Raus, wenn Ihr könnt!
Wege aus der Krise: Was falsch gelaufen ist, wo man ansetzen kann. Tipps vom Management-Profi.

Foto © APDie Wirtschaftskrise als Chance?
Frei nach dem Motto "Gestern standen wir knapp vor dem Abgrund, heute sind wir schon einen Schritt weiter" wird derzeit viel gejammert. Management-Profi Paul Slamanig sieht die Wirtschaftskrise als "Krise des Managements" und vor allem als Chance, gestärkt in die Zukunft zu gehen.
Panik. "Was jetzt auf uns zukommt, haben wir seit den 30er-Jahren nicht gehabt", sagt der Unternehmensberater. Trotzdem warnt er davor, in Panik auszubrechen. "Ein falscher Schritt wäre, das Unternehmen zu redimensionieren und abzuwarten, was kommt." Jede Krise berge die Chance, das eigene Business noch einmal komplett neu zu durchdenken.
Der Kunde im Fokus. Weltweit gelebte falsche Ideologien haben nach Meinung des Managementtrainers zur Wirtschaftskrise geführt. "Der Gipfel dieser Ideologien ist der Shareholder Value, der Aktionärswert", sagt Slamanig. Das Primärziel des Managers bestünde demnach darin, den Eigentümer reich zu machen. "Der wichtigste Bezugspunkt kann aber nur der Kunde sein." Als KMU hätte man sich also in den letzten Jahren fragen müssen, ob das, was man tut, mit einem entsprechend hohen Kundennutzen behaftet ist.
Wissen.
Im Fokus aller Bemühungen habe auch nicht der Mitarbeiter zu stehen. "Ein Manager ist nicht primär dafür da, Arbeitsplätze zu schaffen", so Slamanig. Wünschenswert natürlich die Folgewirkung, dass das Unternehmen adäquat bezahlte sichere Arbeitsplätze bietet. Und: "Die Ressource Geld wird von der Ressource Wissen abgelöst", sagt Slamanig. Wissen führe wiederum zu einer Erhöhung des Kundenbenefits.
Zurück in die Zukunft. Eine rasche Rückbesinnung auf unternehmerische Grundwerte ist laut Slamanig unumgänglich. Etwa, nicht mehr Geld auszugeben, als vom Markt in einem definierten Zeitraum zurückzuholen ist. Das sei lange Zeit sträflich vernachlässigt worden. "Ich denke, dass man künftig alles auf mikroökonomischer Ebene sehen muss", erklärt der Trainer. "Es wird die Frage sein, wie das Individuum mit seinen Finanzen umgeht. Was soll Schlimmeres passieren, als dass wir in unserem Lebensstandard um 20 Jahre zurückfallen."
Wachstum. Ein neuer Zugang zum Thema Finanzierung und Wachstum ist ebenso dringend anzuraten. Falsch verstandenes Wachstum habe unter anderem zur momentanen Krise beigetragen. "Zwischen krankem und gesundem Wachstum kann man schnell unterscheiden, in dem man sich fragt: Was kann ich mir wirklich leisten?". Wer aber einen Korb gesunder Äpfel hat und einen faulen drauflegt, darf nicht erwarten, dass die gesunden den faulen genießbar machen. "In der Wirtschaft glauben das viele", sagt der Managementprofi und zieht den Vergleich: "Ein gesundes Unternehmen kuriert noch lange keine ,kranken' Beteiligungen."
Gewinn. Die Annahme, Betriebe seien auf der Welt, um maximale Gewinne zu erzielen, ist laut Slamanig völlig falsch. Jeder, der daran glaubt, sollte folgende Aufgabe lösen: "Berechnen Sie den maximalen Gewinn Ihres Unternehmens. Selbst der beste Manager der Welt wird daran scheitern." Im Endeffekt geht es um die Rentabilität, um erforderliche Gewinne. "Die kann man berechnen", sagt der Trainer. "Kernzweck des Gewinns ist, dass man ihn im Sinne des Unternehmens reinvestiert."
Ressourcen. Jetzt ist es an der Zeit, das Unternehmen produktiver zu machen, also "Mitarbeiter dort einzusetzen, wo sie ihre Stärken haben, statt jahrelang an ihren Schwächen herumzudoktern", wie Slamanig sagt. Dieses Produktivermachen von Unternehmen sei die einzige Chance, die wir in Mitteleuropa hätten.
Features
Zur Person
Paul Slamanig ist Managementtrainer und Lehrgangsleiter am Wifi Steiermark.
Theorien
Der Österreicher Peter Ferdinand Drucker gilt als Managementpionier. Seine Theorien sind unter anderem in "Die Kunst des Managements" nachzulesen; Econ, 21,60 Euro.
Workshop
Einen "Lehrgang für wirksames Management" bietet "Slamanig Consulting & Training" in drei Modulen an. Termine und Infos unter Tel. (0664) 50 10 437














