Ökologisch wohnen auf der Sonnenseite
Heribert Hegedys und Romana Ull haben für eine Familie ein Haus geplant, das perfekt in einen alten Garten passt: Das schadstoffarme Passivhaus mit den großen Sonnenkollektoren ist einfach ein Platz zum Leben.

Foto © Oliver Wolf27 Quadratmeter Solarfassade im Obergeschoss, um die Sonnenenergie zu nutzen
Das Einfamilienhaus ist ein echtes Problemkind. Es trampelt rücksichtslos auf unserem ökologischen Gewissen herum, trotzdem lieben wir es. Dafür muss man sich nicht schämen. "Man muss sich nur die richtigen Fragen über Ökologie stellen", sagt der Baumeister und Baubiologe Heribert Hegedys. Und weil das praktische Beispiel immer besser ist als die Theorie, setzen wir unsere Baubetrachtung in einem "Garten mit Haus" am Grazer Stadtrand fort:
Zum Alt werden
"Auf diesem Flecken Erde wird man 100 Jahre alt", sagt der Bauherr mit dem Verweis auf die Vorbesitzerin des Grundstücks - "meine Großtante" - die tatsächlich so alt wurde. "Meine Frau und ich haben hier schon 15 Jahre lang den Garten betreut, bevor wir beschlossen, unser eigenes Haus auf diesem Grund zu bauen", erzählt er. Die Idee vom umweltfreundlichen, modernen Passivhaus war von Anfang an da, wenn auch noch recht vage.
"200 m2 Wohnfläche, kein Keller, automatische Be- und Entlüftung, Solaranlage, kein PVC, kein Zweikomponentenschaum, möglichst schadstofffreie Innenräume", zählt der Bauherr Einzelteile auf. Das große Ganze sollte das Planungsbüro Hegedys-Ull daraus machen. Die Hausbilder aus dem Internet, die die Familie dem Planer zur Orientierung vorlegte, wurden gleich beiseitegelegt.
"Statt der Hülle haben wir Räume geplant", beschreibt der Hausherr den Umlernprozess: "Wir wollten über unser Haus reden, stattdessen wurden wir stundenlang über unsere Lebensgewohnheiten befragt: Wie wir kochen, essen, schlafen, unsere Freizeit verbringen."
Das Resultat dieser Fragestunden ist ein kompaktes Gebäude aus zwei Würfeln, die sich ganz zum Garten hin orientieren. Unten wird gekocht, gegessen, gewohnt und (in einem kleinen Büro) gearbeitet. Oben sind die Ruhe- und Rückzugszonen und ein Badezimmer.
Guter Speicher
Wie sehr dieses Haus mit seiner Umwelt kommuniziert, lässt sich schon von der Außenseite ablesen: 26 Quadratmeter Sonnenkollektoren wurden gartenseitig in die Fassade des Obergeschoßes integriert. Die Ästhetik der Solararchitektur hat die Bewohner auf Anhieb fasziniert. Die Sonnenenergie sorgt für Warmwasser und einen Teil der Raumwärme. Was im Winter noch an Wärme fehlt, liefert der Stückholzofen, in den nur Schnittgut aus dem Garten kommt. Was im Winter gut wärmt, hält im Sommer kühl. "Wir hatten an den heißesten Tagen nicht mehr als 24 Grad im Haus", sagt der Bauherr. Möglich machen das in erster Linie die 24 cm starke Wärmedämmung aus Kalziumsilikat (36 cm auf dem Dach), Ziegel als Speichermasse und der alte Baumbestand.
Wie schön lebendig Speichermasse sein kann, beweist übrigens die Aquariumwand im Wohnzimmer, in der sich bunte Barsche aus dem Malawisee tummeln. Um den Wohnraum bei den Reinigungsarbeiten des 250 cm breiten Beckens mit jeweils 80 cm Tiefe und Höhe nicht zu fluten, wurde hinter dem Aquarium ein kleiner Arbeitsraum eingeplant.
Man ahnt es schon: Wer hier wohnt, will nicht fort. Und da sind wir wieder beim ökologischen Fußabdruck. Autofahrten und Flüge, nur um wegzukommen, die spart man sich hier.
Features
Fotoserie
Was & Wer
Errichtet 2006. Energiekennzahl: 23 kWh/m2. Baukosten damals 1700 Euro/m2, heute wären es laut Planer 2500 - 2800 Euro/m2.
Planung: Hegedys-Ull Gebäude- und Naturraumprojektierung GmbH in Nestelbach bei Graz.


















