Der wilde Gärtner
Die Welt braucht ein gutes Gartenmagazin, sagt Roland Düringer. Dafür gräbt er bei sich zu Hause gerade um.

Foto © Stuhlhofer/Wolf
Roland Düringer hat sich in Niederösterreich, in der Nähe von St. Pölten, einen Platz zum Leben ausgesucht, an dem es vor allem eines gibt: viel Natur. Wer hier mal schnell zum Italiener auf ein Eis will, hat Pech gehabt. Dafür gibt's andere Vorteile: etwa den Draht, den man hier ganz automatisch zur Natur bekommt. Gartenarbeit wird da schnell zur Leidenschaft.
Düringer privat.
Die Geschichte ist aber nicht, was der Düringer aus seinem Garten gemacht hat, sondern wie der Garten ihn verändert hat. Vom Garten kann man nämlich viel lernen: "Geduld, Gelassenheit und dass man Teil von etwas Großem ist. Ein Gärtner kann sich noch so viel wichtig machen, es hilft ihm nicht. Die Natur gehorcht anderen Gesetzen. Man lernt also auch, das Scheitern zu akzeptieren", erzählt der Hausherr. Gartenarbeit macht also weise. Bloß: Sexy ist sie nicht. "Garteln hat das Image, etwas für Weiber und alte Leute zu sein - kleinbürgerlich und spießig." Wie man das ändern könnte? "Die Welt braucht ein gutes Gartenmagazin", meint Düringer und denkt dabei an eine Fernsehsendung.
Ganz öffentlich.
"Nehmen Sie zum Beispiel die Koch-Sendung von Jamie Oliver", ist Düringers Vorschlag. "Kochen hat hier Sex, macht Spaß und ist ganz einfach. Damit haben sich plötzlich Leute an den Herd gestellt, die vorher nie auf die Idee gekommen wären."
Was der Welt also fehlt, ist ein "Jamie Oliver der Gartenkunst". Das Konzept für eine solche Sendung hat Düringer bereits in der Tasche, besser gesagt: in seinem Garten. Diesen hat er mittlerweile nämlich um 4000 Quadratmeter erweitert. Die perfekte Bühne für "den wilden Gärtner - das härteste Gartenmagazin der Welt", die neue Rolle, die sich Düringer selbst auf den Leib geschrieben hat. Verhandlungen mit dem ORF laufen seit einiger Zeit. Einstweilen hat Düringer schon
fleißig gebaggert, gegraben, gesät und gepflanzt. Angelegt hat er das Projekt als freie Improvisation - also ohne Landschaftsarchitekten. Mit einem Wissen, das er durch Zeitschriften und Bücher ("allein in Deutschland erscheinen jedes Jahr 200 neue Gartenbücher") und Nachfragen bei Profis allmählich bekommen hat. Der Rest ist ohnehin Probieren.
Bühne fürs Leben.
Das Resultat: Aus der im Februar des Vorjahres gepachteten Wiese des Bauern nebenan ist ein grünes Paradies geworden, das sich in mehrere Zonen unterteilt: Zuerst sind da die Hochbeete mit den Kräutern und dem Gemüse. "Mein kleiner Billa", nennt Düringer dieses Areal. "Morgens geh' ich einfach hierher, pflücke ein paar Kräuter, streich' mir ein Butterbrot und hab' ein herrliches Frühstück." Für den Nachtisch gibt's dann einen kleinen Naschgarten mit Beeren. Der Rest des Geländes sind zwei Teiche, eine Waldzone und mitten drin das "Wohnzimmer": ein Platz, auf dem es um Farben und Gerüche gehen wird und auf dem - bereit für den "wilden Gärtner" - ein ausrangierter Bus geparkt ist.
Einfaches Konzept.
Düringers Konzept ist einfach: Es
wird viel gepflanzt, was überlebt, gehört
hier her. Der Gärtner lässt die Natur
für sich arbeiten. Der große
Schwimmteich zum Beispiel, in den
der Hausherr hin und wieder zur Abkühlung
hineinköpfelt, ist einfach nur
ein Loch im Lehmboden, das mit Wasser
gefüllt wurde. Das Leben, das sich
mittlerweile darin tummelt, kam ganz
von selbst.
Einfach natürlich.
Gartengerät istMangelware bei Düringer.
Der "Benzinbruder" hat zwar 25
Autos in seiner Scheune geparkt, im
Garten braucht er aber keine PS – nur
die Hände und zwar ohne Handschuhe. Alles andere wär' wohl schlecht für
den Draht zur Natur. Freilich, einen
kleinen Bagger hat er sich schon angeschafft,
"bei den Teichen würd? ich
sonst ja heute noch graben", gibt er zu.
Aber sonst? "Unglaublich, was sich die
Leute da alles kaufen! Man braucht
doch nichts als einen Spaten, Haue,
Schaufel, Rechen, Scheibtruhe, Gartenschere und Sense." Und viel Arbeit
ist das auch nicht zwangsläufig.
Nehmen wir zum Beispiel den Gartenweg:
Den muss man nicht pflastern,
nicht einmal mähen. Dort, wo
man ihn haben will, trampelt man einfach
einen Pfad durch die Wiese.
"Funktioniert garantiert", sagt der
Jamie Oliver der Gartenkunst.
Features
Roland Düringer
...begann seine Karriere 1983 bei der österreichischen Kabarettgruppe "Schlabarett". 1994 spielte er sein erstes Solo-Kabarettprogramm "Hinterholz acht, 20 Jahre Abrechnung". Die Kinofassung des Programms war 1997 ein Megahit.
Weitere Erfolge: "Muttertag", "Freispiel", "Poppitz", "Die Viertelliterklasse", "MA 2412".















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