Häuslbauen für Gringos oder der Ausstieg ins Paradies
Reif für die Insel? Ab in den Flieger und auf nach Costa Rica! Ein Ratgeber für Bauherren mit Fernweh. Von einer, die ihren Traum vom selbstgebauten Haus in der Karibik hat wahr werden lassen.

Foto © Thomas KrammerIn fünf Monaten zum Wohntraum unter Palmen
Costa Rica, die "reiche Küste".
Das tropische Kleinod zwischen
Pazifik und Atlantik ist
reich an Vulkanen, Urwald und
endlosen Stränden. In Summe ergibt
das ein Land, dem man nur
schwer widerstehen kann. Es ist
politisch stabil, besitzt eine gute
Infrastruktur und ist trotzdem
finanziell leistbar.
Tipp
Gechlossene Arbeitsschuhe nachts nicht vor die Tür stellen. Landkrabben und Kröten verstecken sich gern darin.
Direkt am Meer. Nach eingehender
Besichtigung fiel unsere Wahl
auf ein 2000 Quadratmeter großes
Grundstück direkt am karibischen
Meer. Dabei lernten wir Land und
Leute, die "Ticos", kennen – und
schätzen. Dschungelartige Vegetation,
ein Bilderbuchstrand vor
der Nase und der sympathische
Lebensstil überzeugten letztendlich,
sich häuslich niederzulassen.
Aber Aussteigen ist nicht nur ein
Honigschlecken. All jene, die ähnliche
Träume hegen, finden hier viele
nützliche Tipps aus meinem
Erfahrungsschatz beim Häuslbauen
in Costa Rica.
Bauerlaubnis. Will man ein Grundstück am
Meer erwerben, hat man folgendes
Problem: Beide Küstenstreifen
bis zu einer Breite von 200 Metern
sind in staatlichem Besitz. Es wird
jedoch eine unentgeltliche Pacht
auf Lebenszeit gewährt. Ausländer
erhalten die Erlaubnis zum Bau an
der Küste nach fünf Jahren nachweislicher
Residenz. Die wenigsten
halten sich daran. Wir taten es
auch nicht. Unsere Baustelle wurde
nach zwei Monaten entdeckt
und spektakulär geräumt. Es lohnte
sich, bei den lokalen Behörden
mit einem "Präsent" vorstellig zu
werden. Wir durften weiterbauen.
Tipp
Ein 110-Volt-Gerät an eine 220-Volt-Leitung angeschlossen ergibt einen Motorbrand und Tränen um die neue Kreissäge.
Baumarkt. In lateinamerikanischen Baumärkten,
den "Ferreterias", herrschen
paradiesische Zustände. Jeder
Kunde bekommt eine persönliche
Betreuung und man kann nahezu
alles kaufen, was auch hierzulande
einen Namen hat. Aber
Vorsicht: in Costa Rica misst man
in Zoll (ein Zoll beträgt 2,54 cm).
Dies gilt für alle Baumaterialien,
von Nägeln über Ziegel, Bretter,
Pfosten bis zu den Dachlamellen.
Sämtliches Material gleich in Zoll
zu planen, erspart viel Kummer –
und Verschnitt. Allein vom Rest
unseres Fußbodens hätte man
Bauklötze für zehn kinderreiche
Familien produzieren können.
Naturbaustoffe. In Costa Rica steht man vor einer
großen Auswahl an Naturbaustoffen.
Teak, bei uns für wetterfeste
Gartenmöbel bekannt, ist eine beliebte
Holzart für Außenwände.
Unbedingt abgelegenes Holz kaufen!
Frisch geschnitten kann es
sich noch ordentlich verziehen und
bringt dadurch eine ungewollte
Dynamik ins Haus. So kamen wir
zu einem interessanten Design
des Holzbodens, weil sich tragende
Balken verbogen hatten.
Wellblech. Isolierung ist kein Thema in diesen
Breiten. Je luftiger gebaut, umso
angenehmer das Raumklima. Für
die Fenster reichen Metallgitter außen
und Fliegengitter innen. So
hält man sich Moskitos und Gelegenheitsdiebe
vom Leib. Die beliebteste
und günstigste Dachform
ist Wellblech. Nachteil: Bei heftigem
Regen kann man sein eigenes
Wort nicht mehr verstehen.
Features
Tipps
Spanisch lernen. Wer glaubt, Englisch würde reichen, kann mit seinen weißen Nachbarn Kaffee trinken, aber nicht mit seinen Arbeitern reden.
Siesta halten. Wer in der Mittagshitze arbeitet, ist selber schuld und wird mit unkontrollierten Schweißausbrüchen und Sonnenstich bestraft.
Tipps
Nicht unter Kokospalmen bauen. Fällt nächtens eine Nuss aufs Dach, glaubt man, Krieg wäre ausgebrochen.
Bier in der Mittagspause. Erfahrungsgemäß kommt man danach nicht mehr aus der Hängematte.




















