Ein luftig-leichtes Raumwunder
Liane und Paul Hammerl-Pechmann zeigen in ihrem Haus, wie wenig Platz und Geld man braucht, um viel Lebensraum zu bekommen. Daniela Bachal besuchte die Familie in Graz.

Foto © Oliver Wolf
Edgar Hammerl erinnert sich noch gut daran, wie er das Grundstück in Graz zum erstem Mal sah: "Ich habe gefragt, wo denn nun der Baugrund ist", sagt der Architekt. Die Antwort war: "Du stehst darauf." 406 Quadratmeter an einem Hang, das Wasser rann nach dem Regen gerade in Bächen vom Nachbargrundstück auf die Wiese. Alter Baumbestand und rundherum alles dicht verbaut. "Da braucht man nicht nur einen Architekten, sondern einen Platzkünstler", sagt Bauherrin Liane Hammerl-Pechmann. Was sie und ihr Mann Paul wollten, war nicht nur moderne Architektur mit offen sichtbarer Funktionalität, sondern auch zumindest 100 Quadratmeter luftig, leichter Wohnraum für eine dreiköpfige Familie mit Hund.
Als kleine Zusatzaufgabe mussten die alten Bäume auf dem Grundstück erhalten bleiben, und die Nachbarhäuser sollte der Architekt sozusagen wegzaubern. Damit nicht genug, bestand die Hausherrin auch noch auf einer Sauna im Haus. "Bitte mit Blick auf ein Biotop, weil das in der Therme Loipersdorf so schön war", war die Vorgabe. Der Nachbar hatte zum Glück schon einen Teich; es ging darum, ihn optisch mitzunutzen. Eine feine Dachterrasse musste auch noch her – und das alles bitte um weniger als 250.000 Euro. Wenn das keine Herausforderung ist für einen Architekten ist?
Weg mit dem Wasser
Nach ein paar Schreckminuten ging es Edgar Hammerl an. Zuerst wurde das Wasserproblem gelöst – mit einem Sickergraben an der Grundgrenze. Um sich gegen die Nachbarhäuser abzuschotten, wurde das zweigeschoßige Haus als massiver Turm ausgebildet. Das Obergeschoß des Fast-Quaders ist etwas größer als das Erdgeschoß –"weil wir von innen nach außen geplant haben und dabei durch die Stiege jeden Zentimeter gebraucht haben, den die Baudichte hier zulässt", erklärt Hammerl.
Die Grundidee war, das Obergeschoß auf einem transparenten Sockel scheinbar schweben zu lassen. Glas war aber einfach zu teuer. Als Alternative wurde die Fassade des Untergeschoßes mit gewelltem Acrylglas verkleidet, was aus der Ferne betrachtet die Leichtigkeit und Transparenz von Glas simuliert. Die Fensteröffnungen wurden nach einiger Tüftelei genau so gesetzt, dass die Nachbarn aus dem Blickfeld ausgeklammert sind. Das Resultat? "Ein kleines, feines, luftiges Haus, in dem es auch nicht an Rückzugsräumen mangelt. Hier gibt es keinen Kubikzentimeter, der nicht genutzt wird. Überall ist Stauraum, den man aber nicht sieht", sagt die Hausherrin.
Features
Fotoserie
Was und wer?
Bau eines 100 m2 großen Einfamilienhauses ohne Keller, aber mit Dachterrasse in Graz.
Bauzeit: Juni bis Dezember 2009.
Baukosten: 230.000 Euro.
Planung: Edgar Hammerl, Mitarbeit: Gerhard Springer. Architekturbüro Edgar Hammerl in der Ballhausgasse 1 in 8010 Graz.
Tel. (0 31 6) 22 83 47
www.hammerl-architektur.at
Sparpotenzial
Innen ist an den Wänden teilweise normaler, ungeschliffener Baubeton sichtbar.
Böden: Estrich mit PU-Beschichtung.
Stiegengeländer aus Formrohr und Nylonnetz. Fassade aus kostengünstigem Industriematerial, Windfang aus LKW-Plane.


















