Zwölf Tage Krankenstand pro Jahr
Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat seinen neuen Fehlzeitenbericht veröffentlicht.

Foto © APAZahl der Krankenstandstage ist leicht gestiegen.
Erstmals seit den 1980er Jahren ist die
Krankenstandsquote (Verlust an Jahresarbeitszeit durch krankheits-
und unfallbedingte Fehlzeiten) unter Österreichs unselbstständig
Beschäftigten wieder gestiegen. Nach dem historischen Tiefstand von
2006 mit 3,2 Prozent gab es 2007 ein leichtes Plus auf 3,3 Prozent.
In den kommenden Jahren dürften die Fehlzeiten weiter zunehmen, sagte
Thomas Leoni vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am
Donnerstagabend bei der Präsentation der "Fehlzeitenstudie 2008". Als
Gründe nannte er die demografische Entwicklung und den Trend, länger
im Beruf zu bleiben. Durch die Schaffung "altersgerechter
Beschäftigungsmöglichkeiten" könne man allerdings gegensteuern, so
Leoni.
Zum Thema
Ältere Personen länger krank.
"Ein sehr großer Hebel, um die Fehlzeiten zu reduzieren" wäre laut
Leoni auch die Reduktion von Langzeitkrankenständen, von denen
vornehmlich ältere Arbeitnehmer betroffen sind. Fehlzeiten von mehr
als einem Monat machen zwar nur sechs Prozent der Fälle, aber 40
Prozent aller Krankenstandstage aus. Und sie haben deutlich negative
Auswirkungen auf die Erwerbskarriere: Nach einem zwei- bis
vierwöchigen Krankenstand steigt das Risiko im Jahr danach den Job zu
verlieren um 25 Prozent, nach drei Monaten um 60 Prozent. Besonders
hoch ist das Risiko nach Krankheiten des Bewegungsapparates und
psychischen Erkrankungen.
Psychische Erkrankungen immer häufiger.
Generell sind die Hauptursachen für Krankenstände laut Studie
Muskel-Skelett-Erkrankungen, zunehmend wichtiger werden auch - obwohl
offiziell nur Grund von fünf Prozent der Krankenstände - psychische
Erkrankungen. Letztere liegen bei den Ursachen für den Wechsel in die
Invalidenpension an zweiter Stelle. Leoni verwies darauf, dass "alle
Studien zeigen, dass die psychosoziale Belastung steigt". Dafür
verantwortlich seien Rahmenbedingungen wie Prekarisierung,
Arbeitszufriedenheit und Motivation. "Das gibt den Akteuren eine
Möglichkeit zu Verbesserungen", sagte Leoni.
Betriebliche Gesundheitsförderung lohnt sich.
Er wies auch darauf hin, dass "betriebliche Gesundheitsförderung
bei einer systematischen Durchführung rein ökonomisch sehr lohnend"
sei. Der Faktor werde in verschiedenen Studien zwischen 1:4 und 1:10
angegeben, das bedeutet, dass sich die Volkswirtschaft für einen zur
Gesundheitsförderung ausgegebenen Euro vier bis zehn Euro ersparen
könnte. Noch sei dafür in Österreich nicht genügend Bewusstsein
geschaffen. Leoni: "Trotz einer steigenden Verbreitung sind wir weit
von einer flächendeckenden Präsenz entfernt".
Features
Fakten
Die Fehlzeitenstudie wurde 2007 erstmals im Auftrag von
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und AUVA erstellt. In diesem Jahr wurden auch die Auswirkungen von
Lang-
zeitkrankenständen erhoben.
2007 stieg die Zahl der Krankenstandstage auf zwölf.














