Zu neuem Leben erwacht
Vom modernen Loft- und Lebensgefühl in alter Bausubstanz. Der Wiener Architekt Alberto Bach hat ein Kellerstöckl in der Südsteiermark aus dem Dornröschenschlaf erweckt.

Foto © Manfred SeidlFür den Schlafraum wurde eine zweite Ebene in den offenen Wohnraum eingezogen, in die ein dritter "Glaserker" eingesetzt wurde
Ein malerisches Kellerstöckl mitten in den Weinbergen. Der Traum vieler Städter, die zumindest am Wochenende Sehnsucht nach Erdung haben. Ein erfolgreicher steirischer IT-Spezialist war einer von ihnen. Er wollte zumindest nach Feierabend "Natur pur, weg von der Stadt, weg vom Kapitalismus", wie er sagt. Als sich vor ein paar Jahren bei einer Zwangsversteigerung ein Gehöft in der Südsteiermark anbot, griff er zu - nicht zuletzt wegen des Kellerstöckls, das da ganz allein im Weingarten stand.
Rustikal-Optik
Das etwa 200 Jahre alte Gebäude hatte freilich schon bessere Zeiten erlebt. "Als ich es gekauft habe, haben sich darin nur die Ratten wohlgefühlt", erinnert sich der IT-Spezialist an das leer stehende Presshaus mit Verkostungsstüberl in Rustikal-Resopal-Optik aus den 1970ern. Die Vorbesitzer hatten den Bau schönbrunnergelb verputzt, die Fensteröffnungen vergrößert, die Hauskante rechts über der Kellertür abgeschrägt und einen Beton-Eckbalkon mit verschnörkeltem Geländer einbaut. Alles in allem weit entfernt von den Wohnträumen des Bauherrn, die viel mit modernem Wohnen in alter Substanz zu tun haben.
Spannungsfeld
An dieser Stelle übernimmt Alberto Bach, Wiener Architekt mit steirischen Wurzeln und einem Faible für das Spannungsfeld Alt-Neu. Sein Auftrag: mit Feingefühl ein modernes Haus für zwei zu schaffen. Als einer, der für die historisierende Fraktion nichts übrig hat, hielt sich Bach dabei an die Devise: Alt ist alt und neu ist neu - wird also nicht auf alt getrimmt. Zuerst wurde unter dem gelben Spritzwurf mit den weißen Faschen das originale Kellerstöckl freigelegt. Über dem alten Kellergewölbe wurde das Haus ausgehöhlt - für ein modernes Loftgefühl mit maximaler Einbeziehung des Außenraums.
Im abgeschrägten Eck baute der Architekt die Original-Hauskante mit Glas nach. Statt des winzigen Betonbalkons zieht sich jetzt eine auf drei Meter lange Stahlschwerter gelegte Holzterrasse u-förmig ums Haus - stützenfrei. Elegant und scheinbar schwebend auch die Betontreppe, die außen vom Wohngeschoss zum Keller führt. Um ausreichend Licht für modernes Loft- und Lebensgefühl ins Haus zu holen, wurden beide Giebelfronten verglast. In der Außenansicht sind Bachs moderne Glaserker unter dem Dach je zwei saubere Dreiecke - eine optische Beruhigung. Die Lüftungstür wurde seitlich angebracht.
Voller Durchblick
Das Spiel mit Stahl, Glas und geometrischen Formen, setzt sich im Innenraum fort. Für den Schlafraum wurde eine Zwischenebene eingezogen, zu der eine Treppe führt, die den Bewohner in Glaserker Nummer drei bringt. Von der Schlafstatt aus hat man den vollen Durchblick - mitten in den Weingarten in den Wohnraum hinein.
Features
Fotoserie
Das Projekt
Nach den Umbauarbeiten 2007, die sieben Monate gedauert haben, bietet das Gebäude rund 120 Quadratmeter Wohnfläche plus 70 Quadratmeter Keller. Das Gewölbe wurde hier nur ausgebessert und sandgestrahlt. Dachdeckung mit Ziegeln in der traditionellen Form. Die graue Fassadenfarbe entspricht in etwa dem Originalzustand. Geheizt wird das Gebäude mit der Gasheizung des Haupthauses. Das Gebäude wird als Wochenend- bzw. Gästehaus genutzt.
Foto
Architekt Alberto BachFoto © Bach
Die Planung
Architektur- und Designbüro Albertoni, Alberto Bach, Porzellangasse 49, 1090 Wien, Tel. (01) 319 15 29


















