Das wohltemperierte Haus
300 Quadratmeter mit bestem Wohnklima ohne Heizkörper und Fußbodenheizung. Die Passivhaustechnologie funktioniert auch in großem Stil.

Foto © HARALD EISENBERGERUnkonventionelles Zusammenspiel der Materialien: massive Sichtbetonwände und seidenmatt glänzender Holzboden
Am Anfang war die Stiege und drum herum wurde das Haus gebaut. Das könnte man zumindest vermuten, wenn man das erste Mal das Haus der Familie Reisenhofer besucht. "Zum einen gab es den Wunsch, den Wohnbereich sehr offen zu gestalten, zum anderen hat es sich durch die Geländeform so ergeben, dass sich der Eingangsbereich im Untergeschoß befindet", lässt Architekt Erwin Kaltenegger zwei wichtige Planungsvoraussetzungen Revue passieren. Besagte Stiege schraubt sich von unten bis ganz oben als Gestaltungselement skulptural durch alle Wohnebenen. Und von dieser Treppe entwickelte sich tatsächlich der Grundriss des Hauses, "wobei statisch die Stahlbetonwand das zentrale tragende Element im Inneren ist", so Kaltenegger.
Was beim Durchwandern des Gebäudes ebenso ins Auge sticht, sind die großzügigen Raumdimensionen, die jene eines Durchschnittshauses bei weitem übertreffen. Bauherr Mario Reisenhofer: "Wir sind eine Familie mit zwei Kindern und haben uns etwas größere Räume erlaubt". Darüber hinaus auch eine andere Grundrisskonfiguration: Im Wohnbereich erstreckt sich ein offenes Raumkontinuum, zudemeine Küche, ein Speisezimmer und ein Wohnzimmer gehört. Verankert ist die Raumstruktur durch Sichtbetonwände, die durch ihre gestockte Optik reizvolle Lichteffekte werfen.
Im Obergeschoß liegen die Privaträume der Familie und auch hier wurde nicht an großzügigem Raumgespart. Der Elternteil ist fast wie eine eigene Wohneinheit gehalten: Ein riesiges Schlafzimmer mit einem großem Balkon davor und einer frei im Raum stehenden Badewanne nimmt den Löwenanteil der Etage ein. Direkt anschließend erstrecken sich Sauna und ein Badezimmer.
Wohlfühltechnologie
Der Clou bei diesem großen, kompakten Einfamilienhaus aber ist sein Passivhausstandard: "Ich habe mit dem Architekten darüber gesprochen und er hat gemeint, dass es auch in dieser Größe funktionieren müsste", so der stolze Passivhausbesitzer. Und das tut es auch. Darüber hinaus "ist die Photovoltaikanlage für die Stromgewinnung des Hauses so dimensioniert, dass es nahezu energieautark sein wird", so der Architekt. Kaltenegger hat sich seit Anbeginn der Passivhaus-Entwicklung mit individuellen "Prototypen" für seine Bauherren einen Namen gemacht. "Was mir am Passivhaus – neben dem Energieeinsparungspotential – besonders imponiert ist das tolle Wohngefühl", freut sich Bauherr Reisenhofer. Besonders die Belüftung und die gleichmäßige Temperatur. "Ich habe es immer als unangenehm empfunden, wenn es in einem Raum, in dem man sich aufhält, an einer Stelle wärmer ist als an einer anderen. Im Passivhaus benötige ich weder Heizkörper noch Fußbodenheizung und trotzdem haben Luft und alle Flächen die gleiche Temperatur."
Lässt vielleicht den Schluss zu, dass, wenn man ein Passivhaus baut, sich größere Dimensionen leisten kann, weil man damit zeitlebens viel Geld spart? "Das ist ein guter Ansatz", schmunzelt Architekt Kaltenegger, "Natürlich ist es so, dass das Passivhaus in Richtung Lebenszykluskosten immer günstiger wird, weil sich die Errichtungskosten relativ bald finanziert haben und dann die Betriebskosten marginal sind. Andererseits steigen mit der Größe selbstverständlich die Kosten."
Features
ZAHLEN UND FAKTEN
Wohnfläche: 263,42 m2
Energiekonzept: 5,0 kWp Photovoltaik,
Luftwärmeaustauscher,
Komfortlüftung mit
Wärmerückgewinnung, offener
Kamin (Bioethanol)
Bauweise: Ziegelmassivbau
HWB: 14,4 kWh/(m2a) nach
dem Passivhaus Projektierungs
Paket
Außerhalb der thermischen
Hülle: 89,5m2 Garage und
Lager
Foto

Bild vergrößernDas große, kompakte Einfamilienhaus punktet mit EnergieeffizienzFoto © EISENBERGER




















