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Zuletzt aktualisiert: 02.04.2010 um 15:29 Uhr

Vom Leben in einem "Schloss" aus Beton

Ganz aus Beton und Glas hat ein Grazer Architekt seinen Bauherren ein gemütliches, energieoptimiertes und vom Klima optimal designtes Heim geschaffen.

Sichtbeton ist in der modernen Architektur mittlerweile Usus. Als Speichermasse liefert Beton gesunde Wärme

Foto © KKSichtbeton ist in der modernen Architektur mittlerweile Usus. Als Speichermasse liefert Beton gesunde Wärme

Familie R. wollte auf jeden Fall massiv bauen. "Ich bin in einem massiven Haus aufgewachsen und möchte selbst auch so wohnen," erzählt Bauherrin Sonja R. Vorgesehen waren Ziegel. Der Architekt riet zu Beton. "Beton ist für uns Architekten ein ideales Material, da Beton uns neben der statischen und raumbildenden Funktion die Möglichkeit gibt, mit viel Glas zu arbeiten und trotzdem Behaglichkeit zu schaffen", erklärt Architekt Ernst Giselbrecht.

Beton hat Masse und ist ein guter Wärmeleiter. Diese beiden Eigenschaften werden bautechnologisch als Energiespeicher genutzt. "Wir können mithilfe der Betonkernaktivierung sehr leichte Gebäude mit dünnen Mauern bauen, in denen sich das ganze Jahr über ein gleichmäßiges Raumklima erzeugen und erhalten lässt", so Giselbrecht.

Heizen und kühlen mit Beton

Im Haus der Familie R. wurden folglich in Fußböden und Decken Rohrleitungen integriert, durch die man, je nach Bedarf, heißes oder kaltes Wasser zirkulieren lassen kann. Somit lässt sich im Sommer die Wärme einige Zentimeter hinter der Oberfläche abführen, wodurch es gelingt, in diesen leichten Gebäuden ein Klima zu erzielen, wie wir es von alten Schlössern mit meterdicken Mauern kennen. "Und im Winter leben wir mit Strahlungswärme", zeigt sich Sonja R. begeistert von diesem System. Dank der thermischen Eigenschaften von Beton kann auch das Prinzip eines Kachelofens für das Raumklima eingesetzt werden.

Mit Energie haushalten

Seit vielen Jahren befasst sich die Zement- und Betonindustrie mit der Erschließung günstiger Energiepotenziale durch die Nutzung der Erdwärme in Verbindung mit der Speichermasse von Beton. Das Haus R. verfügt über eine Heizung mit Erdsonden und Wärmepumpe. "Als Architekten haben wir während des Studiums gelernt, unsere Bauwerke in das geografische Umfeld einzubinden. Heute ist es so, dass wir unsere Gebäude auch in den energetischen Umraum einfügen sollen", so Giselbrecht.

Dies wird immer mehr zum Thema, da sich dadurch Synergien und Möglichkeiten ergeben, um in großem Rahmen Energie einzusparen. "In diesem Zusammenhang müssen natürlich die Einsatzmöglichkeiten der Materialien intelligent verknüpft werden", so Giselbrecht. Einigkeit herrschte bei den Experten darüber, dass sich der Baustoff Beton mit seiner hohen Wärmeleit- und Speicherfähigkeit ideal eignet, die Geothermie für unsere Wohnraumbehaglichkeit nutzbar zu machen.

Weniger CO2-Emissionen

Durch den optimalen Energieausgleich beim Heizen und Kühlen mit Beton wird nicht nur ein behagliches Wohnklima geschaffen, sondern auch ein Beitrag zum nachhaltigen Klimaschutz geleistet. In Kombination mit der Geothermie wird aus dem grauen Material ein ökologisch interessanter Baustoff, der einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Einsparung leistet, da durch den Wegfall bzw. die Reduktion konventioneller Heiz- und Kühlsysteme die CO2-Emissionen sinken. In ihrem Haus aus Beton bekommt Familie R. - auch wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht - keine kalten Füße.


So funktioniert es

Unter heizen und kühlen mit Beton versteht man die Nutzung der Speichermasse von Beton. Die Energieerzeugung erfolgt über Geosonden bzw. Kollektoren in der Erde und über Betonteile, in die Rohre integriert werden. Zum Heizen entzieht man dem Erdreich Wärme, zum Kühlen wird die im Gebäude anfallende Wärme wieder dem Erdreich zugeführt.

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