Aus weniger ist mehr geworden
Margarethe Zraunig hat in ihrem Haus in Maria Rain auf alles verzichtet, was nicht nötig ist. Eine Heizungsanlage gehört dazu.

Foto © Tscharf
Ihr Vorbild war das "Active-Suncube"-Passivhaus ihres Bruders, des Kärntner Architekten Dieter Tscharf. Aus Kostengründen hat sich Margarethe Zraunig beim Bauen allerdings für eine "abgespeckte" Variante entscheiden müssen. Ironie des Schicksals: Ihr "Suncube" in Maria Rain stiehlt dem Nachbarhaus, in dem Dieter Tscharf seit zehn Jahren ohne Heizung wohnt, regelmäßig die Show. Obwohl das nur 130 Quadratmeter große Haus bei mittlerweile vier Bewohnern langsam aus allen Nähten platzt, will Zraunig nicht ausziehen. "Weil die Wohnqualität hier einfach ein Hit ist", wie sie sagt. Und nur 150 Euro Heizkosten pro Jahr sind natürlich auch nicht zu verachten.
Abgespeckt. "Als Alleinerzieherin mit einem Kind musste ich 2004 so günstig wie möglich bauen", erzählt die Bauherrin. "Also hat mein Bruder bei der Planung alles weggelassen, was nicht unbedingt nötig ist: etwa die Schrägverglasung oder das Pultdach." Was nach aller Reduktion übrig geblieben ist, war ein zweigeschossiger Würfel mit Flachdach und Vollverglasung gegen Süden - einfach auf eine Bodenplatte gestellt.
Offener Grundriss. Der Grundriss wurde bewusst offen gehalten. Oben sind nur Schlafzimmer und ein Bad, unten lediglich das Kinderzimmer räumlich abgetrennt. "Die Galerie war mir wichtig, weil sie gleichzeitig mein Atelier ist", kommt Zraunig auf ihr Hobby zu sprechen. Der Boden besteht aus lackiertem Beton. Die Außenmauern sind aus Ziegel - mit 35 cm Dämmung. "Auch bei der Materialwahl waren die Kosten das Kriterium." Einzig bei der Treppe aus Stahl und Riffelblech auf einer Holzkonstruktion wurde nicht gespart. "Die Treppe steht wie eine Skulptur im Raum. Sie ist ein Blickfang - mein persönlicher Gangway."
Haustechnik. Das Haus funktioniert ohne Heizung. Nur mit Wärmerückgewinnung über die automatische Be- und Entlüftungsanlage, die gleichzeitig für Warmwasser sorgt. "Eine Solaranlage amortisiert sich hier nicht", erklärt Zraunig. Obwohl beim Bau sämtliche Vorbereitungen dafür - und für eine Photovoltaikanlage - getroffen wurden. Schwieriger als im Winter die Wärme ins Haus hineinzubringen sei es, die Hitze im Sommer auszusperren. Auch hier hat Zraunig die günstigste Variante gewählt: Außenjalousien, die per Knopfdruck im Haus zu steuern sind. "Funktioniert", zeigt die Erfahrung. "Obwohl es technisch leicht möglich wäre, das Haus über die Lüftungsanlage auch zu kühlen."
Features
Fotoserie
Fakten
"Active Suncube" - Die Firma des Kärntner Architekten-Duos Dieter Tscharf und Heinz Kriessmann ist auf den Passivhaus-Bau spezialisiert.
Der Prototyp kann in Maria Rain besichtigt werden.
Tel: (0 46 3) 56 116 18.


















