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Zuletzt aktualisiert: 07.03.2012 um 14:29 Uhr

Mit Satteldach zum Höhenflug

Nur ein Haus mit einem "richtigen" Dach ist ein "echtes" Haus. Die siebenköpfige Familie Rauchenberger aus Graz hat ihr perfektes Haus gebaut und mit ein wenig "Schräglage" auch noch Licht und Raum gewonnen.

Foto © Oliver Wolf

Am Anfang war die Angst des Bauherrn - vor dem finanziellen, planerischen und organisatorischen Fiasko. "Horrorgeschichten hört man ja genug", sagt Johannes Rauchenberger. Hinzu kam, dass er und seine Frau Barbara so gar keine Vorstellung davon hatten, wie ihr Haus überhaupt aussehen sollte. Als die insgesamt siebenköpfige Familie endgültig aus ihrer Innenstadtwohnung herausgewachsen war und vor dem eigenen Baugrund in Grünlage stand, war also schnell klar, dass ein Architekt hermusste. Die Wahl fiel auf Bernhard Steger.

Die Suche

Sein Auftrag war zunächst nichts anderes als die Suche nach einer Art Archetyp eines Hauses aus der Oststeiermark, der Heimat des Hausherrn. Nicht um eine simple Kopie anzufertigen, sondern um eine zeitgemäße Interpretation des Vorbildes zu finden. "Wir haben uns dabei eher an den Ställen als an den Häusern der Gegend orientiert", sagt der Bauherr, der sich "gebrandmarkt" fühlt von den unzähligen Bausünden seit den 1950ern, die die Landschaft seiner Kindheit nachhaltig zerstört haben. Das Ergebnis der Recherchen: "Ein richtiges Haus ist eines mit Dach wie eben Kinder Häuser zeichnen - und es ist massiv."

Die Details diktierte schließlich das eher schmale Grundstück an einem Hang, auf dem sich südseitig ein Wald wie ein Vorhang vor die Sonne schiebt. Steger entwarf dem Geländelauf folgend einen Split-Level-Typ mit halb versetzten Geschoßen. Der verglaste Giebel ragt im Süden weit in die Höhe, um die Sonne trichterförmig tief ins Haus zu holen. Straßenseitig ist das Gebäude eher niedrig und verschlossen. Aus dem Wunsch der Familie Rauchenberger nach einem geschützten Gartenbereich ergab sich ein L-förmiger Grundriss.

Schlichte Eingangssituation

Die schlichte Eingangssituation, die einer Scheuneneinfahrt ähnelt, hatte es dem Bauherren gleich beim ersten Entwurf angetan: "Sie erinnert mich an eine alte, verfallene Heuhütte auf dem Weg von Graz zu meinem Elternhaus." Im Inneren zeigt das Steildach, was es kann - und das ist tatsächlich beeindruckend: Raumhöhen bis zu sechs Meter machen das Wohnzimmer im Kreuzungspunkt des "Ls" zum Ereignis. Fensterflächen in alle Himmelsrichtungen sorgen dafür, dass man den Lauf des Tages auch im Haus miterleben kann. Die Kinderzimmer sind mit jeweils nur 7 m2 bewusst knapp bemessen, Raumhöhen bis zu fünf Meter lassen dem Nachwuchs mehr als genug Spielraum.

Ein klares Statement ist auch der Bodenbelag: geschliffener und versiegelter Beton in Eingangsbereich und Küche, sägeraue (!) Eiche massiv in den restlichen Wohnbereichen.

Daniela Bachal

Was & Wer

Einfamilienhaus in Graz mit 240 Quadratmeter Nutzfläche. Planung 2007 bis 2008.

Bauzeit Feber bis Oktober 2009. Pelletsheizung und Solaranlage zur Heizungsunterstützung. Aufteilung in Eltern- und Kindertrakt (die zwei Seiten des Ls im Obergeschoß). Im Erdgeschoß wurde statt einer Garage ein Hobby- und Freizeitraum eingerichtet (nur von außen zu betreten).

Planung: Bernhard Steger, mohr steger architektur, Mollardgasse 85a/3/140, 1060 Wien, Tel. (0 650) 61 28 143

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