Geben Sie dem Sommer Stoff
Temperaturen jenseits der 30 Grad sind kein Freibrief, die Hüllen fallen zu lassen. Nicht im Business jedenfalls. Eine Stilexpertin erklärt, wann Spaghettiträger gar nicht passend sind und wo Kurzarmhemden ihren Platz haben sollten.

Foto © APA/WeihsTrotz Hitze eine gute Figur machen!
Wenn die Büro-Klimaanlage resigniert vor sich hinächzt, das Wasser
im Spender schon von selbst verdunstet und das Arbeiten nur noch in Zeitlupe gelingt, setzt nun mal automatisch der Selbsterhaltungstrieb
ein. Der bedeutet: Weg mit dem Stoff, der an mir klebt. Runter mit der erstickenden Baumwoll-Plane. Der Körper lechzt nach Luft. Und die kriegt er nur, wenn man ihn entsprechend "freilegt".
Benimm-Regeln. Aber: Der Arbeitsplatz liegt nicht in der FKK-Zone und die Benimm-Legislatur ist unerbittlich. Auch jenseits der 30-Grad-Marke. Gerade für jene, die sich sowieso um Anerkennung bemühen müssen – Neueinsteiger, Frauen, Führungskräfte – gilt die Grundsatzregel Nummer eins: "Je mehr Stoff, desto mehr Autorität". Das klatscht uns Maria
Radinger, Stilexpertin aus Villach, gleich mal auf den Schreibtisch. Denn: "Es gibt beim Dresscode im beruflichen Umfeld Spielregeln. Ob wir das nun gut finden oder nicht."
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Maria Radinger, Expertin für Guten StilFoto © KK
Seriös zu Terminen. Natürlich: In manchen Branchen werden
die Mitarbeiter gnadenloser beäugt als in anderen. "Sehr streng ist
die Outfit-Frage traditionellerweise in Banken und Versicherungen, bei
Rechtsanwälten und Notaren und in den meisten Dienstleistungsberufen",
sagt Radinger. Auch nicht unwesentlich diese Frage: Bin ich an diesem Arbeitstag nur im Büro oder muss ich Termine wahrnehmen? "Bei Terminen präsentiert man das Unternehmen nach außen." Da sei es im Normalfall
cleverer, nicht allzu frivol – weil quasi halbnackt – anzutanzen. Deshalb Radingers eindringliche Bitte: "Die Kleidung nie nach dem Wetter, sondern immer nach dem Terminkalender wählen."
Dresscode nach Geschlechtern. Frisch ans Werk, die Damen zuerst: Wie wenig dürfen Frauen im Arbeitssommer tragen? " Was selbst in Büros selten geht, sind bauchfreie Tops". Im Kundenkontakt kommen Spaghettiträger und Co. nicht gut an. Die Stilexpertin: "In solchen Situationen sollte Frau ihre Schultern bedeckt halten." Ähnliches gilt für die Knie. Der steile Ultra-Mini aus dem vergangenen Urlaub ist wohl kein probates Mittel zur Untermalung der fachlichen Kompetenz.
"Ein Rock sollte noch im Sitzen die Knie bedecken. Das empfiehlt
sich schon allein angesichts der hohen Glastisch-Dichte heutzutage",
schmunzelt Radinger. Schwierig wird's bei der Frage: Strümpfe oder nicht? "Ich hab festgestellt, dass das in Südösterreich kaum
so gesehen wird, aber Strümpfe sind bei beruflichen Terminen auch im
Hochsommer Pflicht – hautfarben, und bitte ohne Glanz." Das seriöse Erscheinen wird ergänzt durch Schuhe, die vorne geschlossen sind.
Besonders schlimm: High-Heels ab der Fünf-Zentimeter-Marke und alles,
was in die Schlapfen-Ecke einzuordnen ist.
Kurzarmhemd & Co. Offene Schuhe sind übrigens
auch das Top-No No bei den Herren der Schöpfung. Die Schuhe geschlossen, die Socken dunkel und lang genug, um die nackten Waden auch im Sitzen nicht durchblitzen zu lassen. So erscheint Er "untenrum" zu Business-Terminen. Farblich heißt der Leitspruch:
Je höher in der Hierarchie, desto dunkler der Anzug. Im Oberkörperbereich rät Radinger Männern, bei Kundenterminen Sakko und Krawatte anzulassen – und endgültig vom Kurzarmhemd Abschied zu nehmen. "Das gehört eigentlich in die Freizeit-Abteilung im Kleiderkasten." So wie Bermudas, für alle, die sich das jetzt
fragen. "Birkenstock-Schlapfen und kurze Hose, solche Freiheiten haben
heutzutage nicht mal mehr die IT-Abteilungen."
Es wird wieder strenger. Apropos heutzutage: Hingen die
Dresscode-Zügel also einmal lockerer? "Natürlich brachen mit 1968 diese Richtlinien teilweise weg. Aber in den 90ern schwang das Pendel wieder zurück." Will heißen: Mit dem Enger-Werden des Arbeitsmarktes und dem reichen Angebot an fachlich geschulten Kräften begannen die Führungskräfte, wieder mehr auf die Soft Skills ihrer Mitarbeiter zu schielen. AufUmgangsformen und Höflichkeit. Auf die "Kinderstube" sozusagen. Dazu gehört auch, wie man optisch auftritt. Radinger: "Bei jedem geschäftlichen Termin oder einem Vorstellungsgespräch hinterlasse ich einen Eindruck. Der sollte gesteuert sein. Oder, in einem anderen Kontext ausgedrückt: Wer macht sich vor einem ersten Date nicht Gedanken um sein Äußeres?" Tja, erinnern wir uns: Wer nicht?
Features
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Business-Tipps
Nachfragen. Vor allem für Neueinsteiger
in einem Unternehmen empfeh-
lenswert:
Fragen Sie den Chef geradeheraus,
ob's einen offiziellen Dresscode
gibt. Gerade im Dienstleistungs-
Alternativ-Garderobe
Manchmal ergeben sich Termin-Pflichten kurzfristig. Um kleidungsmäßig nicht ins Fettnäpfchen zu hopsen, ist also eine zweite seriösere Garnitur in Büro und/ oder Auto empfehlenswert.
Hitzeschilder
Das Reservehemd oder die Reservebluse helfen, schweißgetränkte Termine zu vermeiden. Ein für den Akutfall griffbereites Deo sollte im Business selbstverständlich sein.
Farben
Ab dem mittleren Management ist Weiß für die Frau keine Business-Farbe mehr. Zurückgreifen auf Braun, Grau oder dunkle Blautöne. Detto die Männer: Mit der Höhe ihrer Position "verdunkelt" sich auch ihr Outfit.















