Vom alten Dreikanthof zum modernen Wohnhaus
Nach einem Umbau ist der Dreikanthof im Burgenland ganz der alte - und doch kaum wiederzuerkennen. Ein Einblick ins neue Zuhause der Familie Gumhalter in Ollersdorf.

Foto © LUPI SPUMA Fine PhotographyAlt und neu: Die Weinrebe musste bestehen bleiben, hinter Schiebetüren verbirgt sich die Küche
Häuser sind doch sehr menschlich. Die, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen und mit denen man irgendwie ein ganzes Leben lang gut kann, verleugnen ihre Herkunft nicht, stehen zu ihrer Geschichte und sind dabei immer für eine Überraschung gut - man kann sie täglich neu entdecken.
Der rund 100 Jahre alte Bauernhof von Gerhard Gumhalter in Ollersdorf - nur einen Katzensprung von Stegersbach entfernt - ist so ein Fall: auf den ersten Blick ein Hof in Dreikantform, wie es ihn im Südburgenland häufig gibt. Ziegelgedeckte Satteldächer, ein Ostflügel, in dem sich in einer Zimmerflucht Küche und Wohnräume befinden, getrennt durch eine überdachte Hofeinfahrt auf der gegenüberliegenden Seite Viehstall, Heuboden und Erdkeller - zumindest noch vor ein paar Jahren. Bis Gerhard Gumhalter beschloss, den großelterlichen Hof, der bis in die 1980er-Jahre noch bewirtschaftet und dann gelegentlich bewohnt wurde, zu seinem neuen Zuhause zu machen.
Der Sohn als Planer
Der Ostflügel sollte dabei bleiben, wie er war, der ehemalige Stall hingegen zum neuen Wohnhaus werden. "Modernes, offenes Wohnen", schwebte dem Bauherrn vor, wie er sagt. Seine Vorgaben: Der Innenhof musste als "Kraftplatz" erhalten bleiben - mit den zwei alten Weinstöcken. Und der alte Erdkeller durfte auch nicht angetastet werden. Mit seinem Sohn Matthias Gumhalter hatte der Bauherr den genau richtigen Planer für das Projekt an der Hand. Wie heißt es so schön: "Die spannendsten Lösungen entstehen im Reibungsfeld", sind sich Vater und Sohn nach einem einjährigen, intensiven Planungsprozess einig.
Kontrast-Programm
Das Ergebnis dieses Miteinanders war ein Neubau aus zweischaligem Sichtbeton (außen und innen), der in seiner Grundform dem alten Stallgebäude entspricht. "Um den Erdkeller unter dem Wohnraum zu erhalten, mussten wir für die Statik ohnehin Beton verwenden", sagt der Planer. Man entschied sich, die Primärstruktur sichtbar zu machen und damit einen reizvollen Kontrast zwischen Alt und Neu zu schaffen.
"Für mich war das sicher die radikalste Maßnahme", sagt der Hausherr. Mit der Idee, das Westdach zum Hang hin aufzuklappen und ein Stück über die Grundmauern hin zu erweitern, konnte er sich hingegen sofort anfreunden. Maximale Offenheit, Licht und Durchblick nach allen Seiten waren von Anfang an das Ziel.
Das ganze Haus ist im Prinzip ein Raum auf drei Ebenen. Und diese drei Ebenen gab es schon immer: "Die Küche liegt auf Stallebene, sechs Sitzstufen höher, wo jetzt das Wohnzimmer ist, war der Lagerraum und darüber ging es in den Spitzboden, wo jetzt ein Bett steht", erklärt der Hausherr. Das Kunststück, das dabei gelang: Die Räume erlauben ein ständiges Zirkulieren; ohne Platz für Gangflächen zu verschwenden, gibt es hier über ein ständiges Treppauf und Treppab immer neue (Blick-)Winkel zu entdecken. So groß können 153 Quadratmeter sein.
Features
Das Projekt
Planungsbeginn 2006, Fertigstellung 2010. Neubau-Kosten: 1176 Euro/Quadratmeter.
Architektur: Eine Kooperation von Architekt Michael Homann & WG3. WG3 ist eine junge Grazer Architektengruppe, die aus dem Bereich Möbeldesign und Tischlerei kommt.



















