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Zuletzt aktualisiert: 08.09.2008 um 11:44 UhrKommentare

Alt bewährt und frisch geölt

Ölmühlenchefin Julia Fandler über das Risiko, ein Naturprodukt zu vermarkten und die Notwendigkeit der Veränderung.

Stolz auf den neuen Marktauftritt: Ölmühlen-Betreiberin Julia Fandler

Foto © Stuhlhofer/WolfStolz auf den neuen Marktauftritt: Ölmühlen-Betreiberin Julia Fandler

Beim Kernöltesten von 20 Fremdmarken kam die Erkenntnis über Julia Fandler: Grün ist die gemeine Kernölflasche, einheitlich verziert und langweilig. Wenn aber alle steirischen Kernölproduzenten auf ähnliches Design setzen, durfte man als traditionelle Ölmühle überhaupt aus der Reihe tanzen? Und wie sollte man sich dann vom Mitbewerb unterscheiden?

Nach dem Tod des Vaters nahm die Oststeirerin ihren Mut zusammen und entschied sich für einen völlig neuen Marktauftritt. Was noch dabei herauskam: Die Erkenntnis, dass man sich manchmal "einfach nur trauen muss".

Ihre Öle haben sich gut verkauft - warum wollten Sie Ihren Marktauftritt überhaupt ändern?

JULIA FANDLER: Wenn man sich auf eine Nische verlegt, muss man auf dem Markt auffallen. Ich wusste, dass wir uns in Qualität und Vielfalt von den anderen unterscheiden. Aber über das Design haben wir das bislang nicht transportiert. Irgendwann habe ich mich dann getraut und das Designwerk Linz angerufen. Ich dachte: "O.k., machen wir einfach das, was man schon immer von uns gewohnt war: alles anders." Das brachte uns eine Nominierung beim steirischen Werbepreis Green Panther ein. Ein paar Nachfragen gab's im Nachhinein wegen dem "lieben" alten Henkelflascherl - aber die waren eben nur lieb.

Sie haben die Ölmühle nach dem Tod Ihres Vaters übernommen. Wollten Sie schon immer in seine Fußstapfen treten?

FANDLER: Eigentlich nicht. Der Betrieb war natürlich meine Heimat - wir haben nebenan gewohnt und ich habe immer den Ölkuchen, den Rückstand nach der Pressung, weggeräumt. Aber ich habe in Graz die Schule besucht und mich erst, als ich auf Produktmessen mitgefahren bin, näher damit beschäftigt. Durch die Krankheit meines Vaters vor drei Jahren hat sich die Betriebsübergabe beschleunigt.

Fünf Ölpresser sind heute damit beschäftigt, 17 Sorten nach traditionellem Verfahren zu erzeugen. Welche Voraussetzungen braucht man für diesen Beruf?

FANDLER: Man muss seine Sinne schärfen, vor allem der Duftsinn spielt eine große Rolle. Ölpresser ist zwar kein Lehrberuf, aber die täglichen Meisterstücke sind die Nussöle. Sie werden nur von Mitarbeitern gepresst, die mindestens acht Jahre Erfahrung haben. Natürlich muss man darauf achten, dass dieses Wissen rechtzeitig weitergegeben wird. Wie fein mahle ich die Nüsse? Welche Temperatur brauche ich in der Wärmepfanne? Thermometer gibt es keines - allein das Gefühl und die Erfahrung sind dabei entscheidend. Wenn eine Tranche verbrannt ist, kann es passieren, dass damit ein paar verdorbene Liter Öl zu den bereits gewonnenen Litern gegossen werden - dann ist alles verloren.

Sie arbeiten durchschnittlich mit 25 Mitarbeitern, viele davon im Teilzeitmodell. Wie sehr müssen diese sich mit Ihren Produkten identifizieren?

FANDLER: Jeder, der bei uns neu anfängt, bekommt erst einmal Öle zur Verfügung gestellt, um sie zu Hause auszuprobieren, egal ob er später im Lager oder in der Kundenbetreuung arbeitet. Wenn sich jemand mit dem Produkt nicht identifizieren kann, kümmert er sich zum Beispiel nicht darum, ob das Öl richtig gelagert wird. Das Bewusstsein muss da sein. Wir haben aber auch Glück - unsere Mitarbeiter sind da fantastisch. Sie stehen voll dahinter.

Sonnenblumen und Raps fließen nicht nur in die Speiseöl-, sondern auch in die Biospritproduktion. Ist im oststeirischen Pöllau etwas davon zu merken?

FANDLER: Natürlich betrifft das auch den oststeirischen Ölproduzenten, obwohl wir im Jahr gerade so viel pressen, wie ein Speiseöl-Industriebetrieb am Tag - rund 210.000 Liter Öl. Immerhin braucht man dafür 450 bis 500 Tonnen Früchte. Der erhöhte Bedarf an Ölpflanzen für die Spriterzeugung treibt den Preis natürlich in die Höhe.

Qualität und Menge Ihrer Produkte sind zu einem Großteil von der Natur abhängig. Wie leben Sie damit?

FANDLER: Ich mag die Macht der Natur, und dass man nicht auf alles Einfluss haben kann. Wenn ich tagelang nach dem richtigen Mohn suche, bis die Qualität für das Öl passt, zeigt mir das, dass ich nur ein kleiner Teil auf Erden bin. Alles muss man nicht schlucken, aber manche Dinge sollte man akzeptieren. Und wenn die Natur mir den Riegel vorschiebt, ist das auch ein Ansporn, andere Wege zu finden.

INTERVIEW: BIRGIT PICHLER

Produkte

Seit 1926 wird in der Ölmühle Fandler im oststeirischen Pöllau Öl kalt gepresst. Mittlerweile stehen neben Kürbiskernöl 16 andere Speiseöle wie Mohn-, Raps, Lein-, Macadamianuss- oder Hanföl und ebenso viele Bioöle auf dem Programm.

Zahlen

20 Prozent werden exportiert. Rund 50 Prozent der Produktion macht derzeit das Kürbiskernöl aus. Produktionsmenge: Rund 900 Liter pro Tag. Mitarbeiter: rund 25. msatz 2007: ca 3 Millionen Euro.





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Die Kleine Zeitung präsentiert in Kooperation mit den fünf steirischen Universitäten, den beiden Fachhochschulen, den zwei Pädagogischen Hochschulen und Joanneum Research die besten steirischen Forschungsprojekte.



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