Im Altbau zu neuem Komfort
Thermische Sanierung eines Altbaus mitten in Graz. Zuerst Substandardwohnungen, beheizt mit Einzelöfen, das Dach lag völlig brach. Nun Komfortwohnungen, zwei Penthäuser und Top-Energiewerte: Ein Haus in der Färbergasse zeigt, was möglich ist.

Foto © Oliver WolfKarla Sommer auf ihrer Dachterrasse mit Blick auf den Schlossberg
Auf den ersten Blick sieht man es dem Gebäude nicht an. Von der Färbergasse aus zeigt sich nur eine relativ unspektakuläre Putzfassade. Hinter dem Eingang zu Haus Nummer 9 ist die Überraschung umso größer: Man betritt nicht ein Stiegenhaus, sondern das sogenannte Blutgässchen - und es führt wie eine Schleuse in eine Welt für sich. Mitten in der Altstadt, wie es zentraler kaum sein könnte, bekommt man an besagter Adresse vom Trubel ein paar Meter weiter nichts mehr mit: Stille, rote Dächer, der Himmel und der Schloßberg zum Greifen nah.
Vor Kurzem hatte diese Adresse vor allem einen Schönheitsfehler: Es gab nur Substandardwohnungen, beheizt mit Einzelöfen - mit Kohle, Holz, Öl und Strom - und das Dach lag völlig brach. Mittlerweile ist das Blutgässchen um 16 cm enger geworden, dafür bieten die Wohnungen nunmehr modernen Komfort bei einem Energieverbrauch, auf den man nur mit anerkennendem Nicken reagieren kann. Und das bei Mietpreisen, die sich für die Bewohner durch Umbau und Sanierung nicht geändert haben.
Energiesparend
Das Vorzeigeprojekt der Baumeister Leitner GmbH beweist, dass eine umfassende thermische Sanierung auch bei jahrhundertealter (nicht denkmalgeschützter) Substanz mitten in der Stadt möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist. Abseits der Färbergasse wurde der Hausfassade ein 16 cm starker Vollwärmeschutz verpasst. Straßenseitig wurde eine 8 cm starke Innendämmung gewählt, um die markante Putzfassade nicht zu zerstören. In Kombination mit neuen Fenstern und dem Schließen des ehemals offenen Stiegenhauses konnte man die Energiekennzahl von 141 auf 50 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr senken. "Das ist Energieklasse B in der Innenstadt", sagt der zuständige Planer Dietmar Koch von der Leitner-Gruppe, der das Gebäude (samt dem ebenfalls erworbenen Nachbarhaus) als eine Art Schmuckstück sieht, auf dem zwei Penthouse-Wohnungen "die Perlen" sind.
Im Dach des Hauses wurde beim Umbau nämlich neuer Wohnraum geschaffen, der als besonderes Zuckerl eine rund 30 Quadratmeter große Dachterrasse beinhaltet. Die Fläche gab es schon vorher, sie lag nur ungenützt brach. Hier befindet sich jetzt das Refugium von Karla Sommer, die es sich in der 50 m2 großen Maisonette mit Schloßbergblick gemütlich gemacht hat. Nach dem Einbau eines Liftes direkt ins Gebäude lässt der Komfort auch keine Wünsche offen. Der Innenhof liegt derweilen noch im Dornröschenschlaf. Wenn die Sanierung von Färbergasse 7 abgeschlossen ist, wird sich hier aber ein sehr freundliches Bild zeigen, verspricht Koch.
Bei der energetischen Sanierung von Haus 7 geht man konsequenterweise einen Schritt weiter als in Haus Nummer 9. "Unter anderem durch den Einbau einer Lüftungsanlage werden wir im ganzen Haus eine Energiekennzahl von 25 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr erreichen", sagt Koch.
Die Färbergasse 9 wurde übrigens als besonders gelungene und vom Revitalisierungsfond des Landes geförderte Sanierung mit dem Titel "steirisches Wahrzeichen" ausgezeichnet.
Features
Fotoserie
Das Projekt
Verwirklicht als umfassende Sanierung mit Fördermitteln des Landes. Fertigstellung Februar 2010. 12 Mietwohnungen plus Gastronomiefläche.
Umsetzung durch die Leitner-Unternehmensgruppe (Firmensitz in der Grazer Schönaugasse) als Bauherrenmodell.

















