Wohne dich glücklich!
Unsere Wohnung und ihr Umfeld beeinflussen unser gesamtes Leben - nicht immer sofort erkennbar, aber doch unbewusst und manchmal schleichend. Die Wohnpsychologie kann dabei helfen, sich in den eigenen vier Wänden noch wohler zu fühler und einen gesunden Lebensraum zu schaffen.

Foto © Patrizia Tilly - Fotolia.comJe mehr Leute zusammen wohnen, desto stärker muss auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingegangen werden, damit sich alle wohl fühlen
Ökologie, Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein: Diese Begriffe waren vor 30 Jahren noch unbekannt oder unwichtig. Heutzutage sind sie in den Einstellungen der Menschen verankert und viele richten ihr Leben danach aus. So ähnlich ist es mit der Psychologie: Es gibt nur mehr wenige, die meinen, man wäre ein Fall für die Klapsmühle, wenn man einen Psychologen konsultiert. Doch dass die Psychologie auch beim Wohnen eine Rolle spielen könnte, ist noch weitgehend unbekannt. Dabei ist es doch so logisch, dass das Umfeld, in dem man sich täglich aufhält, wichtig für die Gesundheit ist - und zwar nicht nur in punkto Geruchs- oder Schadstoffbelastung, die messbar sind, sondern auch für die Psyche.
Der Wohnpsychologe im Interview
Sie fühlen sich abgeschlagen, gereizt, unzufrieden, ohne zu wissen, warum? Natürlich kann das ganz verschiedene Ursachen haben, aber eine davon kann auch im persönlichen Lebensraum des Menschen liegen. Hat dieser negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden? Fühlt man sich - wenn auch nur unterbewusst - in den eigenen vier Wänden nicht wohl, kann das dazu führen, dass man länger arbeitet, um weniger zu Hause zu sein. Oder es gibt Konflikte in der Familie, wenn die Bedürfnisse der einzelnen Mitbewohner nicht erfüllt werden oder es nicht genug Rückzugsmöglichkeiten oder persönliche Bereiche gibt.
Gesundheits-Check
Der Grazer Wohnpsychologe Harald Deinsberger-Deinsweger beschäftigt sich seit gut 15 Jahren auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Thema Wohnpsychologie. Er hat eine Methodik entwickelt, die er als "Gesundheits-Check" für die eigene Wohnung bezeichnet. Dabei werden Häuser und Wohnungen in Bezug auf ihre Wohnqualität durchleuchtet. Doch es muss sich niemand fürchten, etwas "falsch gemacht" zu haben. "Jeder Lebensraum ist streng individuell und muss auch anders aussehen. Es gibt nicht DIE perfekte Wohnung, die zu allen passt, sondern jeder muss seinen eigenen Stil einbringen, damit er sich wohl fühlt. Aber ich kann dem Besitzer helfen, dem eigenen Gefühl auf die Spur zu kommen", sagt Deinsberger-Deinsweger.
Außerdem ist das Einbeziehen des Umfeldes ein wichtiges Thema, auf das häufig vergessen wird. Wenn man irgendwie kann, sollte man mit Hilfe von Balkon, Terrasse oder Garten den Wahrnehmungsraum nach außen erweitern. Große Glasflächen bieten Aussichten und Anblicke, die man ganz ohne innen extra zu dekorieren, erreichen kann. Ist die Aussicht nicht so schön, können auch Pflanzen auf der Fensterbank bunte Nahrung für die Sinne bieten.
Je mehr man sich in den eigenen vier Wänden aufhält, desto stärker ist der Einfluss, den der Lebensraum auf die Bewohner hat. Kommt der Wohnpsychologe ins Haus, ist ein wenig Umgestaltungswille Voraussetzung, denn es wird meist nicht reichen, nur ein paar Bilder umzuhängen. Sicher ist aber auch, dass mit ein wenig Veränderung eine Wohnung oder ein Haus für alle Bewohner lebenswerter werden können.
Features
Der Wohnpsychologe im Interview
Zur Person
Dr. DI Arch. Harald Deinsberger-Deinsweger hat in Graz Architektur studiert und aufbauend darauf das fachübergreifende Doktorratstudium Psychologie und Wohnbau absolviert. Nun gibt er seit einigen Jahren Seminare und hat Lehraufträge an der TU Graz, der FH Kärnten und der Österreichischen Akademie für Psychologie in Wien. Außerdem ist er ausgebildeter Baubiologe, wo es darum geht, gesunde Baumaterialien zu verwenden und wie man ein gesundes Raumklima schafft.
Der gebürtige Wolfsberger lebt seit dem Studium in Graz, ist 44 Jahre alt und Vater einer vierjährigen Tochter.


















