Wem Personalchefs Bestnoten geben
Der perfekte Mitarbeiter in der Krise: Wer trotzdem gute Job-Chancen hat und worauf Personalisten jetzt Wert legen.

Foto © Pixelio/geraltAuch in Krisenzeiten punkten
Wenn es auf dem Arbeitsmarkt enger wird, legen Personalverantwortliche die Messlatte für Bewerber höher. "In Krisenzeiten sind aktive Mitarbeiter gefragt", sagt Harald Kreiger, Personalverantwortlicher bei SSI Schäfer-Peem in Graz. "Solche, die in ihrer Tätigkeit die Zukunft des Unternehmens mitgestalten möchten und sich trotz schlechter Stimmung nicht in die Opferrolle drängen lassen." Ähnlich bewertet Sabine Dullnig, HR-Expertin des Kärntner Entwicklers von Windkraftanlagen AMSC Windtec, die Situation: "Engagement ist gefragt. Aber nicht im Sinne von hundert freiwilligen Überstunden, sondern in Form von hundertprozentiger Loyalität zum Unternehmen." Genau davon gilt es derzeit, im Vorstellungsgespräch zu überzeugen.
Positive Einstellung. Auch in Zeiten, in denen weniger Jobs ausgeschrieben werden, seien Bewerber keine Bittsteller, betont Dullnig. Vielmehr müssten die Kandidaten die Krise aus ihrem Kopf verbannen: "Nur mit einer positiven Einstellung kann man den Personalverantwortlichen glaubhaft signalisieren, dass man genau diesen Job in genau diesem Unternehmen will - und nicht irgendeinen Job, bloß weil er besser ist, als arbeitslos zu sein." Laut Harald Kreiger sind gerade Berufs-Einsteiger jetzt gefordert, sich zu profilieren: "Wenn man zwei Absolventen derselben Studienrichtung zur Wahl hat, entscheidet man sich natürlich für den, der seine Stärken besser betont."
Nicht überall ist Krise. Während einige Wirtschaftszweige punkto Personal den Gürtel enger schnallen, sieht Carmen Gruber, verantwortlich für die Personalentwicklung beim Hochtechnologie-Lieferanten Wild in Völkermarkt, die Nachfrage nach Mitarbeitern nicht überall zurückgehen: "Medizintechnik, Alternativenergie, die Lebensmittel- aber auch Luxusgüterbranche stellen weiter Mitarbeiter ein." Auch Gesundheit, Infrastruktur, Logistik oder IT seien Sektoren, die weiter wachsen werden. "Insofern sind Absolventen technischer Ausbildungen besonders gefragt." Bevorzugt in der Kombination mit betriebswirtschaftlichem Wissen. Trotz der besseren Job-Chancen nach einer technischen Ausbildung, sollte man sie laut Dullnig nicht nur deshalb absolvieren, weil sie auf dem Markt gefragter sind. "Wir beschäftigen auch Quereinsteiger, die aus anderen Fachrichtungen gekommen sind."
Aktion statt Abwarten. Umso zugespitzter die Job-Situation, desto aktiver müssen Bewerber auf potenzielle Arbeitgeber zugehen. Dass Initiativbewerbungen Erfolg versprechen, darüber sind sich die Experten einig. "Es kann sein, dass intern bereits über Positionen nachgedacht wird, die noch nicht ausgeschrieben sind", weiß Gruber. Das selbstständige Zugehen auf eine Firma signalisiert Motivation und Leistungsbereitschaft. Eine Bewerbung abzuschicken, sollte sich auch der trauen, der das Job-Profil nicht hundertprozentig erfüllt.
Weiterentwicklung.Auf der Arbeitssuche gilt: Wer steht, verliert. "Man sollte die Zeit nutzen, um sich in dem Fachbereich weiterzubilden, in dem man wieder Fuß fassen möchte und keine Pseudo-Kurse absolvieren", empfiehlt Dullnig. Carmen betont: Die Motivation zur Zusatzqualifikation macht sich außerdem sehr gut im Lebenslauf und signalisiert künftigen Arbeitgebern Lernbereitschaft. Im Bewerbungsgespräch sind Authentizität und echtes Interesse an Unternehmen und Tätigkeit noch immer die wichtigsten Erfolgsfaktoren. Harald Kreiger: "Wenn ich das Gefühl habe, dass sich ein Kandidat verstellt, bekommt ein anderer den Job."














