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Zuletzt aktualisiert: 08.10.2010 um 18:21 Uhr

"Bilder müssen Stimmungen vermitteln!"

Fotograf Paul Ott ist gefesselt von Architektur und (ent)fesselt in seinen Bildern Emotionen. Ein Interview über seine eigenen Zugänge zu den Dingen.

Paul Ott : "Ich nehme mir einen kurzen Moment aus dem Leben eines Gebäudes

Foto © Paul Ott : "Ich nehme mir einen kurzen Moment aus dem Leben eines Gebäudes

Architektur und ihre Wahrnehmung erleben wir heute mehr und mehr von Bildern. Gebäude werden bekannt, ohne dass man sie wirklich gesehen hat. Was kann Architekturfotografie?
PAUL OTT: Architekturfotografie reduziert etwas Dreidimensionales auf Zweidimensionales und lässt die Gebäude in den Köpfen des Betrachters wieder entstehen. Es geht nicht nur darum, Architektur abzubilden, es muss gelingen, die Stimmung und Emotion, die man als Fotograf dort hat, wiederzugeben. Mir ist wichtig, den Bezug eines Gebäudes zu seiner Umgebung zu zeigen und wie es genutzt wird. Darum habe ich es gerne, wenn Menschen auf demFoto sind und auch nicht alles total clean aufgeräumt ist.

Und was kann Architekturfotografie nicht?
OTT: Aus schlechter Architektur gute machen.

Wie gehen Sie an eine neue Arbeit heran?
OTT: Vorweg spreche ich mit dem Architekten, schaue mir Bilder und Pläne an. Dann ist es vor Ort in erster Linie eine nüchterne Analyse von Oberflächen, Formen, Proportionen, Kontexten usw. Je mehr Zeit ich dort verbring, desto mehr beginne ich die Stimmung zu spüren, die die Architektur entstehen lässt und nehme mir Bild für Bild einen kleinen Teil der Wahrnehmung heraus.

Was weiß ein Architekturfotograf von Architektur? Wie sehr muss er im Thema sein?
OTT: Voraussetzung ist natürlich eine gewisse Affinität mit dem Thema, sonst schafft man es nicht. Jedoch braucht man weder ein Architektur- noch ein Kunstgeschichtestudium. Im Gegenteil, ein gewisser Abstand kann durchaus auch von Vorteil sein.

Was ist ein gelungenes, was ein misslungenes Architekturfoto?
OTT: Für mich ist ein Architekturfoto gelungen, wenn es eine Aussage hat, zu fesseln vermag und Stimmung vermittelt. Es hat aber auch einen dokumentarischen Charakter, wo der Wahrheitsgehalt von Formen, Materialien und Proportionen stimmen muss. Aggressive Bilder, die im ersten Augenblick beeindrucken, aber mit dem, was sie abbilden, nichts zu tun haben – durch verzerrende Linien, Filter oder falsche Farben – täuschen bestenfalls über fachliches Unwissen hinweg. Ich lasse der Architektur den Raum, sich im Bild selbst zu inszenieren und verzichte bewusst auf Hilfsmittel.

Welche Gebäude machen Schwierigkeiten, welche machen es leicht?
OTT: Wenn ich keinen Zugang zu dieser Art von Architektur habe, wird es schwierig.

Welche Gebäude würden sie noch gerne fotografieren? Was steht auf Ihrer Liste?
OTT: Spannende Architektur, die mich fasziniert und mir gefällt. Ich bin immer froh, wenn etwas Neues da ist, so wird die Arbeit nicht zur Routine.

Wenn es nicht gerade Architektur ist, was ist Ihr Lieblingsthema nebenher?
OTT: Wenn ich etwas jenseits der Architektur fotografiere, finde ich wieder Architektur. Ich komme immer wieder zum Thema zurück: Auf meinen Landschaftsfotos sind Heuschober oder eine Liftanlagen. Oder ich mache das Portrait eines Architekten. Selbst unsere seltenen Familienfotos sind architektonisch inszeniert.


Fakten

Paul Ott wurde 1965 in Kremsmünster/Oberösterreich geboren, ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Graz. Seit 1989 freischaffender Fotograf. U. a. Architektur-Biennale, Sao Paulo Brasilien, Ausstellungen in Zürich und Berlin.

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