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Zuletzt aktualisiert: 13.12.2010 um 09:18 UhrKommentare

Schwefel macht stark

Die heimischen Böden sind schwefelarm, Pflanzen tut das nicht gut. Denn für ihr Immunsystem ist Schwefel, was Vitamin C für den Menschen ist.

Bernd Zechmann füttert die Tabakpflanzen mit Schwefel

Foto © Gernot EderBernd Zechmann füttert die Tabakpflanzen mit Schwefel

In den 1970er Jahren hat eine neue Ära begonnen, die Zeit der entschwefelten Heizöle und Treibstoffe. Schluss mit saurem Regen, Schluss mit übersäuerten Böden - ein Segen für die Pflanzenwelt? Trugschluss! Denn Schwefel ist ein essenzieller Bestandteil für das Pflanzenwachstum, und auch für die Widerstandsfähigkeit von Pflanzen, wie der Grazer Pflanzenwissenschaftler Bernd Zechmann nun entschlüsselte.

Durch die Entschwefelung von Heiz- und Treibstoffen ist unser Boden ein schwefelarmer geworden: Von einstmals 100 Kilogramm hat sich der Schwefelgehalt im Boden auf 10 bis 20 Kilogramm pro Hektar und Jahr reduziert. "Für ein gesundes Pflanzenwachstum ist das zu wenig", weiß Zechmann, und beschreibt: "Getreide braucht 30 Kilogramm, Raps sogar 60 Kilo pro Hektar."

In der Landwirtschaft ist bekannt, dass Nutzpflanzen auf schwefelarmen Böden schlecht wachsen. Deshalb wir dort mit Schwefel, in Form von Kunstdünger oder Gülle, gedüngt. Zechmann und sein Forscherteam haben nun in zweijähriger Arbeit entschlüsselt, dass Schwefel auch das pflanzliche Immunsystem stärkt und somit zentral für die Bekämpfung von Viruserkrankung ist.

Glutathion lautet hier das Schlüsselwort: ein Stoff, der für die Pflanze so wirkt, wie Vitamin C für den menschlichen Körper. "Glutathion bindet Schwermetalle und entgiftet", erklärt Zechmann die Bedeutung für den Pflanzenhaushalt. Außerdem aktiviert es Abwehr-Gene, die Krankheiten bekämpfen. Und für die Produktion dieses Abwehr-Verstärkers Glutathion braucht die Pflanze vor allem Schwefel: "Je mehr Schwefel, desto gesünder ist die Pflanze", bringt Zechmann seine Erkenntnisse auf einen einfachen Nenner.

Schwefelfütterung

Belegt hat er das in der Untersuchung von zwei Gruppen von Tabakpflanzen: Eine Gruppe wurde mit Schwefel gefüttert, die andere auf Schwefelentzug gesetzt. Alle Tabakpflanzen wurden dann mit einem Virus infiziert, und es zeigte sich: "Die Pflanzen, die Schwefel bekamen, hatten viel weniger Symptome und aktivierten stärkere Abwehrgene als die Vergleichsgruppe", sagt Zechmann. Die ausreichende Versorgung mit Schwefel ist somit essenziell für die pflanzlichen Abwehrkräfte, oder anders gesagt: Schwefel macht Pflanzen stark.

SONJA SAURUGGER

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