Das kleine Glück im gemeinsamen Garten
Urbanes Garteln: Die Stadtgemeinde Kapfenberg, die Gärtnerei Schlemmer und Architekturstudenten der TU Graz suchen Hobbygärtner - für einen Garten in bester Innenstadtlage.

Foto © CHRISTINE ROISStadtbaudirektorin Sabine Christian (l.) und Peter Vogl (r.) hatten die Idee, auf den Gründen von Robert Schlemmer (M.) entstehen die Gärten
Wenn die Kapfenberger Stadtbaudirektorin Sabine Christian und Gemeinderat Peter Vogl über ihr Projekt "urban gardening" erzählen, sind sie in ihrer Begeisterung kaum mehr zu bremsen. "Urban gardening", auf gut deutsch "Garteln im innerstädtischen Bereich", ist zwar nicht ihre Erfindung - in amerikanischen Großstädten gibt es diese Form der Nutzung von öffentlichen Flächen oft - aber in Österreich dürften die beiden zu den Pionieren zählen.
Den Anstoß dazu lieferte Franz Matauschek, der mit Robert Schlemmer befreundet ist, der wiederum für seine Gärtnerei Anbauflächen und Glashäuser verkleinert. Die nicht mehr genutzten Flächen stellt er jetzt der Stadt zur Verfügung. Quer durch alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen werden jetzt Menschen gesucht, die gegen ein geringes Entgelt diese Flächen nutzen möchten.
"Wir wissen, dass es viele gibt, die gerne ihr eigenes Gemüse oder ihre Blumen anbauen wollen, aber keine Möglichkeit dazu haben", erzählt Christian. Die sollen sie jetzt bekommen: In Schrebergartenmanier mit einem Zaun oder gar einer Hecke um die eigenen Beete herum wird das gemeinsamen Gärtnern aber nicht ablaufen. "Urban gardening ist auch ein soziales Projekt", darauf legt auch Bürgermeisterin Brigitte Schwarz wert. Man setzt aufs Miteinander, soll miteinander arbeiten, ins Gespräch kommen und Erfahrungen austauschen.
Grillplatz und mehr
Vorgesehen sind auch Flächen für eine gemeinsame Nutzung, etwa ein Grillplatz. Auch an einen Beerengarten ist gedacht, und wenn alles gut läuft, könnte auch die benachbarte Bahnböschung einbezogen werden. "Mittelmeerkräuter dürften in dieser Hanglage ganz besonders gut wachsen", denkt Grün-Gemeinderat Vogl schon an duftenden Lavendel oder Rosmarin. "Das wär ein zusätzlicher Erfolg", pflichtet auch Christian bei, "da würde sich die Stadtgemeinde Kosten für das Freihalten der Böschung sparen".
Kritische Stimmen
Dass es bei all der Euphorie auch kritische Stimmen gibt, die das Projekt schon scheitern sehen, wissen die Initiatoren. "Aber was man nicht probiert, wird auch nichts", sind sie sich einig. Noch dazu wird das Ganze nicht dem Zufall überlassen, Architekturstudenten der TU Graz stehen zumindest in der Anfangsphase beratend zur Seite. Den Auftakt zu "urban gardening" gibt es am Valentinstag, da findet um 18 Uhr im Haus der Begegnung der erste Informationsabend statt.












