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Zuletzt aktualisiert: 11.08.2010 um 12:22 UhrKommentare

In alter Frische

Ein rund 200 Jahre altes Gerberhaus im steirischen Frohnleiten wurde durch eine Revitalisierung zum Wohnraum mit besonderem Charme. Wenn Denkmalschutz mehr als Fassade ist.

Die Fassade des Gerberhauses nach der Sanierung

Foto © LIM ProjektentwicklungDie Fassade des Gerberhauses nach der Sanierung

Wir haben die Räume gesehen und gewusst: ,Das ist es'", sagt die Mieterin von Top 4. Sie schwärmt von den alten Tramen, dem Blick auf den Fluss - "dieser ganz speziellen Verbindung von Alt und Neu". Und das alles in einer neuen Wohnung, die weder riesige Fenster zu bieten hat noch einen Balkon oder gar eine Dachterrasse. Das ist der Kompromiss, den man bei denkmalgeschützter Substanz eingehen muss - der aber kein Problem ist, wie die Erfahrung von Baumeister Rudolf Leitner zeigt: "Wir haben das Objekt nie wirklich bewerben müssen, die Interessenten sind gleich nach Aufstellen der Bautafel gekommen."

Ihre Mietwohnung hätte sie seit ihrem Einzug schon x-mal weitergeben können, sagt die Bewohnerin - auch wenn sich ihr Mann in der Dachschräge an den Holzbalken vor den winzigen Fenstern, von denen jedes einzelne eine Maßanfertigung ist, schon oft genug den Kopf gestoßen hat.

Biberschwanzziegel

Das Besondere an diesem Haus, dem man es so bereitwillig nachsieht, dass es nicht alle Stückerln komfortablen Wohnbaus spielt: Es ist ein altes Gerberhaus, errichtet Ende des 18. Jahrhunderts - mit den für diese Art von Gebäude so charakteristischen Gaupenbändern, die das Dach zweizeilig durchschneiden. "Die alte Zimmermannskonstruktion ist erhalten geblieben, ebenso wie der liegende Dachstuhl und die roten Biberschwanzdachziegel", erzählt Leitner von dem Gebäude, in das er sich schon vor 35 Jahren verliebt hat und bei dem er nicht Nein sagen konnte, als es vor zwei Jahren zum Verkauf stand.

Fünf Wohnungem

"Im Erdgeschoss war zuletzt noch ein Geschäft, Dach und Keller waren nicht ausgebaut, alles war dem Verfall preisgegeben." Leitners Know-how aus mittlerweile 500 Revitalisierungsprojekten gepaart mit Mitteln der steirischen Wohnbauförderung und eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz machten es möglich: Das Objekt wurde vorbildlich saniert und gleichzeitig zum Wohnhaus für fünf Parteien gemacht. Die Gerbergaupen blieben erhalten, die alten horizontal klappbaren Holzläden dienen jetzt als Sonnenschutz. Auch die ovalen Fensteröffnungen an den Giebelwänden entsprechen dem Originalzustand, wurden lediglich verglast. Tischlerhandarbeit ist die Wiederherstellung der braunen Kastenfenster zu verdanken. Für die Fassade wurde selbstredend Glättputz gewählt.

Fotoserie: Sanierung eines alten Gerberhauses

Ein besonderes Schmankerl bietet das Untergeschoss, in dem man das alte Ziegelgewölbe erst freilegen musste. Nach aufwendigen Trockenlegungsarbeiten bietet sich hier, wo einst Gerberbottiche gelagert wurden, der ideale Platz für ein Atelier.

DANIELA BACHAL

Was & Wer

Prämiert. Das Projekt "Gerberhaus Frohnleiten" wurde vom Land Steiermark unlängst mit dem Prädikat "Beispielhafter Wohnbau 2010" ausgezeichnet.

Projekt. Umsetzung in Form eines sogenannten Bauherrenmodells durch die "Projekt Gerberhaus Frohnleiten - LIM Projektentwicklungs GmbH & Ko KG".
Planung: Baumeister Rudolf Leitner.

Umbau. Die fünf neuen Mietwohnungen (60 bis 90 m2) wurden im November 2009 fertiggestellt. Gesamtnutzfläche des Gebäudes: 373 m2, Energiekennzahl: 62 (alt: 118).

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