Krise bremst Häuslbauer
Nach dem Boom nimmt die Zahl der Baubewilligungen 2012 und 2013 ab. Gründe sind Unsicherheit, Arbeitslosigkeit und weniger Förderungen. Von Hannes Gaisch.

Foto © Fotolia: Doreen Salcher
Wohnungen und Häuser gelten in der Wirtschafts- und Schuldenkrise als "sicherer Hafen" für Geldanleger; das trieb die Immobilienpreise zuletzt stark nach oben. Nun stellt sich die wirtschaftliche Entwicklung aber als Bremse für den Wohnbau in Österreich heraus, sagt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Heuer und im kommenden Jahr werden weniger Wohnungen und Einfamilienhäuser gebaut.
2012 erwarten die Experten einen mäßigen Rückgang bei den Baubewilligungen um ein Prozent auf 42.800 Wohneinheiten. Heuer geht das Minus großteils auf das Konto von Einfamilienhäusern - 19.000 Bewilligungen sind 300 Einheiten weniger. Die Unsicherheit bewirkt, dass langfristige Investitionen hinausgezögert werden, erklärt das Wifo. 2013 wird die steigende Arbeitslosigkeit den Einfamilienhausbau laut Prognose um weitere 500 Einheiten schrumpfen lassen.
Das Segment der mehrgeschossigen Bauten dürfte im nächsten Jahr sogar um vier Prozent sinken, wofür geplante Kürzungen bei der Wohnbauförderung mitverantwortlich sind.
Niveau noch immer hoch
Allerdings betont das Wifo, dass in Österreich im internationalen Vergleich nach wie vor überdurchschnittlich viel Wohnraum geschaffen wird. Im europäischen Schnitt entstehen pro 1000 Einwohner 3,3 Einheiten pro Jahr, in Österreich liegen diese Werte für 2012 bei 5,1 Einheiten und 2013 bei prognostizierten 4,9 Einheiten. Auch im langjährigen Vergleich zeigen sich Frau und Herr Österreicher nach wie vor überdurchschnittlich eifrig beim Aufstellen der eigenen vier Wände. Einerseits bremst die Unsicherheit, andererseits locken niedrige Zinsen und Wertbeständigkeit.
Wann der Dämpfer in der Bauwirtschaft ankommen wird, lässt sich noch schwer sagen. 2010 und 2011 hatte es noch einen starken Anstieg bei den Baubewilligungen gegeben, erklärt Andrea Kunnert vom Wifo. "Da der Baubeginn nicht immer im Jahr der Bewilligung erfolgt, gibt es noch einen Polster für die Wirtschaft." Faktum ist, der Wohnbau ist für die Branche, die schon jetzt unter dem Rückgang öffentlicher Investitionen leidet, lebenswichtig - der Wohnbau macht jährlich 39 Prozent der Aufträge aus.
Aufgefallen ist den Experten außerdem, dass die Baudauer immer kürzer wird. Der Grund: Es wird immer mehr mit vorgefertigten Teilen gebaut.


















