diskussion.

Foto © APA

Vor einem halben Jahr war die Krise in der Gesundheitsbranche kaum bemerkbar – wie steht es momentan? Ist ein auch ein Zuwachs durch die Umschulungen spürbar?

OLIVIER RAINER: Die Neuen Akademien werden stärker nachgefragt als im Frühjahr, aber in den Köpfen sind die Beginnzeiten eben mit Herbst verankert. Umschulungen spüren wir zu 20 bis 30 Prozent, in den meisten steckt aber der Wunsch in Richtung Prävention zu gehen schon lange drinnen.

DIETER ERRATH: Wir hatten in den letzten 20 Jahren noch nie so viele Mitarbeiter wie jetzt. Die Aussage "Die Gesundheit ist einer der Motoren für das 21. Jahrhundert" ist vollkommen richtig. Im Jahre 2025 werden wir um die 13.000 Kinder und Jugendliche bis 14 weniger haben, aber um rund 33.000 mehr Leute, die älter als 65 sind, so die Prognose. Grundsätzlich glaube ich, dass es um den Arbeitsplatz im Gesundheitswesen gut bestellt ist. Die Branche ist eine der wenigen, die wächst. Man wird differenziert vorgehen müssen, es kann nicht die Lösung sein, Krankenhäuser größer zu bauen. Man wird die Gesundheitsleistung sehr genau abstufen müssen.

Was fehlt der Branche?

ELISABETH OBERLEITNER: In einkommensschwachen Familien ist bekanntlich die Krankheitslast höher als in sozial höheren Schichten. Es gilt, diese Schere auszugleichen. Dafür braucht es Projekte und Programme, die nicht nur an der Verwaltungsebene ansetzen, so dass Wohlfühlaktionen nicht nur die Mittel- und Oberschicht erreichen und die Prävention nicht das Dilemma hat, dass sie gar nicht dort ankommt, wo sie hingehört. Das ist ein Riesenproblem, das mit der Wirtschaftskrise noch zunehmen wird.

Für welchen Beruf sollte man sich jetzt entscheiden?

HORST PIRKER: Auf dem medizinischen Sektor wird der Pflegeberuf eine hundertprozentige Tendenzsteigerung haben. In jedem Bereich – Rehabilitation, Tageschirurgie, in der Ambulanz werden Leute gefragt sein, auch in therapeutischen Berufen. Die Nachfrage wird immer größer. Die Personalfluktuation ist aber auch sehr hoch.

PETER AMBROZY: Für uns, die wir einen deutlichen Marktanteil im Bereich der Pflege und Betreuungsaufgaben haben, zeigt sich, dass die Verfügbarket von Personal deutlich abnimmt. In der mobilen Pflege ist eine Vollbeschäftigung praktisch nicht möglich. Wir haben eine recht hohe Fluktuation im Pflegebereich, weil die Menschen in erster Linie jene Einrichtungen bevorzugen, in denen sie geregelte Vollzeitbeschäftigung haben. Das kann der mobile Anbieter einfach nicht geben. In diplomierten Berufen ist es schwer, überhaupt Personal zu bekommen.

Es herrscht ein Mangel an Pflegepersonal. Wie kann man denn die Motivation erhöhen, um mehr Personen für diesen Bereich zu begeistern?

RAINER: Pfegehelfer ist ein krisensicherer Job. Außerdem: Die Motivation des Lobes ist unersetzbar. Man kann in diesem Beruf etwas Positives erreichen. Inklusive Feedback, das vom Kollegium kommt und teilweise natürlich auch von den Patienten.

PIRKER: Ich denke nicht, dass man sich grundsätzlich um Nachwuchs sorgen muss. Das Pflegepersonal, das ausgebildet wird, wird derzeit zu 90 Prozent von den Pflegeanstalten aufgesaugt, der Rest wandert etwa in andere Bundesländer ab. Eine Motivation Richtung Pflegeberuf ist, dass man als Frau und als Mann gleich viel verdient. Das ist sicher ein Vorteil gegenüber anderen Berufsgruppen. Vielleicht kann man durch das Erhöhen des Gehalts mehr Motivation erreichen. Man muss in dem Beruf auch wissen, worauf man sich einlässt, die Burn-out-Rate ist hoch.

ERRATH: Motivation war die Idee, vor einigen Jahren über Arbeitsstiftungen Pflegehelferausbildungen zu organisieren. Die Wiedereinstellungsrate dieser Mitarbeiter liegt bei 90 Prozent. Ich habe selbst erlebt, wie motiviert die Leute waren, als sie nach vielen Jahren wieder auf der Schulbank gesessen sind.

Was wünschen Sie sich in punkto Qualifizierung?

AMBROZY: Für uns wäre das Vernünftigste, dass die Ausbildung in den einzelnen Qualifizierungsstufen in Österreich nach Möglichkeit einheitlich stattfindet.


Fakten

Peter Ambrozy, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes in Kärnten

Dieter Errath, stellvertretender Vorstand und Abteilungsleiter Personal/Forbildung, Kabeg Management

Elisabeth Oberleitner, stellvertretende Landessanitätsdirektorin

Horst Pirker, Geschäftsführer Büro Graz, I.M.P. – Innovatives Medizinisches Personal

Olivier Rainer, Geschäftsführer, Die neuen Akademien





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