Alles im Fluss
Auf der Suche nach einem persönlichen Kraftort, der die eigenen Batterien auflädt - ohne Energie zu verschwenden.

Foto © Stuhlhofer/WolfSogar ein Schwimmbad ist als Passivhaus machbar
Einfach einzuordnen waren sie nie, Birgit Singer und ihr Mann Martin Povoden: Bis zum dritten Kind kam die Familie ohne Auto aus, danach waren sie eine der Ersten, die Car-Sharing betrieben haben. Heute haben sie zwar ein Auto, neben diesem parken aber sechs Fahrräder, auf denen pro Jahr mindestens 4000 km zurückgelegt werden. Das Auto hat meist Pause. Für "faule Tage" gibt's ja Bus und Bim. Selbst in den Schiurlaub fährt die sechsköpfige Familie mit dem Zug. Das Geschirr wird mit der Hand gespült, weil Birgit Singer auf diese Weise immer noch weniger Wasser verbraucht als die sparsamste Spülmaschine. "Ich hab's nachgemessen", sagt sie. Die Wäsche wird von hell bis dunkel mit einer Lauge durchgewaschen, die die Hausherrin dazwischen immer wieder aus der Maschine abschöpft. Müll fällt im Hause Povoden-Singer so gut wie keiner an, weil er erst gar nicht nach Hause transportiert wird.
Wie bitte baut man für so eine Familie ein Haus, das zeitgemäß ist, sich aber auch mit dem speziellen Lebensstil verträgt? Die Antwort: mit Geduld.
Grundlagen-Forschung. Das Grundstück an einem Hang an der Grazer Peripherie hatte die Familie bereits sieben Jahre lang und ein paar Erfahrungen mit Planern - die, sagen wir es einmal so: nicht so richtig auf die Bedürfnisse ihrer Auftraggeber eingehen konnten - hatten die sechs auch schon gemacht: Da trafen sie auf den Baubiologen Heribert Hegedys. Dieser löcherte Mutter, Vater und Kinder zwei Monate lang mit Fragen wie: Wann stehen sie auf? Wer kocht? Wann kommt wer nach Hause und welche Hobbys hat ein jeder? Nach Abklärung der Bedürfnisse aller Bewohner war der Hausplan faktisch fertig. Im Juni 2007 wurde mit dem Bau begonnen, im September 2008 zog die Familie ein. Und alle sind begeistert.
Passivhaus. Geworden ist das Ganze ein betont einfaches Passivhaus, das den strengsten Kriterien der Baubiologie standhält: unbehandeltes Holz, Dämmstoffe aus Zellulose, Flachs und Hanf, Lehmputz, keine PU-Schäumungen, kein PVC und Regenwassernutzung für WC, Waschmaschine und Garten - Solaranlage am Dach und ein Pelletskessel. Soweit, so Passivhaus und noch nichts Besonderes - wäre da nicht das ganz spezielle Hobby der Hausherrin, das sich eigentlich gar nicht mit "öko" verträgt: Schwimmen im Hallenbad. Die Frage, die sich Hegedys hier zum ersten Mal stellte: Lässt sich eine Schwimmhalle als Passivhaus konzipieren? Nach einiger Tüftelei beweist der Hallenbad-Prototyp der Familie Singer-Povoden: Es geht sich auch bei einem 12 mal 5 m großen Becken aus, die Energiekosten niedrig zu halten.
Energierechnung. Konkret sieht die Energierechnung für 230 m2 Wohnhaus (plus 70 m2 Büro) und 120 m2 Schwimmhalle so aus: Die Pellets zum Dazuheizen kosten pro Monat 70 Euro, für (Öko-)Strom sind monatlich 150 Euro zu bezahlen - jeweils die Hälfte der Beträge fällt fürs Schwimmbad an.
Zum Vergleich: "Für unsere 85 Quadratmeter große Wohnung haben wir vorher pro Monat 50 Euro fürs Heizen und 80 Euro für den Strom bezahlt," sagt der Hausherr.
DANIELA BACHAL
Features
WAS & WER
Passivhaus in Holzbauweise mit Passivhaus-Hallenbad in Massivbauweise.
80 m2 Solaranlage kombiniert mit 6,7 m3 Energiespeicher.
Lüftungswärmerückgewinnung für Haus und Hallenbad, Pelletsheizung (1t / Jahr).
Planungsbüro Hegedys-Ull, Mitterlaßnitzberg 31, 8302 Nestelbach
Foto

Foto © Stuhlhofer/Wolf

















