Architekturbiennale: Hoffnung in kleine Schritte
Auftrumpfendes Bauen war gestern. Diesen Eindruck vermittelt die Architekturbiennale von Venedig. Die Zukunft gehört demnach der Hilfe zur Selbsthilfe.

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Bald nachdem man in den Corderie des Arsenale Norman Fosters effektvolle Bild-Ton-Collage "Gateway" passierte hat, den Versuch, die Disparatheit des Planeten Erde mit Tausenden Bildern und Geräuschen aller Art sicht- und hörbar zu machen, ist man im Beitrag des Schweizers Peter Märkli mit einigen wenigen stummen Figuren konfrontiert. Mit überlebensgroßen Körpern des Bildhauers Hans Josephsohn (der vor zehn Tagen 92-jährig in Zürich starb). Und einer Figur von Alberto Giacometti, ein Stehender von typischer Schmächtigkeit, bewacht rund um die Uhr (weil vermutlich, nein, sicher das kostbarste Exponat dieser Architekturbiennale).
Märkli thematisiert auf gänzlich andere Weise, was Wolfgang Tschapeller im österreichischen Pavillon mit großem technischen Aufwand (wie berichtet) zur Diskussion stellt: das Verhältnis von Körper und Raum, somit eine Grundfrage der Architektur. Anhand beider Beiträge kann die Bedeutung des Begriffs "Menschenmaß" diskutiert werden.
Menschenmaß erscheint als das tragfähigste Element des Mottos "Common Ground", unter dem die von David Chipperfield geleitete jüngste Biennale-Ausgabe steht. Vielleicht ist Menschenmaß der gemeinsame Grund, auf dem hier Mängel festgestellt, Lösungen vorgeschlagen, zumindest gesucht werden.
Bescheidenes
Die Lösungsvorschläge sind auffallend bescheiden. Sie bleiben im mehrfachen Wortsinn am Boden, utopische Szenarien haben keine Saison. Es ist eine höchst pragmatische Biennale, eine, die man auch konservativ nennen könnte. Dass die Vorstellung des Selbsthilfeprojekts Torre David in Caracas (wir berichteten ebenfalls) mit einem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde und die Einbeziehung der Bevölkerung in die Revitalisierung einer vom Tsunami verwüsteten Gegend Japans im japanischen Pavillon passt ins Stimmungsbild. Auch "special mentions" der Jury mit Präsident Wiel Arets für die USA (eine wahre Selbsthilfe-Anthologie) und Polen sind verdient. Wie sie das "Museum of Copying" von FAT verdient hätte. Eine höchst amüsante und spannende Hinterfragung des Kopierens, u. a. mit Bauten von Adolf Loos und dem chinesischen Hallstatt-Doppel als Anschauungsmaterial.
Fragwürdiger ist Speziallob für "i-city". Interessante Informationen über den Wissenschaften gewidmete Projekte in der UdSSR und im heutigen Russland werden einer zweifellos attraktiven, letztlich aber ärgerlichen Techno-Verpackung geopfert. Weniger wäre jedenfalls mehr gewesen, ein Goldener Apfel für die meisten iPads angemessener.
Dass man trotz allem die Alten Meister ehren darf, zeigt Álvaro Siza, heuer für das Lebenswerk ausgezeichnet. Im Arsenale führt er vor, wie auch wuchtige Eingriffe möglich sind, ohne das Umfeld zu beschädigen. Sizas Hommage an venezianisches Gassen und venezianisches Rot verströmt auf seine Weise den poetischen Charme der benachbarten "Wunderkammer". In ihr zeigen Tod Williams und Billie Tsien, was 36 Kollegen von Shigeru Ban bis Peter Zumthor inspiriert. Sehr poetisch.
Durchwachsenes
Im umfassenden Rahmenprogramm der 13. Architekturbiennale ist die Schau "Traces of Centuries & Future Steps" zu sehen. Eine durchwachsene Veranstaltung, die fragwürdige (Kunst?)Installationen mit sehr konkreten Planungen mischt, etwa einem Großprojekt Arata Isozakis für China, welches die Schau auch finanziert. Als einziger Österreicher ist Ernst Giselbrecht mit drei Arbeiten vertreten, darunter Vorschläge zur Nutzung der gewaltigen Katakomben der Grazer Reininghaus-Gründe.



















