Landleben für Städter: Ein Sieg in Etappen
Zwischen Tradition und Moderne: Die Familie Loidolt haucht einem alten Bauernhof in der Oststeiermark neues Leben ein. So wird Umbauen zur Lebensaufgabe.

Foto © Oliver WolfEinrichtungsgegenstände mit Geschichte garantieren Wärme und Geborgenheit
Nach 14 Jahren in Wien wuchs die Sehnsucht nach mehr Natur vor der Haustür. Als dann der Junior bei einem Ausflug aufs Land angesichts eines Waldes über den "großen Park" staunte, stand für Irmgard und Volker Loidolt endgültig fest, dass es höchste Zeit für den Umzug ins Grüne war.
Die Wahl fiel auf einen alten Bauernhof im steirischen Thermenland - aus zweierlei Gründen: Erstens stammt die Hausherrin aus dieser Gegend und zweitens hat etwas Altes "viel mehr Flair." Das "Unregelmäßige, natürlich Gewachsene" hat es den Loidolts angetan. Dass der Bruder des Hausherrn Architekt ist und Volker Loidolt selbst im Tiefbau tätig ist, war ein Startvorteil für das Projekt. Aber wo zuerst anfangen bei einem insgesamt rund 800 Quadratmeter großen Gebäude-Ensemble?
Die Familie entschied, sich bei der Sanierung zunächst auf ein kleines Nebengebäude zu konzentrieren, um mit der Vermietung eines Ferienhauses den Umbau des Vierkanthofes "quer finanzieren" zu können.
Alt und Neu
Nach zwei Jahren Tüftelei der Brüder Loidolt und einem Jahr Bauzeit wurde aus dem historischen Ausgedinge in den typischen Proportionen eines Kellerstöckls ein Schmuckstück, das auf besonders stimmige Weise Alt und Neu verbindet. "Wir haben hier unsere Linie verwirklicht", erklärt die Hausherrin, worum es geht: um das prinzipielle Konzept für den Umbau des gesamten Hofes. Im Kleinen wurde hier also schon 2007 beendet, was im Großen noch eine Lebensaufgabe ist. "Ein fertiges Modell des umgebauten Bauernhofes haben wir schon längst."
Es ging um Nachhaltigkeit und den schonenden Eingriff in die alte Substanz: Die alten Holzkastenfenster wurden innen mit einer Isolierverglasung ausgestattet, für Wärme sorgt eine teilsolare Wandheizung mit Kupferrohren. Gedämmt wurde nur innen (mit Kork), um außen die für den Gebäudetypus charakteristische Hohlkehle unter der Traufe zu erhalten. Kalkputz, geölte Lärchenholzböden und Einrichtungsstücke mit Geschichte und Patina sorgen für Wärme und Geborgenheit. Eine Glasgaube, Bandfenster in der Küche und vor allem die schwarze Stahltreppe im Zentrum des Hauses, sorgen für reizvolle Kontraste, machen offenes, luftiges Wohnen in einem ursprünglich dunklen, kleinteiligen Haus möglich.
Die vier Tonnen schwere Stahl(treppen)konstruktion wurde über das Dach ins Haus eingefädelt. Der Aufwand zahlte sich aus: Das nur einen Zentimeter starke Material spart im bloß 85 m2 großen Haus Platz. So ging sich ohne Veränderung des Daches im Obergeschoss noch ein kleines Schlafzimmer mit Bad aus. Die Treppe ist außerdem Raumteiler im offenen Koch-, Ess- und Wohnbereich, ein Lichtgang ins Obergeschoss und verbindet unter dem Dach die zwei Giebelseiten des Hauses. Die Gaube bringt Licht ins Bad und ermöglicht das aufrechte Stehen beim Duschen in der Wanne.
Die Frage, warum sich jemand so einen Umbau antut, beantwortet sich hier von selbst.
Features
Fotoserie
Das Projekt
Revitalisierung eines Bauernhofes aus dem 18. Jahrhundert in Fehring. Ein Nebengebäude auf dem Hof kann als Ferienhaus gemietet werden: Tel. (0 31 55) 51 9 19
Links
Ausgezeichnete Architektur
Für das Ferienhaus
gab es beim "austrian brick
and roof award 11/12" den
"Sonderpreis Sanierung".
Architektur: Eckehart Loidolt,
Schneider + Schumacher
Architekten ZT GmbH, Wien


















