Baustoff- und Immobilienwirtschaft präsentierte Konjunkturpaket
Die Baustoff- und Immobilienwirtschaft hat im Rahmen einer Studie ein Konjunkturpaket geschnürt, mit dem die Wirtschaft kurzfristig angekurbelt werden könne.

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Allein eine von derzeit 1 auf 3 Prozent erhöhte Sanierungsrate würde jährlich einen Impuls von 1,7 Mrd. Euro bringen, sagte der Autor der Studie "Effizienzpotenziale in der österreichischen Wohnungspolitik", Wolfgang Amann, am Dienstag in einer Pressekonferenz. Das mache etwa 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und würde 30.000 Arbeitsplätze schaffen. Mehr Sanierungen - auch im privaten Bereich - seien "ein Gebot der Stunde".
Wenn dann die Länder noch für einen kontinuierlich starken Wohnungsneubau sorgten, alle in Wien dringend gebrauchten Wohnungen gebaut würden und das Thema Abbruch oder Neubau mehr nach wirtschaftlichen Kriterien angegangen würde, könnte ein Volumen von 2,5 bis 3 Mrd. Euro aus diesem Bereich aktiviert werden, so Amann, - das wäre rund 1 Prozent der Gesamtwirtschaftsleistung Österreichs.
Bauwirtschaft insgesamt 6,2 Prozent des BIP
Derzeit mache die Bauwirtschaft insgesamt 6,2 Prozent des BIP aus, sagte der Vorstandsvorsitzende des Forschungsverbandes der österreichischen Baustoffindustrie (F.B.I.) und Geschäftsführer der Saint-Gobin Rigips Austria, Peter Leditznig. In den 1990er und 2000er Jahren waren es noch 7,2 bis 7,3 Prozent. "In den Neunzigern hatten wir einen Boom beim Wohnungsneubau", rief Amann in Erinnerung.
2011 sei ein Bauvolumen von über 43.000 Einheiten erreicht worden. "Da liegen wir nahe am Bedarf", so der Studienautor. Bei den Sanierungen ortet er allerdings "massiven Handlungsbedarf". Von den rund 3,6 Mio. Hauptwohnsitzen, die 2010 in Österreich registriert waren, sollten 2,2 Mio. Wohneinheiten thermisch saniert werden. "Das sind 61 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes." Den größten Brocken bildeten Eigenheime und private Mietwohnungen.
Der Wohnbau könnte wesentlich zum Erreichen der EU-Klimaschutzziele beitragen. "Es ist eine wirtschaftspolitische Chance, in diese Richtung zu gehen", meinte Amann. Laut EU sollen die Emissionen aus Raumwärme bis 2050 um 90 Prozent gesenkt werden. "Ich persönlich bin der Ansicht, dass dieses Ziel realistisch erreichbar ist." In den vergangenen 20 Jahren seien die Wohnflächen gegenüber 1990 um 40 Prozent gestiegen, die Emissionen gleichzeitig um über 20 Prozent zurückgegangen.
Zur Bemessung von Förderungen im Bereich der thermischen Standards sollte der Studie zufolge der Gesamtenergiebedarf herangezogen werden - nicht nur der Heizwärmebedarf. Oberösterreich und Vorarlberg hätten bereits umgestellt und ließen den Alternativmesswert zu.
Ohne ausreichende thermische Standards
Sorge bereitet den Studienautoren, dass derzeit über die Hälfte der Eigenheime ohne Förderung und somit oft auch ohne ausreichende thermische Standards errichtet werde. Vor ein paar Jahren bauten noch 90 Prozent mit Förderungen. Nur mit diesen finanziellen Anreizen könne man den Bestand langfristig auf ein vernünftiges thermisches Niveau bringen.
"Wir möchten die Wohnbauförderung erhalten, aber die Zweckbindung wieder einführen", so Leditznig. Ebenfalls auf der Wunschliste der Bau- und Immobilienwirtschaft: Die "unüberschaubare Fülle" an Förderungen von Bund, Ländern, Gemeinden und Energieversorgern sollte vereinfacht und auf einander abgestimmt werden und das Mietrecht gehöre liberalisiert - es gebe sieben verschiedene Preisregime für Mietwohnungen, kritisierte Amann.
"Überzogene Forderungen" bei den bautechnischen Vorschriften könnten den Wohnungsneubau zudem erheblich verbilligen. Als entbehrlich erachten die Branchenvertreter etwa die Auflage, einen Pkw-Stellplatz je Wohnungseinheit zur Verfügung zu stellen, oder die Forderung, 100 Prozent barrierefrei zu bauen. Im Regierungsübereinkommen gebe es schon einige Maßnahmen, die aber noch umzusetzen seien.


















