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Zuletzt aktualisiert: 17.11.2008 um 09:54 UhrKommentare

Ohne Reue in die Ferne

Im TV wacht ein Auswanderer–Coach über Weltenbummler, die berufliches Neuland erkunden wollen. Nicht ohne Grund, denn die Träume von der Karriere in der Ferne sind oft nicht mehr als reine Phantasie.

Mit Kind und Kegel ins Ausland sollte wohl überlegt sein

Foto © APMit Kind und Kegel ins Ausland sollte wohl überlegt sein

Es war noch nie so einfach auszuwandern. Zunehmende Mobilität der Dienstnehmer, die Globalisierung des Arbeitsmarktes, Job-Börsen im Internet und der Traum von der internationalen Karriere, machen einen Auslandsaufenthalt reizvoller denn je. Im Jahr 2007 haben über 20.000 Österreicher der Heimat "Adieu" gesagt.

Nachbarländer. Ihre beliebtesten Auswander-Destinationen waren die Nachbarstaaten Deutschland und die Schweiz, gefolgt von Nordamerika, der Türkei und Großbritannien. Trotz des möglichen beruflichen und privaten Glücks im Ausland warnen Experten vor unrealistischen Vorstellungen. "Information, Beratung und Vorbereitung ist bei Auswanderungsplänen das Um und Auf", sagt Dirk Egbringhoff, Berater bei der Internet-Plattform www.karriere-im-ausland.de". "Zu viel steht auf dem Spiel."

Recherche oder Risiko. Österreicher genießen den Ruf, fleißig, pünktlich und zuverlässig zu sein sowie Fremdsprachen schnell zu erlernen. Ähnlich gut ist das Renommee heimischer Ausbildungen. Die Chancen, sich auf einem fremden Arbeitsmarkt zu etablieren, sind also sehr gut. "Allerdings müssen die Abschlüsse vom Zielland zertifiziert werden", weiß Heinz Kasparovsky, vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung. "Doch mit Abschlüssen österreichischer Hochschulen gibt es meist keine Probleme." Schwieriger wird es bei Lehrgängen oder Ausbildungen, die keine Entsprechung haben.

Visum und Co. Zuerst gilt es, die Wunschdestination länger zu bereisen und die Landessprache zu beherrschen. Außerdem muss sich jeder Auswanderer vorab über das dort vorherrschende soziale System sowie Bedingungen für Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis informieren. Zu berücksichtigen ist auch, dass es für den Neuanfang in der Ferne Startkapital braucht: Ausreichende finanzielle Mittel müssen bereits bei der Beantragung eines Visums für Kanada oder die USA vorgewiesen werden. Ebenso wichtig ist es, die Lebenserhaltungskosten vor Ort zu kennen: "In Regionen Portugals kann man um 1000 Euro ein Haus mieten, in Oslo nur ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft", sagt Egbringhoff. Faustregel: Mit den Ersparnissen sollten sich die ersten sechs Monate übertauchen lassen. Grundsätzlich rät der Experte, sich nicht erst dann auf Jobsuche zu begeben, wenn die Zelte in der Heimat bereits abgebrochen sind: "Ohne seriöses Angebot in der Tasche, ist Auswandern ein großes Risiko."

Motive hinterfragen. Der Weg ins neue Leben kann ohne gründliche Planung leicht in einer Sackgasse enden. Eines ist klar: "Im Ausland ist es nicht leichter, erfolgreich zu sein, als zu Hause", weiß der Coach. "Und wer hier beruflich nicht erfolgreich, fleißig und kreativ ist, hat anderswo erst recht keine Chance." Die Motive für den Wohnsitzwechsel seien entscheidend: Gut ausgebildeten High Potentials winkt mit dem Schritt in die weite Welt wahrscheinlich eine große Karriere, nicht aber Menschen, die der Arbeitslosigkeit entfliehen wollen. "Einige Auswanderer sind erfolgreich, andere verwechseln das Leben in einer Feriendestination mit Urlaub."

Auswanderungswelle. Deutschland erlebt laut Statistik die größte Auswanderungswelle seit den 50er-Jahren. 2007 kehrten 165.000 Bundesbürger ihrer Heimat den Rücken. Zehntausende sind bereits wieder zurückgekehrt.

Karin Riess

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