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Zuletzt aktualisiert: 05.10.2012 um 08:34 Uhr

"Die Zukunft ist grün"

Wie werden wir künftig wohnen und bauen? Wir befragten dazu Andreas Steinle, den Geschäftsführer der Zukunftsinstitut GmbH – Internationalen Gesellschaft für Zukunftsund Trendberatung in Kelkheim/Frankfurt.

Innenraumgärten bringen die Natur ins Haus und schaffen auch für Menschen, die das Gebäude nicht regelmäßig verlassen können, ein grünes Umfeld, wie hier im Altenheim Steinfeld

Foto © Christian ThenyInnenraumgärten bringen die Natur ins Haus und schaffen auch für Menschen, die das Gebäude nicht regelmäßig verlassen können, ein grünes Umfeld, wie hier im Altenheim Steinfeld

Wie wird sich die demografische Entwicklung – der Anteil der älteren Einwohner steigt rasant – auf Bau- und Wohnformen auswirken?

ANDREAS STEINLE: Der Megatrend Urbanisierung wird sich fortsetzen. Die ältere Generation bevorzugt kurze Wege zum kulturellen Angebot, zu medizinischen Dienstleistern, zu allem. Die Infrastruktur sollte entweder leicht zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein, wenn man nicht mehr Auto fahren will. Es wird auch verstärkt betreute Wohnformen geben, etwa in Form von Appartementkomplexen mit Pförtnerdiensten, wo man im unmittelbaren Umfeld verschiedene Dienstleistungen zukaufen kann.

Das heißt, die Landflucht wird sich weiter verstärken?

STEINLE: Die Landflucht wird weitergehen. Die Idylle, auf dem Land alt zu werden, hat sich abgenutzt. Dabei erleben nicht nur die Großstädte Zuwächse, sondern und vor allem die so genannten "Second Cities", mittlere oder kleinere Städte in der Nähe von Zentren, wie zum Bespiel St. Pölten. Aber die entlegenen Gebiete verlieren überall, in Österreich wie in Deutschland. Darüber hinaus habe ich in den Städten mehr Berufschancen und die Möglichkeit neue, bessere und besser bezahlte Jobs zu erreichen. Auch wenn ich technisch gesehen von überall arbeiten kann, die Kontakte um vorwärts zu kommen finde ich in den Städten.

Stichwort Klimawandel und Ressourcenknappheit – wird ökologisches Bauen in Zukunft eine Rolle spielen oder wird der Preis das Bauen diktieren?

STEINLE: Die Zukunft ist grün. Und die Lok fährt mit großer Geschwindigkeit Richtung Zukunft. Doch muss bei allem Ökologiezwang Wohnen bezahlbar bleiben. Daher wird wohl immer ein guter Mittelweg gefunden werden.

Wird das ökologische Bewusstsein steigen?

STEINLE: Das ökologische Bewusstsein steigt, aber nicht um jeden Preis. Bei der älter werdenden Gesellschaft spielt der gesundheitliche Aspekt eine große Rolle und unter ökologischem Wohnen wird auch gesundes Wohnen verstanden. Dazu gehört ein natürliches Wohnklima in einem naturorientierten, grünen Umfeld.

Wie verträgt sich das mit der Urbanisierung?

STEINLE: Das bedeutet, ein grünes Umfeld im urbanen Bereich zu schaffen. Dazu muss der vorhandene Platz intelligenter genutzt werden. Begrünte Dächer, Balkone, Terrassen, gestapelte oder vertikale Gärten bringen die Natur in den Wohnbereich. Eine weitere Möglichkeit sind Innenraumgärten, die den zusätzlichen Vorteil haben, die Klimaanlage zu ersetzen, für eine gesunde und natürliche Klimatisierung ohne Energieverbrauch zu sorgen.

Wird das Thema Energiesparen weiter interessant sein?

STEINLE: Ja, unbedingt. 40 Prozent des Energieaufwandes fließen in den Bereich Wohnen. Wenn wir hier nur kleine Mengen einsparen, haben wir viel für die Umwelt getan. Man kann auch mit einfachen Mitteln, die nichts oder wenig kosten, einiges erreichen. So macht es beispielsweise Sinn, in heißen Gegenden das Dach weiß zu halten, damit ein Gutteil der Sonnenstrahlen reflektiert und das Gebäude nicht aufgeheizt wird.

Welchen Stellenwert wird "das Heim" für die Menschen der Zukunft haben?

STEINLE: Die emotionale Bedeutung der eigenen vier Wände wird zunehmen. Sie werden noch stärker ein Zufluchtsort, wo die Seele auftankt, wo man seine Batterien wieder auflädt. Man möchte seine Wohnung als aktiven Gesundheitsort sehen. Daher wird in dieser Richtung viel geforscht. So gibt es Materialien, die Schadstoffe aus der Luft filtern. Auch der aktive Umgang mit Licht spielt eine Rolle. Lichttechnologie soll das Wohlbefinden steigern. Es wurden Leuchtmittel entwickelt, die sich der Umgebungshelligkeit automatisch anpassen und die Intensität ihrer Abstrahlung danach richten. Mit anderen Lichtsystemen wiederum kann man sein Wohnumfeld entsprechend seiner aktuellen Stimmung farblich gestalten.


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Foto © Zukunftsinstitut

Bild vergrößernAndreas Steinle betreut nationale wie internationale Kunden in Strategie- und Innovationsprozessen, ist als Referent auf Internationalen Kongressen tätig und hat mehrere einschlägige Studien sowie Bücher veröffentlichtFoto © Zukunftsinstitut

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Foto © Pixelio/Gerhard Rolinger

Bild vergrößernMonaco, das auf einem Felsen liegt, hat nur wenig Platz zur Verfügung. Da werden Dächer für üppige Gärten genutztFoto © Pixelio/Gerhard Rolinger



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Foto: Oliver Wolf

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