Singen die Vögel den Frühling herbei?
Frühaufsteher haben es in den letzten Tagen schon bemerkt: So still ist es in der Morgendämmerung in den Gärten nicht mehr. Verbreitet ist der Glaube, dass somit der Frühling nicht mehr weit sein kann.

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In der Tat war es Mitte Jänner vorübergehend frühlingshaft, aber auch jetzt bei erneut winterlichen Temperaturen verstummen manche Vögel nicht mehr. Verkünden sie uns wirklich den Frühling? Die Meteorologin Fabienne Muriset vom privaten Wetterdienst UBIMET geht der Sache auf den Grund.
Gerade für Stadtbewohner sind die ersten Gesänge der Vögel im Frühjahr ein Hoffnungszeichen – bald ist die dunkle Jahreszeit überstanden. Eine aus Inbrunst ihr Liedchen schmetternde Amsel Mitte Jänner, fröhlich zwitschernde Finken und Spatzen und zunehmend lauter werdende Meisen lassen uns hellhörig werden. Doch sind die Lebenszeichen unserer gefiederten Freunde wirklich ein Hinweis darauf, dass der Frühling nun Einzug hält?
Konzert
Wer Vögel über längere Zeit beobachtet oder etwa auf dem Land wohnt, wo man noch etwas näher an der Natur dran ist als in einer Stadt, lässt sich nicht so schnell beirren. So sind Meisen dafür bekannt, dass sie bereits ab Dezember anfangen, ihr Revier abzustecken. Gezwitscher von Finkenvögeln sind Kontaktrufe, die vor allem in größeren Scharen der Kommunikation dienen. Rotkehlchen, Zaunkönige und Wasseramseln singen sogar das ganze Jahr über, um ihre Futterplätze zu verteidigen.
Eine singende Amsel im Jänner mitten in der Stadt hingegen ist schon eher einer genaueren Betrachtung wert. Natürlicherweise ist die zunehmende Tageslänge im Frühjahr der Auslöser für die Vergrößerung der Hoden männlicher Singvögel. Die daraus folgenden Hormonschübe bringen das Männchen dazu, sein Revier zu markieren und lauthals um ein Weibchen zu werben. Untersuchungen an Vögeln in Städten und angrenzenden Wäldern haben ergeben, dass Vögel, die einer künstlichen Lichtquelle ausgesetzt sind, früher zu singen anfangen als ihre Artgenossen im dunkleren Wald. Zunehmender Vogelgesang im Winter ist in Städten also der menschlichen Beeinflussung zuzurechnen und keineswegs Anzeichen eines zeitigen Frühlingsbeginns.
Eher Klimatologen als Meteorologen
Eine milde Schönwetterperiode mitten im Winter kann Vögel durchaus dazu anregen, verstärkt durch Gesang auf sich aufmerksam zu machen. Wir Menschen dichten ihnen damit gerne Fähigkeiten an, das Wetter vorherzusagen. Fabienne Muriset, die auch aus beruflichem Interesse in ihrer Freizeit Vögel beobachtet, kommt aber zu einem anderen Schluss: "Vögel sind eher Klimatologen als Meteorologen. Sie passen sich über längere Zeiträume den sich verändernden Umweltbedingungen an."
So kehren Zugvögel bedingt durch die Klimaerwärmung früher aus ihren Winterquartieren zurück oder versuchen sogar die Überwinterung in Mitteleuropa. Dabei können sie von einem ungewöhnlich strengen Winter buchstäblich kalt erwischt werden. Wer trotzdem hier überlebt, fällt dann durch frühen Gesang auf – so wie gerade aktuell. In der Tat versprechen die Wetterkarten ab der zweiten Wochenhälfte eine deutliche Milderung. Ob sie jedoch von längerer Dauer ist, oder ob der Winter Ende Februar oder gar im März noch mal zuschlägt, wissen derzeit weder die Vögel noch die Wetterfrösche ganz genau.











