Ein Fall für zwei
Matthias Birkner und Roger Sixl haben für einen Bauherrn in Graz ein Haus im Raster 60 mal 60 geplant. Das Ziel bei diesem Projekt war tolles Design zu einem vernünftigen Preis.

Foto © Tenne Bad und FliesenDurch die Gebäudeform ist ein vor Blicken geschützter Innenhof entstanden
Es gibt sie: Bauherren, die von Anfang an sehr genau wissen, was sie wollen. Der Bauherr, mit dem es der Architekt Roger Sixl und der Bäder- und Fliesenspezialist Matthias Birkner vor mittlerweile fünf Jahren zu tun hatten, wusste es sogar auf den Zentimeter genau. "Mein Auftrag lautete, die konkrete Vorstellung des Bauherrn planerisch umzusetzen und maßvoll zu ergänzen", erinnert sich Sixl.
Bei "maßvoll" sind wir auch schon beim entscheidenden Stichwort: 60 mal 60 cm, mit diesem Format wurden hier insgesamt 330 Quadratmeter Innen- und um die 250 Quadratmeter Außenfläche geplant. Vor dem Hausplan stand nämlich schon fest, welches Feinsteinzeug für das ganze Haus verwendet werden sollte. Dem Raster 60 x 60 cm wurden auch die Möbel angepasst. Die Fugen ziehen sich schnurgerade vom Wohnzimmer bis in den Vorraum und ins Badezimmer durch - teilweise auch weiter auf die Wand.
Raumgefühl
Den Hintergrund erklärt Tenne-Chef Matthias Birkner so: "In Spanien ist es üblich, die Böden großer Häuser einheitlich mit großformatigen Steinplatten auszulegen. Das schafft ein ganz besonderes Raumgefühl." Stein sei aber nicht nur verhältnismäßig teuer, sondern per se weder wasser- noch Schmutz abweisend. "Der Bauherr wollte eine kostengünstige, unproblematische, leicht zu reinigende Alternative mit besonders schlanken Fugen", sagt Birkner.
Mit welcher Akribie hier geplant und gearbeitet wurde, beweist am eindrucksvollsten der Pool, der ebenfalls verfliest wurde. "Das ist der einzige Swimmingpool in Österreich mit großformatigen Fliesen", ist Birkner stolz und erklärt: "Das Problem ist dabei nicht das Material, sondern die Verlegung, bei der jeder kleine Fehler die Frostsicherheit gefährdet." Voilà: Der Beweis, dass es geht, ist hiermit erbracht.
Geschützter Innenhof
Die perfekte Ergänzung zu diesem Boden, der räumliche Großzügigkeit und Weite vermittelt, ist ein Haus, das auch sonst keine Grenzen setzt. Möglich wird das durch maximale Transparenz vom rund 150 m² großen Wohn-, Ess- und Lebensraum im Erdgeschoß hin zu Terrasse, Pool und Garten. Raumhohe, nahezu rahmenlose Glasschiebeelemente sind dabei das Tüpfelchen auf dem i. Für die nötige Rückendeckung sorgt die L-förmige Grundform des Gebäudes, aus der sich ein geschützter Innenhof mitten im dicht verbauten Siedlungsgebiet ergibt.
So offen das Gebäude gartenseitig ist, so verschlossen zeigt es sich zur Straße hin. Lediglich ein Oberlichtenband ist hier die Verbindung zur Außenwelt.
Auf die sozusagen öffentliche Zone im barrierefreien Erdgeschoß wurde eine Privatzone aufgesetzt, in der ebenfalls das Prinzip der Weitläufigkeit regiert: Die 62 Quadratmeter Dachterrasse mit Glasgeländer in Richtung Garten sind nicht erst seit Einbau der neuen Sauna ein Wellnessbereich. Raumhohe, flächenbündige Türen und die Möbel aus Nussholz passen perfekt ins gebaute Wohlfühlprogramm. Die Einrichtung ist eine Geschichte für sich. Die schlichte Nussholz-Möbelwand in der Gangzone im Obergeschoß etwa wird durch die Perfektion, mit der die Linien in der Maserung des Holzes über sechs Meter durchgezogen wurden, zur Augenweide - und zum warmen Kontrast zum Fliesenboden. Versteht sich von selbst, dass sich die Fugenlinie vom Fußboden auch hier auf den Möbelraster überträgt.
Schön und günstig
Reduziertes Design und klare Linien dann auch im Badezimmer, in dem Birkner mit italienischen Designermöbeln wieder den Spagat zwischen edler Optik und vernünftigem Preis schaffte, wie er es formuliert. Für eine Regenkopfbrause im Format 50 mal 40 cm etwa könnte man mühelos ein paar Tausend Euro ausgeben. "In diesem Fall hat der Luxus keine 1400 Euro gekostet."
Bei aller Detailverliebtheit und Kompromisslosigkeit war die Kunst in diesem Haus am Ende doch, immer auf dem Boden zu bleiben - womit wir wieder bei den Fliesen wären: "Max-Feinsteinzeug um 40 Euro pro Quadratmeter", lüftet Matthias Birkner das Geheimnis.
Features
Fotoserie
Was & wer?
Einfamilienhaus mit 330 m2 Wohnfläche. Fertigstellung 2007. Nettobaukosten etwa 2500 Euro/m2.
Architekt: Roger Sixl, Grillparzerstraße 15, 8010 Graz
Fliesen und Baddesign: Firma "Tenne Graz und Fliesen" mit Hauptstandort in Graz.


















