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    Zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 um 12:12 Uhr

    Weniger Quadratmeter sind manchmal mehr

    Warum sich 145 Quadratmeter wie 200 anfühlen können, eine Wohnebene besser ist als zwei und gute Architektur keine Preisfrage ist. Antworten finden sich im Haus des Architekten Bernhard Schönherr.

    "Wir haben billig gebaut, weil wir sehr einfach und klein gebaut haben", so der Bauherr

    Foto © Jasmin Schuller"Wir haben billig gebaut, weil wir sehr einfach und klein gebaut haben", so der Bauherr

    Bernhard Schönherr weiß berufsbedingt, was man sich beim Bauen auf jeden Fall sparen kann, und er ist halb Däne, was zum Teil wohl auch erklärt, warum dieses Gebäude vor allem eines ist: ein offenes Haus.

    Als Bauherr wollte der Architekt auf jeden Fall ein kleines Haus. "Ich erlebe ständig, dass die Leute viel zu groß bauen, weil sie alle Eventualitäten einplanen möchten", sagt er. "Aber jeder Quadratmeter kostet, man muss ihn putzen und beheizen." Schönherr wollte für sich und seine Familie nicht mehr als 145 Quadratmeter, die allerdings so flexibel wie möglich und einfach, soll heißen: "Keine Gänge, keine Stiegen, alles auf einer Etage. Denn nur wenn man alles auf einer Ebene hat, nutzt man es im Alltag auch ständig."

    Raumwunder

    Der zweite Vorteil des Bungalows, bei dem sich Schönherr auch Keller und Garage sparte: "Im Sommer wächst unsere Wohnfläche auf mehr als 200 Quadratmeter, weil wir dann die großen Glas-Schiebetüren, die wir überall haben, aufmachen und die Terrassen mitnutzen. Von allen Räumen kommt man direkt in den Garten." Der Zusatznutzen, der übrigens auch eines der erklärten Ziele des Bauherrn war: "Wer einfach baut, baut billig." In Schönherrs Fall mit Baukosten unter 1800 Euro pro Quadratmeter "brutto , inklusive Außenanlagen".

    Foto

    Foto © Schönherr

    Foto vergrößernGrundrissFoto © Schönherr

    Dabei machte es der Bebauungsplan für das Grundstück dem Planer gar nicht leicht: Neben der genauen Lage des Hauses auf dem Grundstück war auch ein Satteldach mit 15 Grad Mindestneigung vorgeschrieben. Die Dachform war dem Architekten anfangs zwar ein Dorn im Auge, entpuppte sich zu guter letzt aber als Glücksfall - weil sich so Raumhöhen bis zu vier Meter ergeben und das Haus räumlich spannend wird. Einfach gesagt ist Schönherrs neues Zuhause ein Satteldachhaus, dem eine Ecke fehlt.

    Fließende Übergänge

    Herzstück des Ganzen ist ein rund 70 Quadratmeter großer Koch-, Ess- und Wohnraum, den bloß raumhohe Schiebetüren von Kinderzimmer und Elternschlafzimmer trennen. Wie groß 145 Quadratmeter sein können, wenn man keinen Zentimeter davon an Gänge und Stiegen vergeudet, zeigt sich, wenn man nach Kinderzimmer und Schlafzimmer an der Nordseite des Hauses auch ein Gästezimmer bzw. Büro, ein Badezimmer mit Schiebetür zur "Spa-Terrasse" sowie den Technikraum (für Waschmaschine & Co) entdeckt.

    Fotoserie: Sparprogramm vom Architekten

    Eigentlich ist dieses Domizil ein luftig-leichtes Zelt mit fließenden Übergängen zwischen innen und außen. Dass man in der Nachbarschaft richtig gut miteinander kann, zu den Grundstücken auch die Zufahrtsstraße gehört und alle gern auf Gartenzäune verzichtet haben, verstärkt den Eindruck zusätzlich.

    Für einfache Lösungen konnte sich die Familie folgerichtig auch bei der Einrichtung begeistern - der Großteil sind geradlinige Tischlerarbeiten nach Plänen des Hausherrn - ins rechte Licht gerückt von einer Vielzahl echter Lampendesign-Klassiker.


    Das Projekt

    Massivbau mit Betondach, 145 Quadratmeter. Niedrigenergiehaus-Standard. Planung und Fertigstellung 2010.
    Kosten: um ca 2000 Euro/Quadratmeter, laut Architekt für Kunden realisierbar.

    Architektur: Bauher Bernhard Schönherr betreibt mit zwei Partnern das Grazer Architekturbüro Love architecture and urbanism.

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