Reconstructing: Neubau statt Sanierung
Die Kärntner Wohnbaugenossenschaft "Fortschritt" betritt mit ihrem Reconstructing- Konzept Neuland in Österreich. Neue Wohnungen entstehen gleich neben den alten.

Foto © Fortschritt
Alte Adresse, neue Wohnung: "Reconstructing" nennt sich das Konzept, mit dem die gemeinnützige Kärntner Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft "Fortschritt" laut Österreichischem Verband der Gemeinnützigen Bauvereinigungen eine Vorreiterrolle in Österreich einnimmt. "Auf dem Grundstück der sanierungsbedürftigen Siedlung werden neue Wohnungen errichtet. Nachdem die Mieter diese bezogen haben, wird der Altbestand Zug um Zug abgerissen", erklärt Franz Armbrust, Geschäftsführer der "Fortschritt".
Die Idee entstand im Zuge der Überlegungen zur Instandhaltung alter Genossenschaftsgebäude in den eigenen Reihen. "Wir haben laufend Gebäude instand zu halten. Sanierungen werden ab einem Alter von 20 Jahren durchgeführt. Uns gibt es aber seit 1951. Dementsprechend viele über 50 Jahre alte Bauten finden sich bei uns. Durch Sanierungen ist es nicht möglich, diese dem Standard von Neubauten gleichzusetzen", sagt Armbrust.
Das erste Reconstructing-Projekt wurde 2010 in der Ginzkeygasse in Klagenfurt fertiggestellt, wo 54 Altwohnungen durch 66 neue ersetzt wurden. Bereits Anfang 2001 sei man mit der Idee an die Mieter, Stadt und das Land herangetreten. Damals habe es noch viel Widerstand gegeben.
Ein steiniger Weg
Erst Mitte 2006 konnten die Arbeiten beginnen. "Zuerst mussten wir die Mieter mühsam überzeugen. Als die ersten Wohnungen fertig waren, waren aber auch die Kritiker begeistert", sagt Armbrust. Das bestätigt auch Harald Schmerlaib, Obmann der Siedlungsgenossenschaft: "Bestehende Mieter erhielten neue und energieeffiziente Wohnungen. Alle Einheiten wurden mit neuen Bädern, einer besseren Schall- und Wärmeisolierung und moderner Heiztechnik ausgestattet. Zudem verfügen sie über Balkone oder Loggien und sind durch Lifte erschlossen. Außerdem bleibt ohne Ortsveränderung das soziale Umfeld für alle Mieter erhalten." Auch wenn die Wohnungen neu sind, der Mietpreis wurde nur geringfügig angehoben. "Der Neupreis wird für Altmieter nur für zusätzliche Räumlichkeiten verrechnet", sagt Armbrust.
Für die Siedlungsgenossenschaft kommt Reconstructing um zehn bis 15 Prozent teurer als ein klassischer Neubau. Doch für Armbrust zählt die Nachhaltigkeit: "Es rentiert sich auf lange Sicht. Wir verbauen keine neuen Grünflächen, stattdessen werden Wohnungen bebauter Grundstücke auf den heutigen Stand der Technik gebracht." Der flächensparende Bau nutze bestehende Ressourcen und trage zu einer umweltschonenden Stadtentwicklung bei. Ein weiteres Projekt startet im Frühjahr 2013 in Klagenfurt. FLORIAN SCHAUER
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10 bis 15 Prozent Mehrkosten verursacht ein Reconstructing-Projekt gegenüber einem klassischen Neubau. Mitfinanziert und unterstützt werden die Reconstructing-Projekte der Siedlungsgenossenschaft "Fortschritt" durch das Land Kärnten und die Gemeinden.



















