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Zuletzt aktualisiert: 10.10.2012 um 13:20 UhrKommentare

Aus dem Dornröschenschlaf geweckt

Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, wurde ein ein steirisches Forstgut aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Karin Riess machte einen Lokalaugenschein.

Rund 300 Quadratmeter groß ist der Schwimmteich vor dem Haus

Foto © Oliver Wolf Rund 300 Quadratmeter groß ist der Schwimmteich vor dem Haus

Wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Nur über eine kilometerlange Schotterstraße erreichbar, die sich auf 950 m Seehöhe schraubt, liegt das Forstgut nördlich von Graz. Vor knapp zwei Jahren dämmerte dort noch ein altes Bauernhaus vor sich hin. Aus der Ferne ein entzückender Anblick, den jeder Schritt näher gnadenlos entzauberte. Die Substanz hat einfach nicht gepasst, um es mit einem neuen Zubau aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Aber der Ausblick von dieser Lichtung im Fichtenwald und die Ruhe in der Abgeschiedenheit - das nächste sichtbare Haus liegt auf dem Hang gegenüber - eroberten die Herzen der zukünftigen Besitzer, allesamt passionierte Jäger, mit einem Halali.

Zitat aus dem Ausseerland

Zentrum des Gutes ist heute ein mächtiges neues Haus in kombinierter Ziegel- und Holzmassivbauweise mit rund 300 Quadratmetern Wohnfläche, dessen firsthoher, vorgelagerter Balkon aus behandelter Lärche ein Zitat aus dem Ausseerland ist. Umgeben von forstwirtschaftlich genutztem Wald und 10.000 m2 Grund, deren Gestaltung für Gartenarchitektin Gertraud Monsberger kein herkömmliches Projekt, sondern regelrecht Landschaftsplanung war. Im Mittelpunkt standen dabei Versatzstücke aus der Vergangenheit, egal ob gebaut oder gewachsen. "Teile des alten Stadls, die rund 100 Jahre alte Linde und die alte Edelkastanie sollten unbedingt erhalten bleiben."

Pflegeleicht und robust musste die übrige Bepflanzung sein. Fingerhut, Immergrün, ebenso öfter blühende Kartoffelrosen (Rosa rugosa) können dem Winter in dieser Höhe trotzen - und Vogelkirschen als heller Kontrast vor dem dunklen Fichtenwald, der das Anwesen umgibt. "Wenn wir keine heimischen Pflanzen verwendet haben, dann traditionelle wie Flieder oder die typischen roten Rosen, die man von jedem Bauernhaus kennt", sagt die Planerin.

Farbenfrohe Mischung

Die Böschung neben dem Haus peppt eine Wiese mit einer Saatgutmischung auf, die es in sich hat: Malven, Kornblumen, Mohn, Ackerkamille, Königskerzen oder wilder Majoran. Schön anzusehen und nach der Blüte mit schwerem Gerät, das auf dem Gut zum Einsatz kommt, ratzfatz gemäht. Auch die Dächer der an das Wohnhaus grenzenden Wirtschaftsgebäude sind mit dieser farbenfrohen Mischung begrünt.

Die verbindenden Stufen aus massiven Steinblöcken wurden versetzt verlegt, um optisch besser mit der steilen Böschung zu verschmelzen. "Das Material setzt sich mit Mäuerchen aus Gneis in Sitzhöhe fort, die das Grundstück durchziehen, sich an Sommertagen aufheizen und die Wärme bis abends speichern", sagt die Gartenarchitektin. So geschützt schmiegt sich der 300 Quadratmeter große Schwimmteich zwei Etagen unterhalb des Hauses in den Hang, umgeben von einem großzügigen Vegetationsbereich, der sich vom Sonnendeck aus genießen lässt.

Jagdkapelle im alten Stil

Eine alte Stallmauer bildet das Rückgrat des Ruinengartens nebenan. "Mit Gneis aus dem Hang hinter dem Haus haben wir sie restauriert und die alten Holztramen der Dachkonstruktion einfach stehen lassen", sagt Monsberger. Bald sollen Kletterrosen das romantische Relikt beranken. Ebenso wildromantisch ist die Jagdkapelle im alten Stil am Waldrand, die wie das Wohnhaus mit Holzschindeln gedeckt ist. Darin läutet die Glocke im November zur Hubertusmesse, wie es bei Waidmännern Brauch ist - gelebte Tradition, wie der 150 m lange Bänderzaun aus Lärchenholz und Fichtenbändern, den Pensionisten aus der Region Fladnitz/Teichalm gebaut haben.

KARIN RIESS

Was & Wer

Gertraud Monsberger, Ingeniurbüro für Garten- und Landschaftsarchitektur in Graz und Gleisdorf, Tel. (0316) 720823.

www.gartenarchitektin.at

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