Voller Energie
Die Familie Stegmüller-Lang hat vor 12 Jahren in Graz das erste Plusenergiehaus Österreichs gebaut. Von gestern ist es noch lange nicht.

Foto © GubischSüdseitig liegt der Solarflügel, den Westflügel prägt der Landhausstil
Den Traum von einem sündteuren Urlaub oder einem beeindruckenden Luxusschlitten vor der Haustür mögen andere haben. Reinhold Lang und seine Frau Sabine hatten stattdessen den Traum von einem Zuhause für eine Familie mit drei Kindern, das mehr kann als ein Passivhaus. Und das zu einem Zeitpunkt, als es dafür noch gar kein richtiges Wort gab.
Solares Landhaus
Der einzige Luxus, den die zwei sich unbedingt leisten wollten: ein Maximum an Ökologie, Energieeffizienz und Solararchitektur, die ihrer Zeit weit voraus war. "Wir wollten ein solares Landhaus, das mehr Energie produziert, als es verbraucht", sagt die Hausherrin. Ihren Mann reizte als Kunststofftechniker freilich auch das Experiment. "Um das Ziel eines energieautarken Gebäudes zu erreichen, mussten verschiedene Technologien erst entwickelt bzw. verfeinert werden", erklärt Heribert Hegedys vom Planungsbüro Hegedys-Ull, das das Projekt mit dem Hausherrn verwirklichte. "Meine Frau sagte damals oft: ,Aus unserem Heim wird nun doch allmählich ein Forschungsprojekt'", erinnert sich Reinhold Lang.
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Foto vergrößernDer Wartungsaufwand ist nicht höher als in einem konventionellen HausFoto © Privat
Die thermischen Solarkollektoren waren die kleinste Herausforderung. Bei der 110 m2 großen Fotovoltaikanlage sah es schon anders aus. "Erstens war diese Dimension für ein Einfamilienhaus damals einzigartig, zweitens sollten die Module aus ökologischen Gründen frei von Alurahmen sein. Dazu bedurfte es einer langen Recherche", sagt Hegedys. Rund 750.000 Schilling wurden 1999 in die Anlage investiert, der Strom wird ins Netz eingespeist. "Für uns rechnet sich das nicht mehr, das war auch nie das Ziel - aber die nötigen Leitungen in die Garage sind gelegt, um ein Elektro-Leichtfahrzeug damit speisen zu können, sobald es die nötigen Akkus gibt", sagt die Hausherrin. Die Anlage läuft seit der Inbetriebnahme völlig reibungslos und wartungsfrei.
Extra entwickelt
Neues Terrain betrat die Familie schließlich mit der transparenten Wärmedämmung (TWD) an der Südfassade des Hauses. Neben der passiven Energienutzung über die Fensterflächen, der thermischen Solaranlage und Fotovoltaik ist das die vierte Art, wie die Familie von der Sonne profitiert. Eine Art Wabensystem aus Zellulose-Kunststoff vor einer schwarz gefärbten Betonziegelwand leitet die Wärme von außen ins Hausinnere und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zur Verringerung der Heizlast des Hauses. Hegedys: "Das System wurde damals unter Leitung des Bauherrn am Institut für Kunststofftechnik des Joanneum Research entwickelt und ist bis heute das effizienteste, das es in Sachen TWD gibt."
Die Haustechnik funktioniert also reibungslos. Aber lebt man hier auch ganz entspannt? "Das war meine größte Sorge - bei der vielen Technik und den großen Glasflächen", sagt die Hausherrin. Die Lösung war eine Zweiteilung des Hauses in einen nach Süden gerichteten "Solartrakt" und einen im Landhausstil gehaltenen Westflügel. Dazu noch jede Menge Holz im Innenraum. "Es hat sich alles bewährt", schwärmen die Bewohner.
Features
Das Projekt
350 m2 großes Wohnhaus, Energiekennzahl: 18 kWh/m2a. Mischbauweise mit massivem Kern. Planungs- und Bauzeit: 1996 bis 1999.
Heizung: Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung aus Abluft, neuerdings Kleinstkachelofen als Komfortelement. Teilweise Fußboden- und Wandheizung. Diese (und die Warmwasserbereitung) wird mit den thermischen Sonnenkollektoren (2,1 m3 Pufferspeicher) und einer 1,2 kW Wärmepumpe als Ergänzungsheizung betrieben. Zirka 35 m2 spezielle transparente Wärmedämmung (das System ging bisher nicht in Serie), 110 m2 Fotovoltaik.
Planungsbüro: Hegedys-Ull, Mitterlaßnitzberg 31, 8302 Nestelbach bei Graz, Tel. (0 31 33) 92 900.


















