Österreicher sind Überstundenkaiser
Österreich zählt zu den Spitzenreitern wenn es um Überstunden geht. Im zweiten Quartal 2009 haben 754.000 Personen durchschnittlich 81 Millionen Stunden oder 8,2 Stunden pro Person pro Woche mehr geleistet als erforderlich, so die Statistik Austria.

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Hauptursachen für Überstunden sind Bedarfsschwankungen und Personalmangel, geht aus einer Studie der Beratungsunternehmen Deloitte und Ximes hervor, die heute, Mittwoch, in Wien präsentiert wurde und für die über 400 Personen in Führungspositionen befragt wurden.
"Durch gezieltes Arbeitszeitmanagement könnten heimische Unternehmen je nach Branche bis zu drei Viertel an Überstunden vermeiden", sagte der Geschäftsführer und Gründer von Ximes, Johannes Gärtner. Wie viel Geld die Betriebe dadurch sparen könnten, darüber gebe es keine seriösen Zahlen. Die meisten Überstunden werden im öffentlichen Bereich gemacht. In der Praxis bewährte Hebel gegen zu viel Überstunden seien verbesserte Prognosen von Bedarfs- und Kapazitätsschwankungen, effektivere Planung und Steuerung der Arbeitszeit oder die Veränderung von Arbeitszeitmodellen.
Abgesehen von den zu hohen Überstunden sehen die Studienautoren Gärtner und Jan Krims von Deloitte die zunehmende Verbreitung von sogenannten All-In-Verträgen problematisch. Unter einer All-In-Klausel versteht man eine Vereinbarung, wonach mit dem monatlichen Gehalt auch sämtliche Überstunden oder Mehrarbeit pauschal abgegolten sind. Lange Zeit waren solche Verträge nur für leitende Angestellte zulässig. Bei Führungskräften oder Personen im Außendienst macht diese Arbeitszeitform nach Ansicht der Experten auch Sinn, sie sei aber nicht pauschal für das gesamte Unternehmen einsetzbar. Derzeit haben nach Schätzungen bereits 20 Prozent der unselbstständig Beschäftigten einen solchen Vertrag. Besonders verbreitet sind All-In-Verträge in Handelsunternehmen; im Gesundheits- und Sozialwesen spielen sie dagegen kaum eine Rolle.
Auch der leitende Sekretär im ÖGB, Bernhard Achitz, hat sich heute gegen All-In-Arbeitsverträge ausgesprochen. Diese würden mehr Probleme schaffen, als sie zu lösen in der Lage seien. Deshalb sollten sie auf wenige Fälle wie Führungskräfte beschränkt werden, fordert Achitz. Gegen den "überbordenden Einsatz" dieser Art von Verträgen sprechen laut Deloitte und Ximes, dass die Arbeitszeit tendenziell weniger produktiv genützt wird, die Arbeitszeitgestaltung bei allen Beteiligten in den Hintergrund rückt und sich das Unternehmen insgesamt einen wichtigen Steuerungshebel nimmt.
Gleitzeit-Modell dominiert
Bei den Arbeitszeitformen dominiert aber nach wie vor das Gleitzeit-Modell mit Kernzeit. Für knapp 60 Prozent der Befragten spielt diese Form im Unternehmen eine besonders wichtige Rolle. Auf Platz 2 folgen All-In-Verträge (38 Prozent), auf den Rängen 3 und 4 stehen Schichtarbeit (35 Prozent) bzw. Teilzeitarbeit (34 Prozent). In Produktionsbetrieben und Transport- oder Verkehrsunternehmen nehme Schichtarbeit eine herausragende Stellung ein, das Teilzeit-Modell sei vor allem in der Banken- und Versicherungsbranche sowie im Öffentlichen Sektor relevant.
Auch wenn nach Ansicht der Befragten Arbeitszeitmanagement ein wichtiges personalwirtschaftliches Instrument zur Bewältigung der aktuellen Wirtschaftskrise ist, gaben nur 40 Prozent an, in ihrem Unternehmen bereits Arbeitszeitmaßnahmen ergriffen zu haben. In jenen Unternehmen, in denen es bereits Maßnahmen gibt, dominieren die "Klassiker" Urlaubsabbau und Abbau von Zeitguthaben. Danach folgen "Reduktion der Besetzungsstärken", "Ausfall von Schichten", "Einführung einer flexibleren Arbeitszeitdurchrechnung" und erst auf Platz 6 "Kurzarbeit".
















