Kärntner Netzwerk will Mut auf "eigene Beine" machen
Wenn der Arbeitsplatz verloren geht, ist für immer mehr die Alternative "Selbständigkeit".
17 Jahre lang war Christine Kruschitz bei einer Hotel-Einkaufsgemeinschaft beschäftigt. Sie kannte die Branche wie ihre eigene Westentasche. Als Ende des Vorjahres der "Personalabbau" kam, fiel Kruschitz in ein schwarzes Loch. Das Arbeitsmarktservice und der eiserne Wille, sich auf eigene Beine zu stellen, waren die Rettung für die initiative Dame. "Vom AMS wurde ich in ein spezielles Schulungsprogramm für Selbständige weitergereicht," erzählt Kruschitz, die einen fünfmonatigen Intensivkurs im "bit" belegte, der vom AMS finanziert wird. Dort erwarb sie nicht nur das Rüstzeug zur Selbständigkeit - Rechnungswesen, Buchhaltung, Persönlichkeitstraining - sondern kam auch mit vielen Gleichgesinnten in Kontakt.
Idee. "Daraus entstand die Idee ein Netzwerk für Jungunternehmer zu gründen", so Kruschitz. "Wir wollen unsere Erfahrungen, Tipps und Kontakte weitergeben und uns miteinander vernetzen," motiviert Kruschitz, die Kooperationen von ihrem einstigen Job gewohnt ist, Kollegen. Einer davon ist Niko Vanyi, der Marketing bei einem Getränkeproduzenten gemacht hat und nach seiner Freisetzung "nie mehr einen Chef ober sich haben will".
Fakten
Info: 06641444248 oder 06641531072
Unterstützung ist wichtig. "Jeden Monat stoßen zehn bis zwölf Menschen zu uns, die ihre Arbeitslosigkeit in Selbstständigkeit umwandeln wollen", sagt Vanyi, der, wie Kruschitz, das Wort Wirtschaftskrise nicht mehr hören kann. "Es gibt so viele kreative, engagierte Menschen, die sich mit viel Mut selbständig machen wollen und es gibt auch jede Unterstützung", ermuntern Kruschitz und Vanyi. "Am Anfang hat man so viele Ängste und ist unsicher, da ist es wichtig, wenn man Menschen hat, mit denen man reden kann."
Sparpotenzial. Der Schritt in die Selbständigkeit hat sich für Kruschitz bereits gelohnt. Sie ist auf eigenen Beinen in der Hotelberatung gelandet. "Ich helfe Hotelbetrieben zu sparen, das ist in der jetzigen Zeit gefragt". Will heißen: Sie durchleuchtet Betriebe nach Sparpotenzialen beim Einkauf. So finanziert sich ihr Engagement selbst. "Meinem Pilotbetrieb habe ich kürzlich 20.000 Euro erspart."
Gewerbeberechtigung. Auch Vanyi hat seine fünf Monate im bit bald hinter sich. Im Juli wird er seine Gewerbeberechtigung ziehen. Dann geht es in die Selbstständigkeit als Management-Berater und Trainer. 1925 Personen haben sich im letzten Jahr in Kärnten auf eigene Beine gestellt. Die Zahl sei im Steigen begriffen, sagt der Leiter des Gründerservice im Wifi, Herwig Draxler. Wie zäh und erfolgreich die jungen Unternehmer sind, zeigt die Statistik: Nach drei Jahren überleben noch 80 Prozent, nach fünf Jahren immer noch 70 Prozent. Förderungen seien sehr großzügig und die Anmeldung zum Gewerbe nahezu gratis. "Das ist überhaupt kein Aufwand mehr", sagt Draxler, der beobachtet, dass die Menschen immer flexibler werden. "Die Leute wechseln vom Angestelltenverhältnis zur Selbständigkeit und umgekehrt. Da gibt es keine Einschränkungen mehr."















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