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Zuletzt aktualisiert: 25.08.2008 um 08:58 UhrKommentare

"Wichtig ist, dienen zu wollen"

Simone Ronacher (37) führt eines der Top-Hotels im Kärntner Bad Kleinkirchheim. Im Tourismus hat sie ihre Berufung gefunden.

Simone Ronacher

Foto © WeichselbraunSimone Ronacher

Das Ronacher hat fünf Sterne, vier Lilien und zwei Hauben. Hohe Anforderungen fürs Team und die Chefin. Wie hält man so ein Level?

Simone Ronacher: Qualität ist konstantes Arbeiten am Produkt und an sich selbst. Man muss Langstreckenläufer sein, der Gast verzeiht keine Halbherzigkeiten. Im Detail braucht es zum einen die perfekte Hardware. Andererseits aber auch die entsprechende "Software" - also die richtige Einstellung zur Arbeit und ein Mitarbeiterteam, das mit Herz dabei ist.

Und wie sieht diese Einstellung aus?

Ronacher: Es ist wichtig, dienen zu wollen. Wenn ein Gast am Zimmer den Bademantel vermisst und gerade keiner meiner Mitarbeiter Zeit hat, bring eben ich das Stück schnell vorbei. Jeder muss alles machen können und wollen, denn in erster Linie geht es darum, den Gast auf Händen zu tragen. So hab ich es auch im elterlichen Betrieb in Filzmoos gelernt. Geholfen wurde da, wo Not am Mann war.

Wie schießen Sie ihre Mitarbeiter darauf ein?

Ronacher: Jeder Mitarbeiter sollte erstens die Philosophie des Hauses zu hundert Prozent mittragen. Und zweitens Spaß an der Arbeit haben. Wir versuchen das unterschiedlich zu fördern. Unsere 45 Lehrlinge haben eine eigene Betreuerin, die sich um ihr seelisches Wohl kümmert. Wenn jemand Heimweh hat oder Liebeskummer, ist sie die mütterliche Ansprechpartnerin. Andererseits versuchen wir, Erfolge mit den Mitarbeitern zu teilen, in Form von gemeinsamen Ausflügen etwa. Wichtig ist auch eine offene Gesprächskultur. Meine Bürotür steht jederzeit für jeden offen.

Ihr Erfolgsrezept?

Ronacher: Erfolg kann man meiner Meinung nur haben, wenn man vollen Herzens jeden Tag seinem Beruf nachgeht und kontinuierlich sein Ziel verfolgt. Ich habe in diesem Beruf wirklich meine Berufung gefunden und erfahre das als großes Geschenk. Und der Humor darf freilich nicht fehlen.

Die Vorteile eines Jobs im Tourismus?

Ronacher: Man kann in fremden Ländern arbeiten, lernt Sprachen und Kulturen kennen, arbeitet dort, wo andere Urlaub machen. Es gibt gute Karrierechancen - man kann es vom Lehrling zum Generaldirektor schaffen.

Und die Nachteile?

Ronacher: Natürlich gibt es andere Arbeitszeiten, auch an Weihnachten und Silvester heißt es, für die Gäste da zu sein. Aber ich mochte das schon als Kind, weil so konnte ich zum Beispiel Weihnachten immer zweimal feiern - einmal mit den Gästen, einmal mit der Familie. Ich denke, das ist alles eine Frage der Einstellung.

Wie sehen Ihre Arbeitszeiten aus?

Ronacher: Es sind Zwölf-Stunden-Tage, von neun Uhr morgens bis neun Uhr abends. Nach Feierabend ist Familienzeit mit meinem Mann und unserer fünfjährigen Tochter Sophie. Und der Sonntag ist der Familientag.

Im Tourismus schaffen es überdurchschnittlich viele Frauen in Managementpositionen. Sind Frauen die besseren Touristiker?

Ronacher: Frauen haben heute generell ganz andere Möglichkeiten ihrer Karriere nachzugehen. Aber egal ob Mann oder Frau, Leistung wird in unserer Branche immer geschlechtsunspezifischer.

Inwieweit spielt da die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Rolle?

Ronacher: Wenn man, wie wir, selbst einen Betrieb hat, ist der Beruf extrem familienfreundlich. Ansonsten muss man sich mit seinem Arbeitgeber verständigen. In der Regel findet sich eine Lösung.

Woher holen Sie sich neue Ideen für Ihren Betrieb?

Ronacher: Mit meinem Mann machen wir regelmäßig "Studienreisen", während der wir verschiedene, gute Hotels besuchen. Da nimmt man sich Ideen mit, kann sich etwas abschauen. Unter der Zeit ist mir der Sport sehr wichtig. Ob Laufen, Nordic Walking, Fitness-Studio oder Langlaufen: Dreimal die Woche ist eine Stunde Zeit dafür.

Interview: Johanna Bainschab

Zur Person

  • Geboren am 25. Jänner 1971

Hotel Hubertus

Ältestes von vier Kindern der Vier-Hauben-Köchin Johanna Maier im Hotel Hubertus in Filzmoos.

Karriereweg

Mit 26 Jahren Pacht des "Schlosswirt" in Anif, ein begehrter Hotelbetrieb für Festspielgäste und Künstler. 2002: Hochzeit mit Markus Ronacher, Geburt der Tochter Sophie. 2003: Simone Ronacher führt das Thermenhotel Ronacher, Gatte Markus leitet das zweite Ronacher-Hotel "Die Post".

Fakten

2004: Simone Ronacher wird zur "Hotelierin des Jahres" gekürt. Die Küche des Ronacher mit zwei Hauben bedacht. 2008: Simone Ronacher übernimmt den Vorsitz der Österreichischen Hoteliersvereinigung in Kärnten (ÖHV)





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