Händisch Lüften war gestern
Wie kann ein luftdicht abgeschlossener Wohnraum gesund sein? Die kontrollierte Wohnraumlüftung macht es möglich. Wo ihre Vor- und Nachteile liegen und wie sie auch immer besser mit Altbauten harmoniert. Von Barbara Jauk

Foto © Fotolia: Wilm-Ihlenfeld
Horrende Energiekosten und Umweltschutzgedanken veranlassen viele Eigentümer ihre Häuser und Wohnungen zu sanieren - Fassadenwärmedämmung und neue Fenster inklusive. Die Crux dabei: (Luft-)dichte Gebäude können nicht mehr "atmen". Schimmelbildung ist die Folge. Der Einbau einer kontrollierten Wohnraumlüftung kann dem vorbeugen.
"Passivhäuser kommen ohnehin nicht ohne eine kontrollierte Wohnraumlüftung aus", weiß Ingrid Mayrhofer vom LandesEnergieVerein Steiermark. Aber auch bei Altbauten und anderen Häusern jüngeren Datums kann die Nachrüstung mit einer kontrollierten Wohnraumlüftung (KWL) Energie sparen und somit Kosten senken helfen. Unterstützt werden solche Sanierungen auch vom Land Steiermark. "Meist werden sie im Zuge einer größeren Sanierung durchgeführt, alleine sind sie selten", erklärt Heribert Kaiser von der Abteilung Wohnbauförderung des Landes Steiermark. Allerdings wird nur jene Form der KWL mit Wärmerückgewinnung gefördert. "Der Einbau ist nur dann sinnvoll, wenn zugleich eine Wärmedämmung des Hauses vorgenommen wird“, gibt Kaiser zu bedenken. Der monetäre Vorteil liegt auf der Hand: Die Energiekennzahl des Objektes wird gesenkt, der Wert desselben gesteigert.
KLW für Altbauten nach Sanierungen
"Bei Sanierungen von Altbauten ist die Verwendung von Passivhauskomponenten empfehlenswert", weiß auch der Passivhausspezialist Hartwig Steinwender. "Da man jedoch mit den individuell vorgegebenen Konstruktionen arbeiten muss, ist jede Lösung auch individuell auf den Bestand auszurichten und bauphysikalisch auszulegen." Verändert man beispielsweise durch den Einbau von neuen Fenstern die Dichtheit der Hülle, muss die für den Bewohner behagliche Raumatmosphäre über zusätzliche Lüftung bereitgestellt werden. Fazit: Eine kontrollierte Wohnraumlüftung für "luftdicht" sanierte Altbauten wird unumgänglich. Nachgerüstet werden können Altbauten mit zentralen oder dezentralen Geräten inklusive Wärmerückgewinnung. Diese sorgen einerseits 24 Stunden am Tag für frisch gefilterte Luft, andererseits wird die warme Abluft in den Energiekreislauf der Wohnung zurückgeführt. Dadurch können die Energiekosten gesenkt werden.
Was spricht dafür, was dagegen?
Energiesparfaktor und Wertsteigerung sprechen also für den Einbau einer KWL (immer in Kombination mit Dämmmaßnahmen und Fenstersanierungen). Besonders geeignet erscheint diese auch für Allergiker – egal ob im urbanen oder im ländlichen Raum, da Staub, Pollen, etc. großteils vom Filter zurückgehalten werden. Da man die Fenster zum Lüften nicht mehr aufmachen muss, bleiben auch Lärm, Insekten oder Geruchsbelästigungen von der Straße draußen.
Zu kalt zum Lüften? Gerade in den Wintermonaten scheuen sich viele davor, die Fenster zu öffnen. Stickige Luft, die zu gesundheitlichen Belastungen wie Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schlafproblemen oder Müdigkeit führen kann, ist die Folge. Mit KWL wird diesem Problem ein Schnippchen geschlagen. Einen Nachteil gibt es allerdings auch hier, nämlich trockene Luft. "Im luftgeheizten Passivhaus wird diesem Problem durch Feuchteanreicherung der Luft, mit Hilfe von Pflanzen, Verdunstungsbrunnen und selbstregulierenden Oberflächenmaterialien wie zum Beispiel Lehmputzen entgegengewirkt", so Steinwender. Bei KWL-Anlagen, die nur den hygienischen Luftwechsel bewerkstelligen, sei die Austrocknung wegen des geringeren Luftdurchlaufes vernachlässigbar.
Wie dicht ist mein Haus?
Mit dem Blower-Door-Test (Differenzdrcuk-Messverfahren) wird die Luftdichtheit eines Gebäudes gemessen. Damit können Lecks in der Hülle bzw. die Luftwechselrate bestimmt werden. Durch Druckdifferenzen wird eine konstante Windlast auf das zu messende Gebäude simuliert.
Quelle: Wikipedia
Features
Was ist eine kontrollierte Wohnraumlüftung? (KWL)
Die kontrollierte Wohnraumlüftung dient der Sicherstellung der notwendigen Frischluftzufuhr in Wohnungen. Die Wärme der verbrauchten Luft wird dabei mit Hilfe eines Wärmetauschers an die frische Zuluft übertragen. Bei modernen Geräten können bis zu 85 Prozent der Wärme zurückgewonnen werden. Energie wird gespart. Der Luftaustausch erfolgt vollkommen automatisch. Lüften per Hand ist nicht mehr nötig.
Bei Passivhäusern ist der Einbau einer kontrollierten Wohnraumlüftung ein Muss. Bei Niedrigenergiehäusern kann durch den Einbau einer entsprechenden Anlage die Energiekennzahl deutlich gesenkt werden.
Passivhäuser
Passivhäuser zeichnen sich dadurch aus, dass sie bis circa 130m² Nutzfläche rein über eine kontrollierte Wohnraumbelüftung "geheizt" werden können. Möglich wird das einerseits durch eine luftdichte Hülle, die über einen Blower Door Test(=Luftdichteprüfung) geprüft wird, andererseits über hochgedämmte Außenbauteile wie Wände, Dach bzw. obere Geschoßdecke, Bodenplattendämmung bzw. Dämmung der Decke gegen Keller und passivhaustaugliche Fenster und Türen.
Energiekennzahl
Die Energiekennzahl ist der gebräuchlichste Vergleichswert, um die thermische Qualität der Gebäudehülle zu beschreiben. Sie sagt aus, wieviel Energie Sie pro Quadratmeter Fläche im Jahr benötigen und wird in kWh/m².a angegeben. Diese Kennzahl kann leicht in Euro/m² umgerechnet werden, weil man den Preis einer kWh kennt. Die Energiekennzahl wird von der Gebäudehülle bestimmt.
Quelle: www.energiesparhaus.at
Wissenswertes
Ein Erwachsener braucht je nach Aktivität zwischen 20 und 75 Kubikmeter Luft in der Stunde damit sein Körper optimal funktioniert.

















