Neuauflage: Frisch "beschädigter" Boden in altem Haus
Haussanierung ganz bodenständig: Die Familie Deisl hat sich in Liezen beruflich und privat ganz auf Massivholzböden eingerichtet. Und da wurden schon vor dem Einzug einige Dielen von Hand "beschädigt" ...

Foto © Oliver WolfFamilie Deisl mit ihrem neuen Wohnzimmerboden mit Patina
Dieses Haus war im Laufe seiner 150-jährigen Geschichte schon vieles: Stall, Werkstatt, Büro - und seit ein paar Jahrzehnten Wohnhaus. In so einem Gebäude vermischt sich Alt mit Neu ganz zwangsläufig. Für Carolin und Michael Deisl war 2005 beim Umbau des Hauses zum Wohnraum für die eigene Familie folglich klar, dass man Kompromisse eingehen und sich anpassen muss.
Beim alten Holzboden zumindest war das sicher eine Freude, denkt man sich beim Rundgang durch das Haus - um spätestens im Badezimmer festzustellen, dass diese Parkette so alt doch nicht sein können: Badewanne und Waschtisch stehen auf gedämpften Akazienholzdielen. Holz im Bad: Vor zehn Jahren haben sich Handwerker bei dieser Idee die Haare gerauft, heute noch ist es eine Rarität. Wie auch der Eichenboden im Wohnzimmer, der bereits mit Patina, mit Kerben und Kratzern verlegt wurde. Oder die Robinien- und rustikalen Ahornböden in den Zimmern von Pamina (5) und Theresa (3).
Industrieböden sucht man im Haus der Familie Deisl vergeblich. Hier stammt alles aus der eigenen Parkettmanufaktur auf dem Gelände nebenan. Seit rund zehn Jahren werden hier in einem kleinen Familienbetrieb mit flachen hierarchischen Strukturen Dielen gefertigt, an denen tatsächlich noch vieles Handarbeit ist. Der Ehrgeiz, "sechseckige Eier" zu produzieren, alle Sonderwünsche zu erfüllen, hat den Newcomer auf dem Parkettmarkt in einem Nischenbereich schnell wachsen lassen. "2010 war für uns ein Rekordjahr, das Auftragsvolumen steht derzeit bei rund 45.000 Quadratmetern jährlich", sagt der Hausherr.
Massives Holz
Der Anfang war das Patent von Deisl senior für ein Stabilisierungssystem aus bis zu elf glasfaserverstärkten Kunststoffstäben, die auf der Unterseite der Dielen quer zur Faser eingefräst und eingeklebt werden und so die Fugenbildung zwischen den vollmassiven Brettern weitgehend vermeiden. "Die ideale Lösung für alle Wohnräume mit Fußbodenheizung", sagt Deisl.
Weitere Spezialitäten seiner Manufaktur: eine Dielenstärke von 15 bis 20 Millimetern mit einer effektiven Nutzschicht von 8 Millimetern, was weit über den Werten herkömmlicher Fertigparkettböden liegt, wie der Hausherr betont. Die Dielenbreite von 36 bis 220 Millimetern ist frei wählbar. Mit maximalen Längen bis zu 5,60 Meter sprengt man alle herkömmlichen Maße. An Holzarten ist fast alles möglich. Für eine Farbauswahl aus rund 40 Nuancen sorgt (fast ausschließlich) die Behandlung der Oberfläche mit Öl.
Mit lackierten Oberflächen hat der Hausherr einfach keine Freude, "und nachgefragt wird es auch kaum, auch nicht im Gastrobereich", wie er betont. Aus einem simplen Grund: "Bei lackierten Böden stechen Schäden viel stärker ins Auge, geölte Böden muss man bei regelmäßiger Pflege auch nie schleifen."
Folgerichtig hat die Familie Deisl auch für ihr privates Wohnhaus geölte Dielen gewählt. Eiche zieht sich dabei fast durch das ganze Haus. "Weil dieses Holz dankbar ist", wie die Hausherrin betont. Dem allgemeinen Trend entspricht man dabei auch: "Zu 60 Prozent verkaufen wir derzeit Eichenböden, der Trend geht zurück zu dem, was immer schon gut war." Dass man dabei keineswegs alt aussehen muss, zeigen die Deisls mit ihrem Haus.
Features
Gewusst wie
Raumklima: Ideal für Massivdielen ist eine Raumtemperatur von circa 22 Grad, bei einer Luftfeuchtigkeit von 45 bis 55 Prozent (zu jeder Jahreszeit).
Verlegung: Möglich sind schwimmende Verlegung in Nut und Feder verleimt, Verkleben auf Estrich und Verschrauben auf einer Holzunterkonstruktion. Fußbodenheizung verlangt ein Verkleben auf dem Estrich.
Das Unternehmen
Die Deisl Parkettmanufaktur in Liezen ist seit rund zehn Jahren auf Massivholzdielen spezialisiert, die sich wie Fertigparkett verlegen lassen. Die großteils handgefertigten Böden gibt es (geölt) in nahezu allen Farbvarianten und Dielenformaten. Auf Wunsch werden auch Swarovki-Steine eingearbeitet.
Preis: 70 bis 180 Euro/Quadratmeter


















